Rewe-Chef Caparros über Online-Handel, schnelles Essen und kleine Läden

Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe hat harte Konkurrenz. Discounter und der Online-Handel versuchen dem Handelsriesen die Kunden abzujagen. Rewe-Chef Alain Caparros hält dagegen.

SIMONE HETT ... |

Die Discounter feiern gerade ein Comeback mit wiederholten Preissenkungen. Wie halten sie da mit?ALAIN CAPARROS: Solange die Discounter mit Umsatz und Kundenzuwachs nicht zufrieden sind, werden sie weiter an der Preisschraube drehen. Wir sind in einer Preisspirale, bei der wir mitschwimmen müssen. Allein die Preissenkungen bei den Eiern von Aldi kosten uns beim Rohertrag mehrere Millionen Euro. Das ist Wertvernichtung, denn wir verkaufen ja dadurch nicht mehr.

Was tut Rewe, um sich gegen die Wettbewerber zu behaupten?
CAPARROS: Wir arbeiten am Sortiment, an den Preisen, an der Leistung. Wir haben neue Konzepte entwickelt wie Rewe-to-Go und Nischen gefunden wie die Temma-Biomärkte.

Wie weit wollen sie diese Konzepte ausrollen?
CAPARROS: Wir wollen noch stärker in den Markt für das schnelle Essen zwischendurch vordringen. Es gibt langfristig in Deutschland ein Potenzial von 400 bis 500 Rewe-to-Go-Läden. Das bedeutet: 100 bis 150 Quadratmeter Toplage in den Innenstädten, junge Leute, Musik, nettes Ambiente. Temma ist eher ein Nischengeschäft und das Potenzial ist mit 100 bis 150 Läden deutlich geringer. Bei Temma müssen die Produkte lokal oder regional produziert und zudem bio sein. Das macht die Belieferung zu einer großen Herausforderung.

Sie sind schon lange Zeit im Lebensmittelhandel die Nummer zwei nach Edeka. Haben sie den Ehrgeiz die Konkurrenten zu überholen?
CAPARROS: Wenn wir auf Augenhöhe mit Edeka sein können, bin ich auch zufrieden. Größe allein ist nicht entscheidend. Das Online-Geschäft bietet uns aber die Chance, näher an Edeka heranzurücken.

Wie das?
CAPARROS: Der Tagesbedarf wird schon bald online eingekauft werden: Tiernahrung, Windeln, Wasser, Getränke und so weiter. Ich bin überzeugt, dass die Zeit des Massengeschäfts im stationären Handel vorbei ist. Diese Abfertigung von Leuten, die ihre Wocheneinkäufe in einem riesigen Einkaufskorb nach Hause tragen. Zudem bietet uns die Verzahnung von Online- und stationärem Handel Möglichkeiten für neue Angebote. Ein Beispiel: Unsere Märkte in den Innenstädten werden tendenziell ein bisschen kleiner werden und wir haben keine dehnbaren Regale. Online-Angebote könnten hier eine Sortimentserweiterung ermöglichen.

In der Touristik betreiben sie noch jede Menge Reisebüros, haben die denn in Zeiten des Internets noch eine Chance?
CAPARROS: Es gibt eine Zielgruppe, zum Beispiel die über 50-Jährigen, die besuchen gerne das Reisebüro. Das hat mit dem Bedarf nach persönlicher Beratung zu tun. Ob das Reisebüro ein Zukunftsmodell ist, müssen wir kontinuierlich prüfen.

Man kann bei Rewe oder Penny ja auch eine Reise im Supermarkt kaufen. Wer macht denn so was?
CAPARROS: Sogar sehr viele. Wir haben Kontakt zu 50 Millionen Kunden pro Woche. Diesen Hebel müssen wir nutzen. Ich kann mir künftig auch ein Reisebüro-Konzept im Supermarkt vorstellen. Also einen Mitarbeiter, der im Markt vor Ort ist und berät. Sie können dann quasi ihre Reise zwischen Brot und Marmelade buchen.

Wie haben sich 2013 die anderen Geschäftsfelder entwickelt?
CAPARROS: Die Touristik entwickelt sich stark - trotz Ägypten. Das Vollsortiment ist nach wie vor eine Erfolgsstory. Gleiches gilt für die Baumärkte, wobei wir auch von der Praktiker-Pleite profitierten.

Die Rewe-Gruppe gleicht einem Gemischtwarenladen. Gibt es Überlegungen, sich von dem ein oder anderen zu trennen?
CAPARROS: Momentan sind wir in der Orientierungsphase. Wir haben ja auch bereits einiges gemacht. Unsere Großmärkte für Gewerkbetreibende haben wir abgegeben. Zudem haben wir ProMarkt geschlossen. Grundsätzlich kennen wir keine Tabus. Wenn wir beispielsweise in einem Land keine kritische Größe erreichen oder mit dem Format an unsere Grenzen stoßen, dann ziehen wir uns zurück.

Genossenschaftlich organisierter Großkonzern

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