Zoff mit den Brüdern kennt er nicht

Cleebronn.  Drei Brüder führen Deutschlands ältesten Erlebnispark. Alle haben gleichviel zu bestimmen und zu verantworten. Helmut Fischer als der Älteste fungiert meistens als Botschafter von Tripsdrill.

Kein Logo am Hemdkragen verrät die Identität des aufmerksamen Beobachters. Helmut Fischer (56) marschiert einmal täglich über die 77 Hektar des Erlebnisparks Tripsdrill. Inkognito scannen seine Augen die Schlangen vor Achterbahnen und Imbissbuden. Fischer sucht auf diese Weise nach Schwachstellen seines Familienbetriebs, der 1929 bei Cleebronn zwischen Ludwigsburg und Heilbronn mit dem Bau der Altweibermühle gegründet worden ist. In den 1990er Jahren hat Helmut Fischer mit seinen Brüdern Roland (55) und Dieter (52) die Geschäftsführung der GmbH & Co. KG von Vater Kurt übernommen.

Die Altweibermühle, die angeblich wundersame Verjüngungen auf einen Rutsch ermöglicht, hat das Leben der drei Brüder von klein auf geprägt. Wenn sich die weithin sichtbaren Flügel der Attraktion drehten, wussten die Schulbuben auf dem Heimweg, dass nicht an Hausaufgaben und schon gar nicht ans Freibad zu denken ist. Jeder hat sein G"schäftle gehabt, ganz nach den individuellen Vorlieben und Fertigkeiten. Dieter Fischer hat die Tiere im Streichelzoo gefüttert, nach seiner Ausbildung in der Wilhelma ist er heute Chef über das "Wildparadies". Roland Fischer hat die Wecken für die roten Würste aufgeschnitten, nach seiner Kochlehre führt er heute den gastronomischen Bereich.

Helmut Fischer stöberte lieber im Büro, die Verwaltung wurde sein Metier. Das Studium der Tourismusbetriebswirtschaft hatte der Vater nicht zugelassen, weil der Sohn ja monatelang gefehlt hätte. Blockunterricht an einer Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie passte eher ins Konzept eines Familienbetriebs, in dem jeder anpacken muss.

"Wir machen das gern", sagt Helmut Fischer für sich und seine Brüder, "wir hätten gar nicht den Elan, wenn wir mit Widerwillen in den Park kämen." Jeder Tag eine neue Herauforderung: "Du weißt nicht, was dich erwartet, wenn du morgens aufstehst." Wolkenbruch, Stromausfall, Massenandrang - alles ist möglich. Für jede Situation muss es eine Patentlösung geben. Die Fischer-Brüder tüfteln daran in bemerkenswerter Harmonie. Gibt es keinen Streit? "Wir haben unterschiedliche Meinungen, aber gestritten wird nicht, wir finden immer einen Konsens." Jeder Geschäftsführer gibt in seinem Bereich den Ton an. Sind die anderen skeptisch, muss er durch den Erfolg überzeugen. Als Roland Fischer im Wildpark eine Falknertribüne baute, hatten die anderen zwei Bedenken, mischten sich aber nicht ein, "er hat ja die größere Erfahrung mit Tierhaltung und Shows". Siehe da: Die Konstruktion passt.

Tripsdrill hält sich heraus aus dem "Schneller-Höher-Futuristischer"-Wettkampf der Freizeitparks. Original und originell muss alles sein, in die Gegend passen und daher aus heimischen Baustoffen gefertigt, kein Plastik und Pappmachee. "Bei uns muss es aussehen, als würde alles schon immer da stehen", nennt Helmut Fischer einen wichtigen Grundsatz.

Wenn sich ein Karussell in bislang ungekannter Ausfertigung, neuerdings mit Ökostrom, drehen soll, ist höchste Geheimhaltung nötig. Kein Mitbewerber darf davon vorher erfahren. Die Heimlichtuerei hat ihren Grund: Auf einer Fachmesse in den USA stellte Helmut Fischer den Plan für einen Maibaum mit rotierenden Gondeln vor. In einem deutschen Park drehte sich ein ähnliches Gebilde noch ehe Fischer für seine Idee richtig werben konnte. Daher wird nicht verraten, welche Ergänzung die Holzachterbahn "Mammut" bekommen wird.

Fischer möchte in dieser Saison die Zahlen von 2010 zu erreichen, als 600 000 Besucher kamen; noch lieber wäre ihm allerdings der Wert von 2009 mit 650 000. Damit niemand durch missliebige Nachbarn abgeschreckt wird, haben die tüchtigen Brüder ein angrenzendes Gasthaus gekauft, bevor sich dort eine Rockergruppe einnisten konnte.

Zum Tagwerk des Managers gehört der Kleinkrieg mit Bürokraten. Längst sollten urige Baumhäuser als zünftige Nachtquartiere aufgestellt sein. Doch weil die naturnahen Stützen neu sind, tun sich beamtete Aufseher offenbar schwer mit der Genehmigung.

Familienfreundlichkeit hat Priorität bei Fischers. Deshalb achten sie auch darauf, dass die Preise für Speisen und Getränke erschwinglich sind. "Etliche bringen trotzdem ihr Vesper mit, weil sie einen Ausflugsaufschlag befürchten", sagt Fischer. "Man muss so gut sein, dass die Leute wiederkommen", trichtert Helmut Fischer den bis zu bis zu 210 Mitarbeitern ein. Der Erfolg ist nicht nur messbar an einer Wiederholerquote von 70 Prozent, auch bei Umfragen des Internetportals "parkscout. de" ergattert Tripsdrill regelmäßig Spitzenplätze, beim Preisleistungsverhältnis ebenso wie in der Gastronomie. "Wir müssen immer Neues bieten", weiß Fischer, "denn die Leute sind verwöhnt." Wann ein Hotel gebaut wird, lässt er offen. Der Platz ist reserviert.


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Autor: HANS GEORG FRANK | 14.05.2011

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