Risiken der Cyberkriminalität für Unternehmen steigen

Mit der wachsenden digitalen Vernetzung in der Wirtschaft steigt auch das Risiko für Cyber-Kriminalität. Die Hälfte aller deutschen Unternehmen erleidet im Schnitt einen Schaden von 1,55 Millionen Euro. Mit einem Kommentar von Thomas Veitinger

ROLF OBERTREIS |

Die digitale, globale Vernetzung der Wirtschaft und die zunehmende Verbindung zwischen digitalen Systemen mit der Produktion (Industrie 4.0) eröffnet Wirtschaftskriminellen und der organisierten Kriminalität neue Chancen und birgt hohe Risiken für die Unternehmen. "Die Gefahr nimmt zu. Zumal die Täter keinen festen Standort brauchen, es keine realen Waren gibt, die beschlagnahmt werden können und damit die Verfolgungsrisiken viel geringer sind", sagt Kai Bussmann, Strafrechts-Professor an der Universität Halle Wittenberg.

"Die Kriminellen verlagern ihre Aktivität mehr und mehr in die digitale Welt", betont auch Steffen Salvenmoser, Experte für Wirtschaftskriminalität bei der Frankfurter Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

Am gestrigen Donnerstag stellten die beiden Experten ihre aktuelle, achte Studie zur Wirtschaftskriminalität vor, die auf einer Befragung von 720 Firmen mit mindestens 500 Beschäftigten basiert. Eindringliche Warnung von Bussmann und Salvenmoser: Die Unternehmen sollen sich vor Attacken von Kriminellen aus der Firma selbst und von außen schützen. "Wer das nicht macht, hat einen klaren Wettbewerbsnachteil", sagt Bussmann. Immerhin: Fast drei Viertel der Firmen haben das erkannt und entsprechende Systeme und Verfahren etabliert.

2014 und 2015 waren 34 Prozent der Unternehmen von Cyber-Kriminalität betroffen, Verdachtsfälle einbezogen sogar 47 Prozent. Bei den digitalen Attacken geht es vor allem um Computerbetrug, die Manipulation von Konto- und Finanzdaten, das Ausspähen von Daten wie Passwörtern oder die Veränderung wichtiger Daten. Noch freilich überwiegen Fälle von klassischer Wirtschaftskriminalität wie Vermögensdelikte, Verstöße gegen Marken- und Patentrechte oder der Diebstahl vertraulicher Daten. Deshalb, so Salvenmoser, dürfe auch der Schutz vor solchen Attacken nicht vernachlässigt werden.

Bei den befragten Unternehmen beläuft sich der messbare wirtschaftliche Schaden im Schnitt auf 1,55 Mio. EUR. "Im Einzelfall kann es sich aber um viel größere Summen handeln", so Salvenmoser, ehemaliger Richter und Staatsanwalt. Bei Unternehmen mit mehr als 10.000 Beschäftigten sei der Schaden mit 4,4 Mio. EUR fast drei Mal so hoch.

Noch halten sich die Einbußen mit im Schnitt 337.000 EUR bei der Cyber-Kriminalität in Grenzen. Aber das kann sich ohne entsprechenden Schutz nach Ansicht der beiden Experten schnell ändern. Sie weisen zudem darauf hin, dass viele Schäden überhaupt nicht quantifizierbar seien, wie etwa verlorenes Kundenvertrauen oder der Reputationsverlust. Generell sei der Gesamtschaden durch Wirtschaftskriminalität in Deutschland schwer zu beziffern. "Aber er bewegt sich mit Sicherheit im zweistelligen Milliardenbereich", sagt Bussmann.

Wichtig ist ein klar formuliertes Bekenntnis zu festgelegten Werten (Compliance). Jede dritte Tat wird durch einen Mitarbeitern aufgedeckt. Bussmann: "Eine integritätsförderliche Unternehmenskultur ermutigt die Mitarbeiter, Kollegen auf mögliches Fehlverhalten und Compliance-Verstöße anzusprechen und dem Unternehmen gegebenenfalls einen Hinweis zu geben."

