Viel Zuversicht im Süden

Berlin.  Trotz aller Wolken am Konjunkturhimmel sind die Unternehmen weiter zuversichtlich. Sie wollen auch neue Mitarbeiter einstellen. Am besten ist die Lage in Baden-Württemberg und Bayern, sagt der DIHK.

"Die Wirtschaft läuft rund", freut sich der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben. Die Geschäftslage in den Unternehmen ist ununterbrochen gut, zeigt seine neue Konjunkturumfrage, an der sich mehr als 25 000 Mitgliedsfirmen beteiligten. "Für Krisenszenarien bieten nur die politischen Unwägbarkeiten Anlass", so Wansleben.

Die Wachstumsdelle Ende des vergangenen Jahres dürfte vorbei sein, so die Einschätzung des DIHK. Für 2012 rechnet er jetzt mit 1 Prozent Wirtschaftswachstum. Insbesondere der private Konsum bleibe eine wesentliche Stütze. Der Export soll um 3,5 Prozent wachsen. Das wäre allerdings eine deutliche Verlangsamung gegenüber dem Plus von 8,2 Prozent im vergangenen Jahr. Die Importe sollen um 4,5 Prozent zunehmen. Von der positiven Stimmung profitiert auch der Arbeitsmarkt: Die Zahl der Erwerbstätigen werde um 250 000 zunehmen, die Arbeitslosen um 150 000 auf 2,83 Millionen im Jahresdurchschnitt zurückgehen.

Am meisten Zuversicht herrscht unverändert in Baden-Württemberg und Bayern, die der DIHK in seiner Auswertung als "Süden" zusammenfasst. Hier schätzen die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage deutlich günstiger ein als in den übrigen Regionen. Ihr Urteil fällt auch positiver aus als vor einem Jahr. Insbesondere im Dienstleistungssektor geht es weiter aufwärts. Aber auch die Industrie zeigt sich nach dem Urteil des DIHK "bemerkenswert robust".

Dass in diesem Jahr kein so kräftiges Wirtschaftswachstum mehr zu erwarten ist wie 2011, zeigen die Geschäftserwartungen für die nächsten 12 Monate. Hier fallen die Urteile bei weitem nicht mehr so positiv aus wie noch vor Jahresfrist. Damals rechnete bundesweit jedes dritte Unternehmen mit einer Verbesserung und nur jedes zehnte mit einer Verschlechterung. Derzeit sind noch 22 Prozent optimistisch, dagegen 17 Prozent pessimistisch. Bundesweit ist die Zuversicht im Osten am geringsten, im Süden dagegen am höchsten. In Baden-Württemberg und Bayern habe sich die spürbare Verunsicherung, die bei der letzten Umfrage im Herbst 2011 zutage trat, nicht weiter ausgebreitet, so der DIHK. Insbesondere im Industriesektor, der im Süden besonders wichtig ist, verbesserten sich die Zukunftseinschätzungen. Dagegen rechnet der Handel mit einer etwas geringeren Dynamik.

Einzig bei den Exporterwartungen belegen die Unternehmen im Süden nicht den Spitzenplatz. Ihre Kollegen im Norden überholten sie eindeutig. Baden-Württemberg und Bayern liegen nur geringfügig über dem Bundesniveau. Der Vergleich mit dem Jahresanfang 2011 zeigt, dass die Bäume nicht mehr in den Himmel wachsen. Insbesondere unter den Unternehmen des Fahrzeugbaus macht sich zunehmend Vorsicht breit. Dagegen sind die - hier besonders stark vertretenen - Hersteller von Investitionsgütern ebenso positiv gestimmt wie ihre Kollegen der Elektrotechnik.

Dagegen planen im Süden besonders viele Firmen, ihre Belegschaft weiter aufzustocken. Allerdings sind es nicht mehr ganz so viele wie noch zu Jahresbeginn, eine Folge der nachlassenden Exportdynamik. Die stärksten Beschäftigungsimpulse kommen nicht mehr von der Industrie, sondern von den Dienstleistern. Vor allem in der Elektroindustrie und im Fahrzeugbau lässt die zuletzt hohe Einstellungsbereitschaft nach.

Für die Zuversicht in Baden-Württemberg und Bayern sprechen auch die hohen Investitionsabsichten. Sie sind deutlich höher als in den übrigen Regionen und ziehen sich durch alle Branchen. Unter den Herstellern von Spitzentechnologie planen sogar deutlich mehr, ihre Investitionen auszuweiten, als noch im Herbst. Dagegen stehen in der Baubranche unverändert mehr Firmen auf der Investitionsbremse, als eine Ausweitung planen.


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Autor: DIETER KELLER | 10.02.2012

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