Schlecker-Frauen kämpfen um ihren Arbeitsplatz
Die bei Schlecker beschäftigten Frauen wollen um ihren Arbeitsplatz kämpfen. Schlecker sei immerhin der einzige Drogerie-Discounter, der nach Tarif bezahlt, sagt die Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende.
Allmendingen - Ein kahler, schmuckloser Raum, ein Tisch, drei orange Plastikstühle. Nichts, was im Personalraum des Schlecker-Markts in Allmendingen besonders auffällig wäre. Trotzdem ist ein Gespräch an diesem Ort mit der zuständigen Verkaufsstellenleiterin Ilona Herzog ein Ereignis. Denn die Firma Schlecker gab sich bisher mehr als zugeknöpft. Gespräche mit dem Personal in den Filialen ohne das Beisein einer höheren Führungskraft? Kaum vorstellbar.
Herzog schüttelt den Kopf, als sie auf den schlechten Ruf der Firma angesprochen wird. "Mir ging es immer gut bei Schlecker", sagt sie. Seit 13 Jahren sei sie bei der Firma, seit einem Jahr ist sie in Allmendingen tätig. Nein, sie könne wirklich nicht klagen. "Ich stehe zu dem Unternehmen, ich möchte, dass es wieder auf die Füße kommt", sagt die 37-Jährige. Sogar bis zum Verzicht auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld würde sie gehen, um dem Unternehmen zu helfen. "Damit hätte ich kein Problem, ich bin ja von Anfang an nach Tarif bezahlt worden", sagt sie. Von niedrigen Löhnen, Filialen ohne Telefon für das Personal, gar von einem "Klima der Angst" bei Schlecker war früher die Rede. "Nein, das habe ich so nie erlebt", sagt Herzog und wirkt ehrlich verwundert. "Ich habe immer gerne für Schlecker gearbeitet."
Die alten Zeiten seien vorbei, sagt die Vorsitzende des Schlecker-Gesamtbetriebsrats, Christel Hoffmann. Ein Beispiel: "Schlecker ist der einzige Drogeriediscounter, der nach Tarif bezahlt." Seit eineinhalb Jahren habe sich einiges getan, von der Führungsspitze bis zur Kommunikation. "Natürlich ist viel passiert, aber die Fehler sind eingeräumt und wir arbeiten daran, dass sich das nicht wiederholt", sagt Hoffmann. "Jetzt geht es um die Zukunft. Und das heißt: 30 000 Arbeitsplätze sichern. Das ist unser Ziel."
Die Stimmung bei den Kolleginnen sei hoffnungsvoll - und kämpferisch, sagt auch Verkaufsstellenleiterin Herzog in Allmendingen. "Es muss einfach weitergehen. Für mich hat Schlecker fast etwas von einer Familie", sagt sie. Viele Kolleginnen dächten ähnlich. "Die sagen, wir hören erst auf, wenn uns der Laden endgültig zugeschlossen wird."
Die Schlecker-Frauen seien tapfer, sagt Betriebsrätin Hoffmann: "Wir haben über Jahre gekämpft, gegen Leiharbeit, gegen Lohndumping - warum sollten wir also jetzt nicht auch kämpfen?"
Ein Beispiel für die Zukunft des Unternehmens ist in Allmendingen zu sehen. Vor einem Jahr ist der Markt als Pilotprojekt für das neue Ladenkonzept eröffnet worden. Mehr Licht, breitere Gänge; mehr Übersicht und ein Angebot, das speziell an den Bedarf der Kunden vor Ort angepasst wird - das neue Konzept komme an, sagt Verkaufsstellenleiterin Herzog. "Die Kunden loben den neuen Markt sehr, und wir haben mehr Umsatz."
Die Zukunft des Unternehmens steckt aber auch in der Führung. Meike und Lars, die Kinder von Anton Schlecker, sollen die Firma ab Sommer führen, sofern die Gläubiger zustimmen. Betriebsrätin Hoffmann hat Lars Schlecker vor kurzem bei einer Gesamtbetriebsratssitzung in Dresden kennengelernt. "Lars ist den Menschen schon ziemlich nahe gekommen", sagt sie. "Er sagte, er hätte sich gewünscht, dass wir uns unter anderen Umständen hätten kennenlernen können." Vater Anton Schlecker hat sich bei den Betriebsräten nicht sehen lassen.
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Autor: ANDREAS HACKER BERNHARD RAIDT | 11.02.2012
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Ilona Herzog, Verkaufsleiterin eines Schlecker-Marktes im schwäbischen Allmendingen, hofft, dass das Unternehmen überlebt. Foto: Bernhard Raidt
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Kommentare (6)
ja wie - Schlecker doch kein böser ausbeuter?!
ja wie - Schlecker doch kein böser ausbeuter?!Liebe SWP wie wärs mal mit einen eigenhändig recherchiertem Artikel - also keine 1:1 übernahme von presseerklärungen... zahlt(e) schlecker nach tarif oder nicht?
Wieso ist der schlecker-ruf so mies?
Allein geht man unter!
Genau hier liegen die Ursachen von Löhnen, die zum Leben nicht reichen und die Menschen deshalb beim Staat um Aufstockung betteln müssen.Ganz abgesehen davon, dass bei den Betroffenen Altersarmut vorprogrammiert ist, kann es einfach nicht sein, dass ein Ganztagsjob mit 25 bis 50 Stunden nicht zu einem anständigen Leben reicht.
So lange der Staat, also wir alle mit unseren Steuern, derartige Dumpinglöhne und die damit verbundene Ausbeutung der Menschen, finanziert, reiben die entsprechnenden Unternehmer sich die Hände.
Es ist ja die staatlich legitimierte Sklaverei, die ganze Generationen von Frauen nach der Berufswahl Friseuse, Floristin, Kunststickerin, Köchin usw. entweder zum Betteln beim Staat oder in eine finanziell abgesicherte Ehe zwingt.
Sind unsere Steurn wirklich zum Mästen von Unternehmern gedacht?
Doch so lange die Beschäftigten in diesen Branchen sich nicht organisieren, bleiben sie immer die Schwächeren.
Gewerkschaften sind dann stark, wenn die Mitglieder es auch sind.
Ganztagsjob
Natürlich ein Ganztagsjob mit 35 bis 50 Stunden pro Woche.Gerade in den Niedriglohnbereichen müssen die Beschäftigten oft bis zu 50 Stunden an 6 Tagen arbeiten, um ein Gehalt zu erreichen, das gerade für Miete, Essen und die Kinder reicht.
Doch gerade diese Notwendigkeit zu Mehrarbeit und Abhängigkeit Hunderttausender wollten die Verfechter eines "freien" Arbeitsmarktes doch erreichen.
Eine frei verfügbare Masse an Arbeitskräften, die keine Wahl haben und dem Diktat der Unternehmen ausgeliefert sind.
Die Sklaven und Fronbauern von Gestern sind die Niedriglöhner und prekär Beschäftigten von heute.
Vergleichbar mit Bismarks Zeiten.
Unorganisiert und ausgeliefert!
Sozialgesetze sind auch kein Schutz, wie man an Griechenland sieht.
Finanzieller Druck von aussen, und schon werden alle nationalen Gesetze, wie z.B. ein Mindestlohn, gekippt.
Wie sollen die Betroffenen denn mit der Hälfte des Lebensnotwendigen überleben?
Ihre Bosse haben dafür ja die Schweiz.
Die Lehre:
Organise!