Auf Ölsuche im Allgäu

Die weltweite Öl-Nachfrage macht derzeit auch die Suche nach und das Geschäft mit kleinen Vorkommen lukrativ. Auch im Allgäu wird nach jahrzehntelanger Pause wieder nach dem Schwarzen Gold gebohrt.

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Diesen Bohrturm betreibt Wintershall in Bedernau in Bayern.  Foto: 

Wie ein Fremdkörper wirkt das stählerne Bohrturmgerüst inmitten von grünen Wiesen und Maisfeldern. Vor allem bei Dunkelheit, wenn der knapp 40 Meter hohe Turm beleuchtet ist, zieht er die Blicke der Menschen auf sich, die in Bedernau und Umgebung wohnen. In dem kleinen Ort im Unterallgäu wird nach langer Pause wieder nach Erdöl gebohrt.

Vergangene Woche hat die BASF-Tochter Wintershall dort eine Erkundungsbohrung gestartet. Seitdem wird der Meißel pausenlos durch verschiedene Gesteinsschichten in die Tiefe getrieben, im Schnitt schafft er 300 Meter am Tag. Die Experten hoffen darauf, in 1500 Metern Tiefe auf den kostbaren Rohstoff zu stoßen - und investieren dafür etliche Mio. EUR.

"Ziel ist, die Erdölförderung in Bayern auszubauen und den Standort zu stärken", sagt Mark Krümpel, Sprecher des Unternehmens mit Sitz in Kassel. Bedernau ist nicht der einzige Ort im Allgäu, an dem Wintershall nach Öl sucht. Bereits im August gab es eine Erkundungsbohrung im nur wenige Kilometer entfernten Lauben. Sie ist inzwischen abgeschlossen. "Jetzt werden die Ergebnisse der Probebohrung analysiert. Bis Jahresende können wir sagen, ob sich an diesem Standort eine längerfristige Ölförderung lohnt", sagt Krümpel.

Normalerweise sind es Bilder von grünen Wiesen, grasenden Kühen oder Schloss Neuschwanstein, für die das Allgäu bekannt ist. Der stählerne Bohrturm gehört nicht dazu. Dabei wurde an den beiden Standorten im Unterallgäu früher schon über Jahrzehnte hinweg Schwarzes Gold gefördert. In den 1980er Jahren war die Erdölförderung in Lauben aufgrund niedriger Ölpreise eingestellt worden, Mitte der 1990er Jahre endete die Förderung in Bedernau - dem ehemals bedeutendsten Ölfeld Bayerns. Dort hat Wintershall innerhalb von drei Jahrzehnten fast 2 Mio. Tonnen Erdöl aus dem Boden geholt.

Inzwischen sei eine Förderung wieder lukrativ, sagt Krümpel. "Durch den gestiegenen Ölpreis und effizientere Fördermethoden lohnt es sich, wieder in alte Ölfelder zu investieren." Zudem hätten geologische Untersuchungen neue Potenziale ergeben. Wenn die Ergebnisse positiv sind, wäre ab 2016 eine Erdölförderung im Allgäu wieder denkbar.

Nach Angaben des Wirtschaftsverbands Erdöl- und Erdgasgewinnung ist Wintershall der größte Erdöl-Produzent Deutschlands. Auch in Bayern fördert ist das Unternehmen schon länger aktiv. Von den rund 46.000 Tonnen, die 2013 von den drei bayerischen Ölfeldern aus dem Boden gepumpt wurden, kam der überwiegende Teil aus den schwäbischen Wintershall-Bohrstätten Aitingen (37.500 Tonnen) und Schwabmünchen (7300 Tonnen). Im oberbayerischen Hebertshausen nördlich von München förderte die RWE Dea AG im vergangenen Jahr knapp 1200 Tonnen Erdöl.

Es sind jeweils vergleichsweise geringe Mengen angesichts von 1,4 Mio. Tonnen Öl, die jedes Jahr auf Deutschlands größtem Ölfeld, der Bohr- und Förderinsel Mittelplate vor der schleswig-holsteinischen Küste, gefördert werden. Trotzdem will Wintershall sein Engagement in Süddeutschland ausweiten. Im Wettlauf um die weltweiten Energierohstoffe gewinne die heimische Erdölförderung an Bedeutung, sagt der Leiter der süddeutschen Betriebe, Rainer Ihl. "Jede Förderung vor der eigenen Haustür unterstützt die Versorgungssicherheit." Zudem steigere sie das technologische Know-how des Unternehmens.

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