"Ich bin nicht gescheitert, ich wurde gescheitert"

Seit gut zwei Jahren steckt der Windkraft-Pionier Windreich in der Insolvenz fest. Doch Firmengründer Willi Balz sprüht vor Optimismus. In diesem Jahr soll die Wende kommen, davon ist er überzeugt.

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Willi Balz, der Gründer des Energie-Unternehmens Windreich AG: "So schlecht wie meine Feinde denken, geht's mir gar nicht."  Foto: 

Nein, aufgeben wird Willi Balz nicht. Andere hätten vielleicht längst das Handtuch geworfen. Balz nicht: "So schlecht wie meine Feinde denken, geht's mir gar nicht", sagt er und lächelt - so gut es eben geht. Tatsächlich sieht der 55-Jährige etwas müde aus. Doch Balz' Optimismus und Kampfgeist scheint ungebrochen: "Mein Ziel ist weiterhin, ein Offshore-Projekt pro Jahr ans Netz zu bringen." Danach sah es zuletzt nicht aus. Fast drei Jahre ist es her, dass alles um ihn herum zusammenbrach: Erst klopfte die Staatsanwaltschaft an, dann kam die Insolvenz.

Balz' 1999 gegründete Firma Windreich plant zusammen mit Partnern Windparks auf hoher See. Das Unternehmen aus dem 800 Kilometer von der Küste entfernten schwäbischen Dorf Wolfschlugen beschafft Genehmigungen und beauftragt den Bau - kurz vor Baubeginn oder wenn die Parks am Netz sind, wird an Investoren verkauft. Eine Wette, für die Balz einstand. Mit Hunderten Millionen Euro, die er von Geldgebern eingesammelt hatte, und knapp 200 Mio. EUR aus dem eigenen Vermögen.

Das Geschäft ist nicht ohne Risiko. In einer Genehmigung stecken, so rechnet Balz vor, sechs bis acht Jahre Arbeit und 20 bis 40 Mio. EUR. Windreich häufte über Jahre mehr und mehr Schulden an. Die Gläubiger wurden nervös. Im März 2013 klopfte die Staatsanwaltschaft an. Sie ermittelt wegen Bilanzmanipulation und Insolvenzverschleppung. Bislang ist es zu keiner Anklage gekommen.

Wenige Monate später wurde das Insolvenzverfahren gegen Windreich eröffnet. Ein Jahr darauf war Balz auch privat pleite. Die Bank Safra Sarasin hatte den Antrag auf Privatinsolvenz gestellt. Das Institut hatte Windreich Kredite über rund 75 Mio. EUR gewährt, für die Balz persönlich bürgte.

"Die Privatinsolvenz ist das überflüssigste, da verlieren alle", sagt Balz. Seine Motorräder wurden abgeholt, seine beiden Flugzeuge, von seinen 100 Immobilien, mit denen er sein Vermögen gemacht hat, sind gut 20 versteigert. "Und zwar zu den miserablen Preisen, die man bei Versteigerungen eben erhält." Im Moment lebt er von der Unterstützung von Familie und Freunden - eine harte Landung.

Balz glaubt nach wie vor, dass Gegner der Energiewende ihm übel mitgespielt haben: "Ich bin nicht gescheitert, ich wurde gescheitert." Noch bis vor knapp drei Jahren war seine Geschichte die eines Aufsteigers. Der Bauernsohn aus Wolfschlugen machte nach der Schule eine Ausbildung zum Elektroniker, studierte Wirtschaftsingenieurwesen und begann mit Immobiliengeschäften. 2003 übernahm er die mit dem Pumpenhersteller Putzmeister gegründete Windkraftfirma Natenco komplett. Drei Jahre später schlug er sie an den französischen Windkraftanbieter Theolia los.

Das bislang einzige zu Geld gemachte Projekt von Windreich ist die "Deutsche Bucht" - ein Windpark in der Nordsee, den Balz 2012 dem schottischen Lord Irvine Laidlaw verkaufte. Schließlich erdrückte die Schuldenlast Windreich fast. Die Gläubiger forderten 366 Mio. EUR. Gut ein Drittel davon stammt von Anleihezeichnern, die einst Mittelstandsanleihen von Balz kauften.

Den Weg aus den Schulden sollen nun die beiden anderen Großprojekte von Windreich bringen: Für den Windpark Meg I, der inzwischen in Merkur umbenannt wurde, hat Windreichs Insolvenzverwalter Holger Blümle sich mit dem belgischen Baukonzern Deme zusammengetan, nachdem ein Verkauf nicht geglückt war.

Balz' Vorzeigeprojekt, den bereits gebauten Windpark Global Tec I sieht er vor dem Verkauf: Damit ist Balz einen kleinen Schritt weiter als noch vor einem Jahr. Er rechne mit dem Angebot eines kanadischen Pensionsfonds für den Park, sagte Balz. Beide Projekte sollen die Grundlage für einen konsolidierten Insolvenzplan für Windreich, insolvente Töchter und seine Privatinsolvenz bilden, den Balz noch in diesem Jahr vorlegen will. Nehmen die Gläubiger den Plan in ihrer Versammlung an, wären Windreich und der Privatmann Balz saniert.

Doch der Plan allein wird von Beobachtern aus dem Umfeld als Mammutaufgabe gesehen. Denn das Firmengeflecht ist unübersichtlich. Während Balz selbst von einem Anteil von 14 Prozent an Global Tec spricht, stehen auf dem Papier für die Windreich GmbH 0,05 Prozent. Den Rest halten Firmen der Balz-Gruppe.

Balz selbst denkt unbeirrt weiter in die Zukunft: "Einen Börsengang für das Geschäftsmodell der Windreich" sagte er und lächelt, "halte ich weiterhin für möglich."

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