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Schattenbanken gewinnen an Gewicht

Die Bedeutung von Hedge Fonds, auch "Heuschrecken" genannt, wird in der Finanzwirtschaft immer größter. Experten warnen, dass niemand die Risiken kenne, die in diesen Schattenbanken schlummern.

ROLF OBERTREIS |

Sie betreiben Bankgeschäfte, verleihen Geld oder legen es im Auftrag von Kunden an - und es sind trotzdem keine Banken. Und unterliegen damit auch nicht der Aufsicht oder der Regulierung, werden faktisch kaum kontrolliert. Bis zum Ausbruch der Finanzkrise 2007 ging das weitgehend gut.

Dann wurden die Risiken solcher Schattenbanken mit voller Wucht sichtbar - in den USA über Hypothekenfinanzierer wie Fannie Mae und Freddie Mac, in Deutschland über Zweckgesellschaften der Mittelstandsbank IKB oder der SachsenLB. Die Unternehmen hatten sich verspekuliert, durch ihre Verbindungen zu klassischen Banken stürzten sie die Finanzwelt in eine dramatische Krise. Seitdem wird über die Regulierung von Schattenbanken diskutiert. Passiert ist wenig - nur das Volumen des weltweiten Schattenbanken-Systems ist weiter gestiegen auf gigantische 46 Billionen EUR.

Diese Zahl steht im gerade veröffentlichten Grünbuch der EU zum Schattenbankwesen. In nur acht Jahren hat sich das Volumen der Schattenbanken mehr als verdoppelt. Sie wickeln mittlerweile 25 bis 30 Prozent der Geschäfte des weltweiten Finanzsystems ab. Es ist vor allem ein US-Phänomen: Dort soll der Anteil sogar bei 40 Prozent liegen, in Großbritannien sollen es 13, in Deutschland etwa 5 Prozent sein.

Was sind Schattenbanken? Dazu zählen Hedge Fonds, Beteiligungsgesellschaften (Private Equity), Tochtergesellschaften von Banken, die nicht in der Bilanz auftauchen wie jene Zweckgesellschaften der IKB, Geldmarkt- und Investmentfonds, börsengehandelte Indexfonds (ETF), Wertpapierfirmen, Versicherer, die Kredite vergeben, aber auch Firmen, die unerlaubte Geschäfte betreiben, zum Beispiel, um Geld zu waschen.

Generell verteufelt werden sie nicht. Sie böten Alternativen zur Geldanlage und zur Kreditaufnahme bei Banken, es geschehe erst einmal nichts Illegales oder Unerwünschtes, sagt Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret. Allerdings müsse man auf die "ganz erheblichen" Risiken achten, ein Teil des Schattenbanksystems sei ja für den Ausbruch der Finanzkrise verantwortlich gewesen.

Die Risiken sind weiter gestiegen. Während sich Staaten und Bankenaufseher seit 2007 um schärfere Auflagen für Banken kümmern und mit den Vorschriften nach "Basel III" deutlich mehr Eigenkapital für risikoreiche Geschäfte einfordern, bleiben Schattenbanken außen vor. Daher werden immer mehr Finanzgeschäfte wegen der strengeren Regulierung klassischer Banken in den Schatten verlagert. "Das ist ein Treppenwitz und ein Irrsinn. Dieser Sektor ist keine vom Rest der Welt abgeschottete Spielhölle", sagt Jochen Sanio, Ex-Präsident der Bundesanstalt für Finanzaufsicht (Bafin) und seit langem scharfer Kritiker der Schattenbanken. Ohne Regulierung und Transparenz bei den Schattenbanken gebe es nur scheinbare Sicherheit, sagt auch seine seit Jahresanfang agierende Nachfolgerin Elke König.

Hedge Fonds, so Sanio, seien die gefährlichsten Akteure unter den Schattenbanken. "Ihr Zerstörungspotential ist enorm." Die größten hätten eine solche Marktstellung, dass es zu gefährlichen Verwerfungen käme, wenn nur einer zusammenbräche. "Was sie alles an gefährlichen Dingen treiben, wissen wir nicht - ein Zustand der mich fassungslos macht", sagt Sanio.

Die Gefahren der Schattenbanken ergeben sich daraus, dass sie von Banken über Kredite oder auch die Wertpapierleihe vermutlich in Milliardenhöhe mitfinanziert werden. Bei Schieflagen könnten Hedge Fonds oder andere Schattenbanken die Kredite möglicherweise nicht zurückzahlen. Oder sie müssten milliardenschwere Anlagen überstürzt abbauen, was die Preise am Finanzmarkt insgesamt ins Trudeln bringen würde. Bei Geldmarktfonds könnte es einen Run auf die Einlagen geben - mit ähnlich dramatischen Folgen, die letztlich die gesamte Weltwirtschaft treffen.

Die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer und der von ihnen ins Leben gerufene Finanzstabilitätsrat FSB wollen sich der Schattenbanken annehmen. Die EU-Kommission will im Herbst strikte Regeln für sie verabschieden.

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