Aus der Pleite gelernt

Fünf Jahre nach der Lehman-Pleite sind die Finanzmärkte besser auf große Krisen vorbereitet. Für Stabilität sorgt insbesondere, dass die Banken mit mehr Eigenkapital arbeiten müssen, loben Ökonomen.

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Der 15. September 2008 gilt als eines der einschneidendsten Ereignisse in der Wirtschaftsgeschichte: Der Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers brachte die weltweit größte Finanz- und Wirtschaftskrise ins Rollen. Seither sind die Finanzmärkte "deutlich robuster geworden", lobt der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther. Denn die Politik hat viel mehr bewegt, als den Bürgern bewusst ist. "Durch die neuen Regeln ist das Geld der Steuerzahler bei Bankenkrisen besser geschützt als bisher", ist das Fazit einer Studie des unternehmernahen Instituts.

Nach dem Erdbeben auf den weltweiten Finanzmärkten einigten sich die Staats- und Regierungschefs der größten Industrie- und Schwellenstaaten in der G20 rasch auf neue Spielregeln. Zumindest Deutschland und die EU haben viele Reformen schon umgesetzt, oder dies läuft derzeit. So müssen Banken bis 2018 ihr Eigenkapital von 8 Prozent auf bis zu 18 Prozent ihrer Bilanzsumme erhöhen. Damit können sie Verluste beim Ausfall von Krediten leichter verkraften. Das kann allerdings dazu führen, dass die Kreditzinsen steigen.

Verbesserungsbedarf sieht Hüther bei Staatsanleihen von EU-Mitgliedsstaaten: Wenn Banken diese aufkaufen, müssen sie dies nicht mit Eigenkapital unterfüttern. Dabei hat die Eurokrise gezeigt, dass gerade sie nicht so risikolos sind wie lange gedacht: Manche Bank geriet ins Schleudern, weil sie zu viele Staatsanleihen in den Büchern hatte. Im Jahr 2015, "wenn sich die Krise hoffentlich beruhigt hat", sollte begonnen werden, diese Bevorzugung abzustellen.

Auf dem richtigen Weg ist nach Hüthers Einschätzung die Bankenaufsicht, die 2014 im Euroraum unter dem Dach der Europäischen Zentralbank (EZB) starten soll. Nationale Aufsichtsbehörden waren oft zu nachlässig, weil sie befürchteten, den nationalen Bankenstandort zu schwächen. Allerdings muss die EZB ihre Möglichkeiten bis zum Entzug der Lizenz auch nutzen.

Positiv bewertet der IW-Chefvolkswirt auch die europaweit einheitlichen Regeln für die Insolvenz und anschließende Abwicklung von Banken. Die Finanzkrise sei gerade in den Eurostaaten recht schnell überwunden worden, die ihre Problembanken konsequent abgewickelt hätten, wie Deutschland und Österreich. Hierzulande wurden unter anderem die Hypo Real Estate (HRE) ganz und die Commerzbank teilweise verstaatlicht sowie mehrere Landesbanken abgewickelt.

"Richtig, aber zu viele Ausnahmen", so lautet Hüthers Urteil über die Beteiligung der Gläubiger an den Verlusten einer Bank: Zuerst müssen die Eigentümer dafür geradestehen. Danach werden Kredite, die Gläubiger der Bank gewährt haben, in Eigenkapital umgewandelt, damit auch sie sich beteiligen. Allerdings plant die EU-Kommission Ausnahmen, was das IW nicht für sinnvoll hält. Heftige Kritik übt Hüther an der auch in Deutschland geplanten Finanztransaktionssteuer: Sie treffe nicht die Bank, sondern die Kunden, an die sie über die Provision weitergegeben werde.

Alle Maßnahmen sollen letztlich dafür sorgen, dass der Steuerzahler nicht so schnell einspringen muss. Völlig sicher kann er sich aber auch künftig nicht sein. Insgesamt hatten die EU-Staaten den Banken von 2008 bis 2011 fast 3200 Mrd. EUR zur Verfügung gestellt, insbesondere als Garantien und zusätzliches Eigenkapital. Etwa die Hälfte davon haben die Institute inzwischen wieder zurückgezahlt.

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