"Diesel macht die Luft sauberer"

Bosch war 2015 erfolgreich. Nun könnte es schwieriger werden: Die Abgas-Affäre schlägt auf Diesel-Technik durch. Der Konzern fordert unabhängige Prüfinstitute -etwa von Nicht-Regierungsorganisationen.

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Der Blick durch die großen Fenster ist schön. Es lässt sich mit Filz und Pappe arbeiten. Auf dem Holzboden stehen Sätze wie: "Wir werden die Ozeane vom Müll befreien und neue Inseln kreieren". Wände und Fenster sind zum Bemalen da. Wer will, kann in einer Fitnessmaschine schwitzen oder an einer Werkbank werkeln: Der Technologiekonzern Bosch setzt zunehmend auf Innovation und Vernetzung - der große Raum im 12. Stock des Forschungscampus' Renningen ist das Symbol für die Änderung des Unternehmens. Mitarbeiter sollen dort ihrer Kreativität freien Lauf lassen. "Hier legen wir wichtige Grundsteine in der Forschung und Vorausentwicklung, beispielsweise im Bereich der Sensorik und der Software", sagte Bosch-Chef Volkmar Denner vor Journalisten. "Mitarbeiter bekommen jede Woche Zeit zur freien Verfügung, für die sie keinen Arbeitsnachweis bringen müssen."

Das alles ist neu. Der Umbruch im Unternehmen schadet dem wirtschaftlichen Erfolg nicht. Im Gegenteil: Ein starkes Zuliefergeschäft und der schwache Euro haben dem Autozulieferer im vergangenen Jahr einen Umsatzsprung von 10 Prozent auf mehr als 70 Mrd. EUR verholfen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern legte um mehr als ein Drittel auf 5 Mrd. EUR zu. Die Mitarbeiterzahl stieg um 85.000 auf 375.000.

Nur der Bereich Industrie-Technologie schrumpfte wegen der Schwäche im Maschinenbau. Im wichtigen Auto-Segment liefen die Geschäfte dagegen trotz des VW-Abgasskandals rund. Allerdings erwartet Denner nun ein schwieriges Jahr. "Wir machen uns Sorgen, dass der Skandal auf Kosten des Diesels geht." Allein bei Bosch hängen 50.000 Arbeitsplätze von der Selbstzünder-Technik ab.

"Mich ärgert dabei, dass oft von einem Diesel-Gate gesprochen wird", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung. "Dabei ist der Diesel ein sauberes, zuverlässiges Konzept." Werden Motor-Abgase mit allen heute erhältlichen Technologien gesäubert, komme hinten unter Umständen sogar sauberere Luft raus. "Wir haben entsprechende Versuche in Paris gemacht", sagte Denner. In einem anderen Test wurde in ein von 80 Zigaretten verqualmtes durchsichtiges Zelt ein Dieselmotor gestartet. Nach einigen Minuten war die Luft klar. "Der Diesel hat seinen schlechten Ruf zu unrecht." Die Technik werde zwingend gebraucht, um gesetzliche Grenzwerte zu erreichen. Batterie-Antriebe sind laut Denner die Zukunft, "aber wir benötigen noch Zeit, um günstige zu entwickeln". Im Jahr 2020 werden nach Bosch-Berechnung erst 10 Prozent der Autos Hybrid- oder Batteriemodelle sein.

Keine Auskunft gab Denner zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und Ergebnissen eigener Untersuchungen wegen der Abgas-Affäre. Der Konzern hatte Komponenten wie Software an Volkswagen geliefert, mit denen Abgaswerte bei Dieselfahzeuge manipuliert wurden.

"Es darf aber nicht sein, dass Verbraucher generell vom Diesel verunsichert werden", sagte der Vorsitzende. "Wir fordern unabhängige Prüfinstitute etwa durch Nicht-Regierungsorganisationen, so wie Dopingkontrollen im Sport." Diesel sollten flächendeckend mit so genannten AdBlue-Systemen zur Stickstoff-Reduzierung und Benzinmotoren mit Partikelfiltern ausgestattet werden. Denner: Es muss endlich eine Diskussion über Diesel geben."

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