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Teile und tausche

Die jüngere Generation ist konsumfreudig wie der Rest der Gesellschaft auch, sucht sich hierfür aber neue Wege: mit dem Handel ohne Geld im Internet. Unternehmer machen sich den Trend zunutze.

Autor: MATHIAS OSTERTAG |
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Geld ist als Zahlungsmittel allgegenwärtig, um eine Ware oder Dienstleistung zu bezahlen. "Mein Haus, mein Auto, mein Boot" wird im Normalfall mit Bargeld, per Kreditkarte oder auf anderem Wege finanziert. Im Internet sind über den bargeldlosen Zahlungsverkehr Einkäufe innerhalb weniger Minuten möglich. Dann wandert die Ware vom Verkäufer zum Käufer.

Nach dem gleichen Prinzip läuft auch der Tauschhandel ab, mit dem Unterschied, dass dieser vollkommen ohne Geld auskommt. Getauscht wird Ware gegen Ware oder Dienstleistung. Dank des Internets feiert diese uralte Form des Wirtschaftens eine Renaissance. Das amerikanische "Time"-Magazin hat dieses Prinzip sogar kürzlich zu einer der zehn großen Ideen, die unser Leben verändern werden, ausgerufen. Sie entwickele sich in Deutschland zu einem Paralleltrend zum von Geld geprägten Konsumverhalten. Das Internet fungiert als Plattform des professionellen Tauschhandels.

Vor allem die Jüngeren sind angetan von den alten Ideen im neuen Gewand. Die 14- bis 29-Jährigen haben deutlich weniger übrig für Besitz und Status als ihre Eltern und Großeltern. Gleichzeitig wollen sie aber auf wenig verzichten, was die Konsumwelt zu bieten hat, hat Trendforscherin Rachel Botsma festgestellt. Die Amerikanerin hat in westlichen Gesellschaften eine Renaissance des Teilens und Tauschens festgestellt. Nur eben in digitaler Form - und mit Phantasie-Geld als ausschließlicher Währung.

Schon vor acht Jahren ist Tobias Sasse mit seiner Plattform Bambali in das neue Geschäftsmodell eingestiegen. Er habe die Plattform nach dem Vorbild lokaler Tauschringe entwickelt, erklärt er. "Ich hatte den Eindruck, dass in unserer Gesellschaft wichtige Prinzipien nicht mehr funktionieren." Vieles sei aus der Bahn geraten, es mangele an Nachbarschaftshilfen, das Geld- und Sozialsystem und der Arbeitsmarkt seien brüchig geworden. Seine Plattform solle deshalb dazu dienen, dass die Menschen Spaß haben am Verhandeln und Tauschen.

Auf Bambali werden meist Bücher oder Sammelbilder gehandelt, in seltenen Fällen auch mal Computer, Handys oder Autos. Vieles, was Versandhäuser und Online-Händler in ihrer Produktpalette anbieten, findet auch im Tauschhandel bei Bambali einen Abnehmer.

Der Soziologe Harald Heinrichs von der Universität Lüneburg hat sich mit den Auswirkungen der digitalen "Sharing Economy" befasst. In einer kürzlich veröffentlichten Studie kommt der Nachhaltigkeitsexperte zu der Einschätzung: "Alternative Besitz- und Konsumformen sind kein Nischenphänomene mehr." Es sei davon auszugehen, dass sich die Ökonomie des Teilens weiterentwickeln werde. Zwölf Prozent der Bevölkerung praktizierten bereits die "Sharing Economy" über das Internet. Tendenz steigend, so Heinrichs.

Das haben auch eine Reihe von Unternehmen erkannt und sind in einen Markt eingestiegen, in dem man auch dann gut Geld verdient, wenn man den Nutzern die Plattform kostenlos zur Verfügung stellt: durch Einnahmen aus Werbung und durch Provisionen.

Harald Heinrichs nennt die Nutzer von Tauschplattformen "Sozialinnovative Kokonsumenten", etwa ein Viertel teilt er aktuell dieser Gruppe zu. Für diese Menschen stehe Eigentum und Individualkonsum an zweiter Stelle, bedeutsamer seien Aspekte wie Innovation und Modernität.

Rund 15 000 Besucher zählt das Tauschportal Bambali im Monat, im Gegensatz zu anderen Plattformen beschränkt es sich aber auf kleinere Tauschgeschäfte, ähnlich dem Kleinanzeigenmarkt in der Zeitung.

Eine Revolution wird der Aufbau einer gemeinschaftlichen Konsumkultur durch "Sharing Economy" aber nicht auslösen, sagt der Konsumforscher Heinrichs. Aber "eine Chance, die Wirtschaft langfristig nachhaltiger zu machen".

Die Wirtschaft hat den Ruf gehört. Anfang März findet die IT-Messe Cebit statt - unter dem Leitthema "Sharing Economy".

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