Tourismus als Jobmotor

Berlin.  Die Bedeutung der Tourismusbranche für die deutsche Wirtschaft sei bisher unterschätzt worden. Das sagten Branchenvertreter in Berlin, die gestern eine neue Studie zu diesem Thema vorgestellt haben.

Die Tourismusbranche ist "ein ökonomisches Schwergewicht und ein echter Jobmotor in Deutschland". Das sagte gestern der aus Baden-Württemberg stammende Wirtschaft-Staatssekretär Ernst Burgbacher (FDP), der gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin eine neue Studie zu dieser Branche vorstellte.

Vom Geschäft mit den Reisenden profitierten ihrzufolge insbesondere mittelständische Unternehmen. Die Zahl der Arbeitsplätze in Bereichen, die mit dem Tourismus in Verbindung stehen, betrug im Jahr 2010 knapp 3 Millionen. Es seien somit in dem genannten Jahr 7 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland direkt dem Tourismus zuzuordnen gewesen, teilte der BTW mit. Das Gros der Jobs entfiele auf das Beherbergungs- und Gaststättengewerbe, in dem 1,7 Mio. Menschen gearbeitet hätten, berichtete der Verband.

Insgesamt hat der Tourismus in Deutschland ein Einkommen von 97 Mrd. EUR geschaffen, heißt es in der Studie. Das entspricht einem Anteil von 4,4 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung der deutschen Volkswirtschaft, sagte Burgbacher. Das Geschäft mit den Reisenden trage somit in etwa so viel zur Bruttowertschöpfung bei wie das Baugewerbe (4,3 Prozent) oder das Erziehungs- und Unterrichtswesen (4,6 Prozent).

So genannte Vorleistungen bei touristischen Diensten - dazu zählen zum Beispiel Dienstleistungen an Flughäfen, Lebensmittel-Lieferungen an Gaststätten oder Handwerksarbeiten in Hotels - mit eingerechnet, ergebe sich für den Tourismus ein Anteil von sogar 9,7 Prozent der Bruttowertschöpfung. "Die Ergebnisse zeigen, dass die Tourismuswirtschaft mit der Gesamtwirtschaft eng verflochten ist und das auch außerhalb der touristischen Kernbereiche viele Beschäftigte vom so genannten touristischen Konsum profitieren", sagte DIW-Chef Gert Wagner.

BTW-Präsident Klaus Laepple betonte, häufig werde unterschätzt, wie relevant die Tourismuswirtschaft für den Wirtschaftsstandort Deutschland sei. "Dabei liegt sie sowohl bei Beschäftigung als auch bei der Wertschöpfung deutlich vor Wirtschaftszweigen wie Kfz-Industrie, Maschinenbau oder Bankwirtschaft. Die Umsätze, die durch touristischen Konsum generiert werden, sprechen für sich", sagte er.

Urlauber und Geschäftsreisende in Deutschland gaben 2010 der Studie zufolge 280 Mrd. EUR für Güter und Dienstleistungen aus. Mit 241,7 Mrd. EUR hätten dabei 87 Prozent der Ausgaben inländische Reisende getätigt. Insgesamt seien etwa vier Fünftel der Ausgaben auf Privat- und ein Fünftel der Ausgaben auf Geschäftsreisen entfallen.

Laepple sprach sich in diesem Zusammenhang gegen Belastungen der Branche durch Bettensteuern, Nachtflugverbote und die Luftverkehrssteuer aus. "Die Belastungsgrenze ist erreicht." Allerdings wurde die wirtschaftliche Lage der Betriebe nicht untersucht.

Die Grünen im Bundestag zeigten sich von der Studie wenig beeindruckt. So bedeutend der Sektor für Deutschland sei, "die vor Ort ansässige Bevölkerung profitiert kaum", kritisierte der tourismuspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Markus Tressel. Nur 36 von 100 investierten Euro blieben in der jeweiligen Region.

Hinzu komme der Schadstoff-Ausstoß durch Verkehr und touristisch genutzte Gebäude - um Umweltschutz und mehr Investitionen bemühe sich die Branche derweil nur zaghaft. Im wichtigen Reiseland Deutschland sei nicht nur auf Quantität, sondern auch auf Qualität zu setzen, forderte Tressel.


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Autor: AFP/DPA/KER | 04.02.2012

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