Abhängig von Frau Holle

Ein Skilehrer ohne Schnee - das ist wie ein Schwimmer ohne Wasser. In unseren Breitengraden gibt es die weiße Pracht aber meist nur eine kurze Zeit. Was arbeiten Skilehrer außerhalb der Saison?

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Hüfte gerade, Knie vorne und Skispitzen parallel – dieser Skilehrer macht vor, wie es richtig geht.  Foto: 

Carlo Tronci verdient ganzjährig als Skilehrer sein Geld. Was komisch klingt, lässt sich so erklären. Tronci leitet die größte Skischule mit insgesamt 200 Mitarbeitern im bayrischen Garmisch-Partenkirchen. Zum Betrieb gehören ein Skiverleih, ein Shop und ein Café. Der staatlich geprüfte Skilehrer ist zugleich auch einer von 40 Ausbildern von Berufskilehrern in Deutschland. Diese Ausbildung findet meist zwischen September und November, April und Juni statt. Und weil er im Winter sieben Tage die Woche arbeitet, braucht er die Zeit im Juli und August, um sich zu erholen.

Tronci ist eine Ausnahme. 80 Prozent der Skilehrer in Deutschland üben ihren Beruf als Nebenerwerb aus, sagt Peter Hennekes, Geschäftsführer des Deutschen Skilehrerverbands (DSLV) und selbst Skilehrer im Nebenerwerb. 14.000 Schneesportlehrer zählt der DSLV in Deutschland, hierunter fallen Ski-, Snowboard-, Telemark- und Langlauflehrer.

Das Geld, das man als Saisonarbeiter auf der Piste verdient, reicht nicht aus, um eine Familie zu ernähren. Tronci beschäftigt zwischen 150 und 160 Skilehrern, davon sind 50 bis 60 über den Winter festangestellt. Viele seiner Skilehrer arbeiten im Sommer in der Baubranche. Das sei eine ideale Kombination, weil in den Alpen im Winter auf dem Bau sowieso nichts läuft. Andere haben im Sommer ein zweites sportliches Standbein und unterrichten zum Beispiel Golf oder Tennis oder sind im Tourismus tätig. Unter den nicht festangestellten Lehrern gibt es viele Studenten, Schüler und Azubis. Sie arbeiten nur einige Wochen im Winter, sind nicht abhängig von dem Job und wollen doch gern etwas Geld verdienen.

Ohne Schnee gibt es die Chance auf den Zuverdienst aber nicht. "Wir hoffen auf Frau Holle", sagt Carlo Tronci und ist auch für die Zukunft zuversichtlich. Seit 13 Jahren ist er Skilehrer und bisher gab es keine miserable Saison. Einzig vergangenen Winter ließ in Garmisch der Schneefall lange auf sich warten. Sein Team und er haben sich ein Notfallprogramm mit Schneeschuhwandern und Rodeln ausgedacht, so dass die Festangestellten über die Runden gekommen wären. Dann hat es doch rechtzeitig geschneit.

Hennekes erzählt, dass es in Deutschland etwa 230 gewerbliche Skischulen gebe. Knapp die Hälfte wird zwischen November und April hauptberuflich betrieben. Die andere Hälfte, meist kleine Skischulen, sind Nebenerwerbsbetriebe.

Über mangelnde Nachfrage können die deutschen Skischulen nicht klagen. 170.000 Teilnehmer melden sich pro Saison für Skikurse an, sagt Hennekes. Nicht eingeschlossen: der Skiunterricht in Vereinen oder durch Reiseveranstalter. Kinder zwischen 4 und 14 Jahren sind die größte Klientel. Sie machen 65 Prozent der Skikursbesucher aus.

Tronci stellt für seine Skischule fest, dass Snowboarden seit einigen Jahren nicht mehr so stark nachgefragt wird. Das hängt für ihn damit zusammen, dass es bei Skiern jetzt Modelle auf dem Markt gibt, die vorne und hinten gebogen sind, also zwei Spitzen haben (so genannte Twintip). Mit diesen Skiern ist es leichter, ins Gelände zu fahren, und sie sind auch für Sprünge sehr gut geeignet.

Carlo Tronci würde seinen Beruf sofort wieder ergreifen. "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht", sagt er. Trotzdem hat er zuvor eine Lehre zum Elektriker gemacht.

Auch Hennekes schwärmt von seinem Nebenjob auf den zwei Brettern: "Man merkt gar nicht, dass man arbeitet." Diese Begeisterung versuchen sie auch jungen Kollegen weiterzugeben, die eine Ausbildung beim DSLV beginnen. Voraussetzung dafür sind ein 50-stündiges Praktikum bei einer gewerblichen Skischule und ein Erste-Hilfe Kurs. Technisch sollte man in der Lage sein, im oberen Leistungsbereich zu fahren.

Die Skilehrer werden in drei Level ausgebildet. Neben fahrerischem Können, wird auch Methodik und Theorie gelehrt. Noch immer begeistern sich viele für eine Ausbildung als Skilehrer - und sie alle hoffen auf viel Schnee.

Viele Ehrenamtliche als Instruktoren unterwegs

Verdienst Ein Skilehrer der untersten Ausbildungsstufe (Level 1) verdient zwischen 10 und 12 Euro pro Stunde. Mit Level 2 verdiene man etwa 2 Euro mehr und Skilehrer auf Level 3 verdienen zwischen 15 und 17 Euro in der Stunde, sagt Peter Hennekes vom Deutschen Skilehrerverband (DSLV). Bei den staatlich geprüften Skilehrern gebe es keine Grenzen nach oben. Wer in Deutschland eine Ausbildung als Skilehrer macht, bekommt diese in den meisten Ländern auch anerkannt.

Hobby Auch der Deutsche Skiverband (DSV) bildet Skilehrer aus und geht von etwa 35 000 Übungsleitern aus. Diese unterrichten meist ehrenamtlich in Vereinsskischulen.

Verbreitung Saisonarbeit ist vor allem in der Land- und Forstwirtschaft, in der Gastronomie, im Tourismus und im Weinbau und in der Logistik verbreitet. 2015 hat Amazon in Deutschland 10.000 Mitarbeiter eigens für das Weihnachtsgeschäft eingestellt. Saisonarbeit ist sozialversicherungspflichtig und darf höchstens 6 Monate im Jahr dauern.

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