Tankergeschäft ist geplatzt

Paris/Washington/Berlin.  Nach dem Aus für die EADS im Kampf mit Boeing um ein Jahrhundertgeschäft mit der US-Luftwaffe herrscht Entrüstung in Europa: Sogar die EU-Kommission wittert eine Wettbewerbsverzerrung.

Der Airbus-Konzern EADS ist mit dem Militärtransporter A400M und dem Superjumbo A380 erneut tief in die roten Zahlen geflogen und muss jetzt auch noch dem Erzrivalen Boeing einen lukrativen Rüstungsauftrag der US-Luftwaffe überlassen. Airbus und sein US-Partner Northrop Grumman gaben das Rennen um den 35-Mrd.-Dollar-Auftrag für 179 Tankflugzeuge auf und beklagten unfaire Wettbewerbsbedingungen. Das Pentagon hatte dem Konsortium EADS/Northrop den Auftrag schon zugesagt, nach Protesten des US-Kongresses aber erneut ausgeschrieben. EADS-Chef Louis Gallois und Northrop-Chef Wes Bush erklärten, die Richtlinien bevorzugten von vornherein Boeing.

"Die Folge ist, dass die USA nicht das beste Flugzeug bekommen werden, das es gibt", spottete Gallois bei der Bilanzvorlage. Eine alleinige Beteiligung von EADS an der Ausschreibung sei ausgeschlossen. "Wenn Northrop Grumman analysiert, dass wir keine Chance haben zu gewinnen, dann denke ich nicht, dass wir alleine eine Chance haben", sagte Gallois.

Airbus-Chef Thomas Enders beklagte in der "Financial Times Deutschland", "dass wir in diesem Umfeld keine Chance haben zu gewinnen, egal wie gut unser Angebot ist". Die Ausschreibung sei "maßgeschneidert auf den kleineren und weniger leistungsfähigeren Flieger der Konkurrenz".

Von dem Auftrag hatte sich der europäische Flugzeug- und Rüstungskonzern EADS Folgeaufträge zur Erneuerung der gesamten US-Tankerflotte und den Durchbruch auf dem US-Rüstungsmarkt erhofft. Der US-Abgeordnete Norm Dicks lobte, dass der Auftrag an "ein amerikanisches Unternehmen mit amerikanischen Arbeitern" gehe.

Der Gouverneur von Alabama, Bob Riley, sagte, die Ausschreibung sei eine Farce. EADS wollte in Alabama eine Fabrik aufbauen. Die EU-Kommission drohte den USA mit höheren Hürden für künftige Rüstungsprojekte. Wenn das Pentagon Boeing bevorzugt habe, könnte das Folgen für Rüstungsgeschäfte mit den USA haben.

Auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) warf der amerikanischen Regierung eine deutliche Bevorzugung des EADS-Konkurrenten Boeing vor. "Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise schaden schon Anzeichen von Protektionismus", sagte er gestern in Berlin. Der FDP-Politiker mahnte: "Auch bei der Beschaffung von Rüstungsgütern sollte der freie Wettbewerb nicht einseitig eingeschränkt werden."

Offene Beschaffungsmärkte garantierten besseren Wettbewerb und größeren Nutzen für den Steuerzahler, erklärte EU-Handelskommissar Karel De Gucht. Sollte sich herausstellen, dass die Ausschreibungsbedingungen einen Wettbewerb verhindert hätten, wäre die EU-Kommission "äußerst besorgt".

Anhaltende Probleme mit dem Militärtransporter A400M, aber auch wieder mit dem Superjumbo A380 rissen den EADS-Konzern im vergangenen Jahr wieder in die roten Zahlen. Unter dem Strich stand ein Verlust von 763 Mio. EUR, nach einem Gewinn von 1,57 Mrd. EUR im Vorjahr. Der Umsatz sank nur leicht auf 42,8 Mrd. EUR, und mit 498 ausgelieferten Airbus-Flugzeugen schaffte EADS eine neue Bestmarke und ließ Boeing wieder hinter sich. Aber allein die steigenden Kosten für die A400M, die von Deutschland und den anderen Bestellerländern soeben mit zusätzlichen 3,5 Mrd. EUR vor dem drohenden Aus gerettet worden ist, belastete den Konzern mit 1,8 Mrd. EUR. Die A380 schlug erneut mit 240 Mio. EUR negativ zu Buche. Sinkende Flugzeugpreise und Wechselkursverluste konnten von dem soliden Geschäft der Raumfahrt-, Rüstungs- und Hubschraubersparte nicht ausgeglichen werden.

Für 2010 kündigte Gallois aber einen stabilen Umsatz und einen Betriebsgewinn von 1 Mrd. EUR an. Der Auftragseingang halbierte sich im vergangenen Jahr zwar auf 45,8 Mrd. EUR, und dieses Jahr rechnet Gallois sogar nur noch mit 250 bis 300 Airbus-Bestellungen. Aber die Talsohle sei durchschritten, es gebe "Anzeichen für eine Verbesserung" auf dem Flugzeugmarkt. Die EADS sei gut aufgestellt, "wir brauchen kein frisches Geld", betonte Gallois. Airbus wolle wieder rund 500 Maschinen ausliefern, die Produktion der kleinen Flugzeuge werde zum Jahresende erhöht. dpa/apn


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