Generell drohen den Unternehmen der Studie zufolge die größten Gefahren aus dem Inland. Ein Drittel der Wirtschaftskriminellen agiert von Deutschland aus. Etwa ein Fünftel stammt außerdem aus Westeuropa. Etwa ein Viertel sitzt der Studie zufolge in China, knapp 10 Prozent werden in Russland vermutet. Salvenmoser und Bussmann betonen aber auch, dass viele Unternehmen den Ursprung der Attacken gar nicht kennen.

Blackberry setzt auf Sicherheitssoftware

Übernahme Der kanadische Smartphone-Pionier Blackberry richtet sich inmitten schwacher Verkäufe seiner Handys stärker auf das Software-Geschäft mit Unternehmen aus. Das Unternehmen gab die Übernahme der britischen Firma Encription bekannt, die auf Beratung bei Cybersicherheit spezialisiert ist. In dem neuen Bereich sollen 60 Mitarbeiter tätig sein. Blackberry hat mit seinem eigenen Betriebssystem laut Marktforschern nur noch einen Anteil von 0,2 Prozent am Smartphone-Geschäft. Konzernchef John Chen schließt nicht aus, dass Blackberry ganz auf das Google-System Android umsteigt. Blackberry strebt eine starke Position bei der sicheren Vernetzung von Technik im Internet der Dinge an, unter anderem im Gesundheitsbereich und in Autos.

Kommentar von Thomas Veitinger: Schneise der Verwüstung

Wieso eine Bank überfallen, wenn man mit ein paar Mausklicks am Computer an Geld kommen kann? Diese Frage beantworten Kriminelle schon seit vielen Jahren mit Überfällen aus ihrem Wohnzimmer heraus. Im Trend liegt etwa das Verschlüsseln von Teilen der Festplatte, die sich erst nach Bezahlung eines Lösegelds wieder einsehen und nutzen lassen.

Über alle kriminelle Machenschaften hinweg aber sitzen die Täter zur Hälfte im Unternehmen selbst und kommen dort zu drei Viertel aus dem mittleren Management oder stehen sogar mit an der Spitze. Gier, mangelnde Anerkennung, Frustration über eine nicht erfolgte Beförderung, aber auch Geld für den Kauf von Statussymbolen, um die vermeintlich fehlende Anerkennung im privaten Umfeld zu erhöhen, sind Gründe. Dagegen lässt sich sogar etwas machen. Je fairer ein Unternehmen mit seinen Mitarbeitern umgeht und desto mehr Gedanken und Geld es in Prävention steckt, desto geringer die Gefahr.

Doch nun gibt es einen gegenläufigen Trend: Bei Cyber-Attacken ist der Anteil externer Täter deutlich höher als bei klassischer Wirtschaftskriminalität. Hier hilft nur noch, in Personal, Technik und Software zu investieren. Cyber-Kriminelle hinterlassen im Gegensatz zu Mitarbeitern oft eine Schneise der Verwüstung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Zum Schluss

Warum man mit Energiesparlampen ...

Die modernen Glühlampen sind gut für die Umwelt, weil sie Energie sparen, aber schwierig zum Entsorgen.

Energiesparlampen schonen das Klima, weil sie viel weniger Strom verbrauchen als die alten Glühbirnen. Doch wenn sie zerbrechen, ist Vorsicht angesagt – vor allem, wenn sie Quecksilber enthalten. mehr

Kotzhügel und Zaun: Botschaften ...

Das Tanzen auf den Tischen ist nicht erlaubt. Foto: Felix Hörhager

Der Besuch des Oktoberfestes kann ein großes Abenteuer sein. Damit alles glatt geht, geben einige Botschaften ihren Landsleuten nützlich Ratschläge an die Hand. mehr

Studie: Meiste Reiche leben in ...

Weltweit gibt es immer mehr Millionäre. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Reichen. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Capgemini hervor. mehr