"Mausetotes Modell"

Baden-Württembergs Sparkassen geht es gut. Sollte allerdings die europaweite Bankenunion kommen, wäre ihr Geschäftsmodell schlagartig "mausetot", sagte Sparkassenchef Peter Schneider.

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Ganz entspannt hat Baden-Württembergs Sparkassenpräsident Peter Schneider gestern die Halbjahreszahlen der 53 Institute vorgelegt. Sie setzen den Trend fort, der die öffentlich-rechtlichen Banken als Hort der Sicherheit sieht. Deshalb steigen weiterhin die Einlagen ebenso wie die Kredite. Erstmals sind die Ausleihungen an Unternehmen größer als an Privatpersonen. "Dies bestätigt einmal mehr, dass die Sparkassen ganz entscheidend zur Finanzierung des Mittelstands beitragen", sagte Schneider.

Dies zeigt für Schneider und Verbandsgeschäftsführer Joachim Herrmann zweitens, dass die Dynamik in der Wirtschaft des Landes noch hoch ist. Dabei fällt besonders auf, dass 80 Prozent der Kredite an Private für Kauf, Bau oder Modernisierung von Wohnraum genutzt wird.

So dürfte am Ende des Jahres wieder ein gutes Ergebnis in den Büchern des Verbandes stehen. Im vergangenen Jahr waren es 1,3 Mrd. EUR vor Steuern gewesen. Doch eine Prognose erscheint den beiden Verbandsoberen unmöglich. Und das hat - natürlich - mit den Unabwägbarkeiten der Euro-Schuldenkrise zu tun. Unmittelbar sind von ihr die Sparkassen im Südwesten wenig betroffen. Baden-Württembergs Sparkassen behalten bei Moodys ihre sehr gute Note. Den Präsident wundert dies auch nicht: "Wir haben keine direkten Engagements", sagte er und meinte damit Geldanlagen in den Euro-Krisenländern.

Zudem sei die Eigenkapitalquote der Sparkassen mit rund 15 Prozent Kernkapital weit über den geforderten 4 Prozent. Für Schneider ist es fast schon sensationell, dass die Sparkassen ihr Eigenkapital ist in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent erhöht haben.

Die Euro-Krise und die Vorschläge zu ihrer Lösung sind gleichwohl für die Sparkassen von größter Bedeutung. Schneider wollte gestern "nichts herbeireden", machte aber auf die Kettenreaktion aufmerksam. Sollte sich alles dramatisch verschärfen, träfe dies irgendwann auch den solidesten Bankenverband wie die Sparkassengruppe in Deutschland: "Denn dann sind alle Spatzen tot."

Schneider zeigte eine andere Kettenreaktion auf, die für ihn nachgerade ein "Unding" ist: In den vergangenen Monaten sammelten ausländische Banken, von der Türkei über Indien bis Spanien oder England, mit attraktiven Zinsen Sparanlagen ein, um das Geld dann sofort in ihr Heimatland zu transferieren, wo es zu weit höheren Zinsen wieder angelegt werden kann - etwa in Staatsanleihen, die in Spanien etwa derzeit mit 7 Prozent rentieren. "Wir wollen keine Zäune errichten", sagte der Sparkassenchef, der auch die Konkurrenz nicht fürchtet; aber seltsam findet er es schon, dass in der Konsequenz den soliden Sparkassen in Deutschland Kunden durch Banken abspenstig gemacht werden, für die wiederum die Sparkassen haften müssten.

Womit der Sparkassenchef bei dem angelangt war, was für die Sparkassen, die Genossenschaftsbanken, die Banken überhaupt in Deutschland von größter Bedeutung ist: die so genannte Bankenunion. An dieser Stelle ist es aus mit Schneiders Gelassenheit. Käme die jetzt diskutierte europaweite Einlagensicherung, dann wäre "im selben Moment unser Geschäftsmodell mausetot".

Die 423 Sparkassen in Deutschland bildeten zusammen "die größte Haftungsmasse der Welt". Sie schützten ihre einzelnen Häuser vor einer Pleite (Institutshaftung). Wenn als Alternative dazu ein Sicherungsfonds käme, der von allen Banken aufgefüllt und aus dem dann im Pleitenfall die Einlagen der Sparer garantiert würden, dann würden die Unterschiede zwischen den Banken sofort verschwinden. Wie sollten da die Sparkassen mit ihrem Regionalprinzip (Geld aus der Region für die Region) weiterbestehen können, wenn für den Kunden vollkommen egal ist, wo er sein Geld anlegt?

Schneider wähnt sich an dieser Stelle auch im Bunde mit der Politik und mit der Mehrheit der Bürger in Deutschland.

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