WMF fertigt Rohbesteck nur noch in China

Nach rund 120 Jahren ist bei WMF in Geislingen eine Ära zu Ende: Die Produktion von Rohbestecken erfolgt nun in China. Die IG Metall gibt die Schuld dafür auch einem Finanzinvestor.

Rund 120 Jahre lang herrschte in dem hinteren Teil der großen Fabrikhalle hektische Betriebsamkeit - doch nun ist es fast gespenstisch still. Keine Arbeiter sind mehr zu sehen, die Maschinen laufen nicht mehr auf Hochtouren, keine Behälter mit Rohmaterial stehen mehr davor und warten darauf, verarbeitet zu werden. Im WMF-Stammwerk in Geislingen (Kreis Göppingen) geht eine Ära zu Ende: Der Haushaltswarenhersteller hat mit dem 1. Juli die Produktion von Rohbestecken in sein Werk Heshan nach China verlagert.

Um im internationalen Wettbewerb mitzuhalten, müsse man sich immer die Frage stellen, welche Fertigung noch profitabel sei, sagt WMF-Vorstandschef Thomas Klapproth. "Dabei muss man manchmal auch kritische Entscheidungen treffen". Getroffen hat es 71 Mitarbeiter, 43 von ihnen werden in einer Beschäftigungsgesellschaft ein Jahr lang weiterqualifiziert.

"Es ist das unsozialste, was man machen kann, einen Bereich weiter laufen zu lassen, und damit das Ganze zu gefährden", begründet Klapproth die Entscheidung, die den Betroffenen ausgerechnet kurz vor Weihnachten 2009 mitgeteilt wurde. "So etwas ist schovelhaft", kritisiert Bernd Rattay von der IG Metall Göppingen-Geislingen. Seit der mehrheitlichen Übernahme von WMF durch die Schweizer Investmentgesellschaft Capvis im Juni 2006 werde "jeder Bereich auf Profit getrieben", die Margen stünden im Vordergrund, sagt der IG-Metaller. "Es wird in den kleinsten Bereichen geschaut, wo man sparen kann", meint Rattay.

Dass die Marken-Messer, -Gabeln und -Löffel nicht mehr "made in Germany" sind, wird laut Klapproth die Kunden nicht verschrecken. Bei Bestecken spiele dieses Qualitätssiegel keine so große Rolle. Und es gibt noch einen weiteren Grund, Rohbesteck in der vor zehn Jahren eröffneten Fabrik in Heshan produzieren zu lassen. Es ist das "modernste Werk des Konzerns - und die 350 bis 450 Mitarbeiter machen nichts anderes, als das beste Besteck der Welt herzustellen." Zudem liegt das Werk nicht weit entfernt von der chinesischen Westküste mit vielen Hotels, die auf westliche Standards setzen. dpa

2 Kommentare

02.07.2010 15:31 Uhr

WMF in China

Diese Schmarotzerfirmen,machen doch die İndustrie hier Kaput. Nur wenn es wieder vom Staat was zu holen gibt und der Steuerzahler die Zeche wieder und immer wieder bezahlen soll,weil solche Geldgeilen Manager null Ahnung haben,wie man eine solche Firma führt,dann wissen sie wo unser Staat ist und wo die geldgebenden Banken sitzen.Schmeisst diese Firmen aus Deutschland raus.Arbeitslose haben wir ja sowieso schon genug,da kommt es auf diese paar auch nicht mehr an.

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02.07.2010 10:15 Uhr

Scheckbuchpolitik

Erarbeitete sich notwendig die Geislinger IG Metall einen Begriff davon, was industrielle Arbeit ist, könnte die WMF mit den Unsummen an Geldern von Capvis im Rücken nicht beliebig entscheiden.

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