Ära Ackermann ist zu Ende

Der Schweizer hat die Deutsche Bank sicher durch die Finanzkrise geführt, sie ausgebaut und gefestigt. Aber er hat ihr auch eine Reihe von Problemen hinterlassen. Die Bilanz der Ära Ackermann ist gemischt.

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  • Das Victory-Zeichen beim Mannesmann-Prozess (oben) machte ihn zum Feindbild derer, die ihn als kaltblütigen Banker sehen wollen; doch Josef Ackermann hat viele andere Gesichter (unten). Fotos: dpa 1/4
    Das Victory-Zeichen beim Mannesmann-Prozess (oben) machte ihn zum Feindbild derer, die ihn als kaltblütigen Banker sehen wollen; doch Josef Ackermann hat viele andere Gesichter (unten). Fotos: dpa
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. Es ist ruhig geworden. Und dies obwohl die Deutsche Bank mit der Hauptversammlung am 31. Mai vor einer tiefen Zäsur steht. Noch-Vorstandschef Josef Ackermann schweigt ebenso wie seine Co-Nachfolger Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Kein Geplänkel, kein Disput über die künftige Strategie. Nur einer hat sich zu Wort gemeldet: Ex-Deutsche Bank-Chef Hilmar Kopper. Der Mann, der Ackermann 1996 geholt hat.

Heute klopft sich der 77-jährige Kopper indirekt selbst auf die Schulter: Ackermann habe alles richtig gemacht. Nur eines hält er dem Schweizer vor: Dass er sich vom Vorstandssprecher zum Vorstandsvorsitzenden hat küren lassen. Erst dies habe das Theater um die Nachfolge von Ackermann möglich gemacht. "Früher hat der Vorstand seinen Sprecher selbst aus seiner Mitte bestimmt. Da hatte der Aufsichtsrat nichts mit zu tun." Da ging unter Chef-Kontrolleur Clemens Börsig einiges schief.

Trotzdem: Die Lösung mit der Doppelspitze - von Ackermann nicht favorisiert - ist nach Ansicht von Kopper nicht die schlechteste. Damit habe die Bank schon von 1976 bis 1985 gute Erfahrungen gemacht. Da führten Friedrich Wilhelm Christians und Wilfried Guth die Bank. "Die haben sich wunderbar ergänzt." Kopper hat keine Zweifel, dass sich der 49-jährige Jain und der 63-jährige Fitschen bestens verstehen: "Die können miteinander." Ein Inder an der Spitze - kein Problem. "Das ist nicht ganz normal, aber wir werden damit fertig."

Auf der Hauptversammlung steht weniger Ackermann als Aufsichtsratschef Börsig am Pranger. Ihm winkt ein unschöner Abgang. Aktionärsgruppen drängen auf Nicht- Entlastung. Grund: Das Ringen um die Nachfolge von Ackermann, der schon 2009 hatte gehen wollen, aber blieb, als sich Börsig selbst an die Spitze setzen wollte.

Trotzdem geht es in der Frankfurter Festhalle vor allem um "Joe" Ackermann. Es ist sein letzter Auftritt als Deutsch-Banker. Nach 16 Jahren endet für den Schweizer das Kapitel Deutsche Bank. Kopper hatte ihn von Zürich nach Frankfurt geholt, mit der Weitsicht, dass Ackermann bald die Bank führen würde. 2002 war es soweit: Der Vorstand kürte erstmals einen Ausländer zu seinem Sprecher. Er bewundere Ackermann, sagt Kopper. Er habe die Bank endgültig in die Riege der global führenden Investmentbanken gebracht, sie unbeschadet durch die Finanzkrise geführt. Fehler? Kopper hält schon die Frage für nicht angebracht.

Es sind nicht nur Banker, die Ackermann loben. Daimler-Chef Dieter Zetsche bezeichnet ihn als Banker von herausragendem internationalen Format. Ex-Finanzminister Peer Steinbrück nennt ihn trotz "gelegentlich unterschiedlicher Auffassung" einen kompetenten und verlässlichen Gesprächspartner, Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker bescheinigt dem Schweizer "knallharten Charme", Solidität und Selbstkritik. Selbst IG Metall-Chef Berthold Huber, kein Freund von Investmentbanken, nennt Ackermann einen verlässlichen Menschen: "Es braucht solche Leute, die auch in schwierigen Situationen gerade stehen."

Das widerspricht dem öffentlichen Bild von Ackermann, der oft als typischer, gieriger Vertreter seines Faches gebrandmarkt wird. Die von ihm lange geforderte Eigenkapitalrendite von 25 Prozent allerdings war auch für Branchenexperten überzogen. Sein Victory-Zeichen beim Mannesmann-Prozesses wird ihm nach wie vor angekreidet, obwohl er doch nur eine Geste von Pop-Star Michael Jackson nachahmte. Beleg sind vielen auch der massiv forcierte Ausbau des Investmentbankings - verbunden mit fragwürdigen Produkten. Sie schaden dem Ruf der Bank noch heute.

Eine Flut von Klagen war und ist die Folge. Deutsche Städte und Unternehmen fühlen sich durch Zinswetten über den Tisch gezogen und bekamen mehrfach Recht. Selbst die bundeseigene KfW klagt. In den USA ist kein Ende der Prozesse abzusehen. Justizministerium und Bankenaufseher sind erbost, dass die Deutsche Bank angeblich noch heute aus der Immobilienkrise von 2008 Kapital schlägt. Die Prozesse bleiben ein Erbe Ackermanns und eine Hypothek für seine Nachfolger.

Nahrungsmittelspekulation, Geschäfte mit Streubombenherstellern - auch das wird der Bank vorgehalten. Ackermann, im persönlichen Gespräch charmant und offen, lässt das alles andere als kalt. Er lässt solche Aktivitäten überprüfen oder - siehe Streubomben - beenden. Gierig, herzlos, solche Attribute wollen auf den Schweizer nicht passen.

Mit den Zahlen ist Ackermann seinem Anspruch bei weitem nicht gerecht geworden. Der Aktienkurs ist im Keller. Gewinn und Rendite sind nicht dort, wo er sie den Aktionären versprochen hat. Zu seinen Erfolgen zählt, dass die Deutsche Bank in Deutschland nach dem Kauf von Postbank, Berliner Bank, Norisbank und Sal Oppenheim heute mit weitem Abstand die Nummer eins ist, dass sie vor allem auch in Asien eine starke Position hat. Insofern hat er die Investmentbanker gezügelt. Aber die Bank ist immer noch massiv vom Investmentbanking abhängig. Ob sich das mit der Doppelspitze ändert, ist fraglich.

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