Baiersbronner Geschichten
: Wohl und Wehe des Landvolks

Christoph Schurr von der Forsthochschule spricht über die Jagd in der Zeit der württembergischen Herzöge.
Von
dun
Baiersbronn

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Nicht gesetzt

Im dritten Vortrag der Reihe „Baiersbronner Geschichte(n)“ am Mittwoch, 28.November, im Evangelischen Gemeindehaus in Baiersbronn-Obertal geht es um die Jagd. In früheren Zeiten war das Konfliktpotenzial erheblich größer als heute. Das Jagdrecht war ein wichtiges Standbein der Macht der württembergischen Herzöge seit dem 15. Jahrhundert. Systematisch bauten sie ihre Landesherrschaft und die Landesverwaltung auf dem Jagdregal auf.

Doch häufig kollidierte die Ausübung der landesherrlichen Jagd mit den wirtschaftlichen Interessen der Landbevölkerung. Für die Bevölkerung war das von den Herzögen in heutzutage unvorstellbarer Dichte gehegte Hochwild ein Konkurrent um die Nahrungserzeugung und die Nutzungen des Walds. Die umfangreichen Jagdfrondienste entzogen der Landwirtschaft dringend benötigte Arbeitskräfte. Und das gerade in Jahreszeiten, wo sie dringend gebraucht wurden. Viele Arten, die heute streng geschützt sind, waren Jagdbeute. Auch die Jagdmethoden entsprachen nicht der modernen Vorstellungen von Tierschutz und Waidgerechtigkeit. Von der Jagdausübung war der einfache Untertan offiziell weitestgehend ausgeschlossen. In einigen Gebieten konnten Bauern und Bürger jedoch uralte Rechte zur Jagdausübung hartnäckig über Jahrhunderte hinweg gegen den Zugriff der Herrschaft verteidigen. In den herrschaftlichen Jagdgebieten fanden sie – nicht immer ganz legale – Wege, um sich jagdlich zu betätigen, egal ob zur Wildschadensabwehr, Raubwildbekämpfung oder Fleischjagd. Die Jagd war ein andauerndes Konfliktthema im alten Württemberg, egal ob in den Dörfern auf dem Land, im Wald oder auf den Landtagen in der Hauptstadt.

Der Vortrag gibt Einblicke in die Ursachen dieser Konflikte, wie sie ausgetragen und gelöst wurden. Christoph Schurr ist Professor für Forst- und Umweltpolitik sowie Umweltrecht an der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg. Er beschäftigt sich mit den Wechselbeziehungen zwischen ländlichem und städtischem Raum sowie mit der Wald- und Umweltgeschichte.