Elena belastet Firmen
Stuttgart. Im Moment ist die Belastung groß, die Entlastung kommt 2012. Dann erst profitieren die Unternehmen von dem elektronischen Entgeltnachweis. Verbände fordern, mehr Daten als bisher geplant zu übermitteln.
Eigentlich sollte er die Arbeitgeber entlasten. Doch der elektronische Entgeltnachweis (Elena) entpuppt sich gerade für kleinere Unternehmen als Belastung. "Wir müssen feststellen, dass es für die Betriebe spürbar teurer geworden ist", sagt Daniel Ohl vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Baden-Württemberg. Vor allem, weil viele kleinere Betriebe auf die Dienste von Steuerberatern zurückgreifen.
Das kann auch Johannes Berger, Geschäftsführer des baden-württembergischen Handwerkstags, bestätigen. "Während die meisten Dienstleister für Personalabrechnungen ihre Preise beibehalten haben, verlangen Steuerberater einen einmaligen Aufschlag pro Stammdatensatz von 7,50 EUR." Rechtlich sei das in Ordnung. Berger glaubt aber, dass es auch ein paar Euro weniger getan hätten. Die Steuerberater sehen das naturgemäß anders.
Der Aufwand derjenigen Kleinbetriebe, die die Daten ihrer Angestellten selbst übermittelten, sei indes gestiegen, sagt Berger. Sie müssten sich mit einer Zusatzsoftware vertraut machen und 155 statt 95 Felder pro Mitarbeiter ausfüllen.
Seit dem 1. Januar sind Arbeitgeber verpflichtet, gesetzlich festgelegte Entgeltdatensätze ihrer Mitarbeiter an die Zentrale Speicherstelle (ZSS) weiterzuleiten. Monatlich. Neben einer größeren Transparenz und mehr staatlichen Kontrollmöglichkeiten ist es das Ziel des Datenerfassungsprojekts, die Unternehmen von Bürokratie zu entlasten. Doch das wird erst ab dem 1. Januar 2012 der Fall sein. Dann geht Elena in den Regelbetrieb über - und die Aufgaben der Unternehmen werden weniger. Bis dahin sind diese jedoch doppelt belastet. Neben der elektronischen Meldung müssen sie weiterhin die Bescheinigungen in Papierform ausstellen. "Deswegen ist an der Basis unseres Verbandes doch großes Grummeln zu hören", erklärt Berger.
Wie der Handwerkstag unterstützt die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) Elena im Prinzip: Weniger Bürokratie klingt immer gut. Doch das "Potenzial zum Bürokratieabbau" werde "nur rudimentär genutzt", kritisiert der stellvertretende BDA-Hauptgeschäftsführer Alexander Gunkel. Der Zusatzaufwand stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen, da bisher nur Angaben zum Arbeitslosen-, Eltern- und Wohngeld einbezogen sind. Insgesamt hätten Arbeitgeber "mehr als 100 Auskunfts-, Melde- und Bescheinigungspflichten gegenüber Behörden".
Hier sieht die Industrie- und Handelskammer Ulm Sparpotenzial: "Es sollten lediglich die Daten übermittelt werden müssen, die zwingend notwendig sind", sagt Hermann Schöllhorn. Von diesen notwendigen sollten alle, zumindest aber sämtliche 45 Entgeltbescheinigungen, in das elektronische Verfahren aufgenommen werden. Das ist Konsens unter den Verbänden.
Der IT-Branchenverband Bitkom hat vorgerechnet, dass die deutschen Unternehmen insgesamt 500 Mio. EUR sparen könnten, wenn alle Arbeitsnachweise und Gehaltsbescheinigungen elektronisch übermittelt würden. Der Normenkontrollrat geht dagegen nach geltender Rechtslage von 85 Mio. EUR aus. Das bedeutet, dass Betriebe im Schnitt um 25 EUR entlastet werden.
Entscheidender, aber nicht in Zahlen zu fassen, dürfte laut Helmut Oppitz, dem Elena-Projektleiter, die eingesparte Arbeitszeit sein. Die könnten die Personalabteilungen ab 2012 anders nutzen.
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Autor: OLIVER HEIDER | 09.03.2010
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