Privatvorsorge für Pflege wird zum Thema

Fellbach.  Höhere Nachfrage nach Pflegezusatzversicherungen stellt die Süddeutsche Krankenversicherung (SDK) fest. Wichtig seien lange Ansparphasen, sagt Klaus Henkel. Kritik übt der SDK-Chef an Billigtarifen.

Klaus Henkel, Chef der Süddeutschen Krankenversicherung (SDK/Fellbach), macht aus seinem Ärger über manchen Mitbewerber kein Hehl. Mit Billigangeboten unter 150 EUR im Monat hatte die eine oder andere Gesellschaft versucht, Marktanteile zu gewinnen. Diese Tarife lagen deutlich unter den Konditionen der gesetzlichen Versicherung. Jetzt aber steigen die Beiträge stark an.

Das wundert Henkel nicht. "Eine solche Rechnung geht auf Dauer nicht auf", sagt er. Häufig schließen junge Selbstständige solche Verträge ab. Weil aber nicht jede Existenzgründung erfolgreich verläuft, ist die Gefahr groß, dass etliche Gründer ihre Prämien auf Dauer nicht bezahlen können. Zudem sei zu befürchten, dass die aggressiv um Marktanteile kämpfenden Versicherer auch die Gesundheit ihrer neuen Kunden laxer prüfen. "Alles zusammen führt dazu, dass die Tarife nach drei bis vier Jahren durch die Decke gehen", erläutert der SDK-Chef. Die angelockten Geringverdiener sitzen damit in der Teuerungsfalle. Und die gesamte Branche der Privaten Krankenversicherer hat ein Imageproblem.

Das trifft indirekt auch die SDK. Dabei stiegen deren Tarife in der Vollversicherung zum Jahresanfang im Schnitt nur um 1,2 Prozent. Im Durchschnitt erhöhte die Branche die Prämien nach einer Analyse des Beratungshauses Morgen & Morgen bei Neuverträgen um 4,5 Prozent.

Mit ihren rund 170 000 Kunden mit einer Vollkrankenversicherung unter den Privaten Versicherern in Deutschland rangiert die SDK mit einem Marktanteil von 2,1 Prozent auf Platz 15. In Baden-Württemberg kommt das Unternehmen auf 12 Prozent Marktanteil und befindet sich laut Henkel damit auf Augenhöhe mit den bundesweiten Branchenführern DKV und Debeka.

Die SDK ist Partner im genossenschaftlichen Finanzverbund. Mit eigenem Außendienst ist sie in Baden-Württemberg und Bayern aktiv, im restlichen Bundesgebiet arbeitet die SDK mit Maklern zusammen. Die steuern etwa 30 Prozent des Geschäfts bei.

Profitiert hat die SDK auch davon, dass Arbeitnehmer seit 2011 in die Private Krankenversicherung wechseln können, wenn ihr Einkommen ein Jahr über 50 850 EUR im Jahr liegt. Zuvor hatte die Wartezeit 3 Jahre betragen. Eine weitere Änderung war, dass der Gesetzgeber die Abschlussprovisionen begrenzt hat. Der SDK-Chef begrüßt dies, wenngleich ihm eine Selbstverpflichtung der Branche lieber gewesen wäre. Nun darf die Abschlussprovision bis zu neun Monatsbeiträge betragen. "In der Vergangenheit sind im Maklervertrieb - wie in der Presse zu lesen war - bis zu 15 Monatsbeiträge verlangt worden. Das war deutlich zu viel", sagt Henkel.

Fürs Jahr 2012 ist er durchaus optimistisch. Impulse verspricht sich der SDK-Chef unter anderem von der privaten Pflegezusatzversicherung. Die war schon im vergangenen Jahr zunehmend gefragt gewesen. Gesundheitsminister Bahr hatte erwogen, eine verpflichtende Pflegezusatzversicherung einzuführen, nun soll sie auf freiwilliger Basis kommen. Eine vernünftige Leistung im Alter, so Henkel, lasse sich aber nur über eine längere Ansparphase erreichen. Die Politik täte gut daran, ehrlich zu informieren. Für einen monatlichen Beitrag von 10 EUR könne nicht viel an Gegenleistung herauskommen.

"Wenn auch 70-Jährige zu einem akzeptablen Beitrag versichert werden sollen, geht die Rechnung nicht auf." Ein Mitte-50-Jähriger müsste nach den Worten des SDK-Chefs monatlich etwa 50 EUR bis 60 EUR zahlen, um die Differenz zwischen dem Pflegegeld in der Pflegestufe 3 (derzeit 1550 EUR), seiner Rente und den durchschnittlichen monatlichen Pflegekosten von rund 3400 EUR abzusichern. Auf ein Ehepaar kommen laut Henkel damit monatliche Kosten von 100 EUR bis 120 EUR zu.


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Autor: ALEXANDER BÖGELEIN | 09.02.2012

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