Asien verleiht Flügel

Zu Wasser, zu Lande und in der Luft: Modelle von Graupner erfreuen vor allem Erwachsene - und die achten auf Qualität. Doch 80 Prozent eines teuren Modell-Flugzeug stammen aus Asien. Kann das gut gehen?

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Oha, da wird doch nicht etwas kaputt sein: Stefan Graupner legt viel Wert auf Qualität seiner Produkte. Das Segelflugzeug in seiner Hand wird vom Käufer selbst zusammengebaut. Foto: Graupner

"Die Titanic läuft gut", sagt Geschäftsführer Stefan Graupner. Genau genommen läuft sie eigentlich gar nicht: Der Modellbau-Hersteller stellt das Schiff der Schiffe in seiner Glasvitrine am Eingang des Unternehmens aus. "Das Modell ist derzeit ausverkauft", freut sich Graupner. "Das Unglücksjubiläum und der Titanic-Film in 3D haben zu der hohen Nachfrage geführt."

1050 EUR kostet der etwa eineinhalb Meter lange Nachbau des Schiffs, das zwar schwimmfähig ist, von den Käufern laut Graupner aber meistens hinter Glas im Wohnzimmer seinen Platz findet. Damit dürfte die "Titanic" eine Ausnahme sein. Die Modelle des Unternehmens vom Fuße der Burg Teck erheben sich meistens tatsächlich in die Luft, schwimmen auf dem Wasser oder rasen über Asphalt. Generationen von Kindern und Erwachsenen bauten sich Segelflugzeuge wie den "Kleinen Uhu" zusammen, ließen das Segelflugzeug "Cirrus" an Berghängen in die Luft steigen oder scheuchten mit dem Rennboot "Taifun" Enten auf.

Weil bei der Herstellung Handarbeit wichtig ist, müssen die Kirchheimer in Asien produzieren lassen. In Vietnam, Korea, Japan, Thailand und China werden 80 Prozent der Modelle gefertigt, der Rest hierzulande. Das Problem: Ein Flugzeug kommt mit Fernsteuerung und Motor schon mal auf 2000 EUR. Qualität wird groß geschrieben. "Da wollen die Kunden nicht riesengroß ,Made in China am Heck lesen", weiß Graupner. "Wir müssen vorsichtig sein und Qualität über alles stellen. Der Kunde ist sehr feinfühlig." Im Unternehmen gibt es deshalb Räume, die an ein wissenschaftliches Labor erinnern: Männer sitzen vor jeder Menge Messinstrumenten und versuchen, Kunden bei Problemen telefonisch zu helfen.

Auch Marketing, Vertrieb, Logistik und Entwicklung ist am Rande der Schwäbischen Alb zu Hause. Angestellte beugen sich über im Kirchheimer Werk über Hubschrauber in Tarnfarben, legen kleine Seile für die Heckklappen durch einen Flugzeugrumpf aus Holz und entwerfen große, graue Marineschiffe. "Das ist unsere Kernkompetenz. Die geben wir nicht aus der Hand", sagt der 44-Jährige.

Viel Aufsehen erregte Graupner etwa vor einiger Zeit mit einer Steuerung, die nicht nur sendet, sondern auch Rückmeldungen des Modells empfängt. Die Produktion in China ist dagegen wichtig, weil die Arbeit dort so billig ist. "Wir brauchen loyale und gute Partner", erklärt Graupner. Diese lernen er und seine Mitarbeiter auf Messen kennen. Die Deutschen besuchen anschließend die Unternehmen, es wird verhandelt und schließlich werden Verträge abgeschlossen. Einige Chinesen liefern schon seit vielen Jahren.

"Dabei höre ich auf meinen Bauch", beschreibt Graupner den Findungsprozess. Als es einmal bei einem Anbieter unordentlich aussieht, schmutzig ist, und er kein Vertrauen zu den Besitzern fasst, lässt er die Finger davon: "Der Preis darf nicht das wichtigste sein." Nur einmal haben ihn die Asiaten richtig über den Tisch gezogen, sagt er, ohne Details zu nennen.

In Verhandlungen mit Chinesen geht es durchaus hart zu. "Ich hau da schon auch mal auf den Tisch", berichtet Graupner, "aber ich kenne genau den Moment, an dem das richtig ist." Er weiß um die kulturellen Unterschiede und achtet auch darauf. "Dennoch gehen wir selbstbewusst in Gespräche."

Seine chinesischen Partner sind in fast allen Fällen an langfristigen guten Beziehungen interessiert und wollen einen nicht übers Ohr hauen, sondern alle Beteiligten glücklich machen. Auch in China steigen aber die Preise.

Wichtig ist es für sein Unternehmen, den Wissensvorsprung zu halten, sagt der Geschäftsführer. Deshalb ist eine ausländische Beteiligung am Unternehmen für ihn auch undenkbar. "Zwar kommen auch hierzulande chinesische Produkte auf den Markt. Aber immer wieder erleiden Modellbauer damit Schiffbruch - und das ist gut für uns."

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