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Optimierung als Lebenselixier

Die Maschinenbauer rechnen damit, dass China wieder zu einem Wachstumsmotor wird. Für Verbands-Präsident Thomas Lindner ist Nachhaltigkeit in der Wirtschaft eine Erfindung seiner Branche.

NIKO FRANK | 0 Meinungen

Herr Lindner, der Start ins Jahr 2013 war für die Maschinenbauer verhalten. Wird bei der Hannover Messe der Knoten platzen?

THOMAS LINDNER: Ich glaube nicht, dass sich mit der Hannover Messe die aktuelle Lage verändert. Viel wesentlicher ist für uns im Maschinenbau die Frage, wie werden sich Asien und vor allem China entwickeln?

Wie schätzen Sie die Wachstumschancen in China nach dem Führungswechsel in Peking ein?

LINDNER: Die neue Regierung wird alles tun, um wieder stärkeres Wachstum zu bekommen. Die Kreditversorgung wurde bereits Ende letzten Jahres deutlich besser. Die Frage ist nur, kommt zusätzliches Geld nur bei staatlichen oder auch bei privaten Unternehmen an? Zumindest aber für das zweite Halbjahr kann man optimistisch sein.

Müssen die Maschinenbauer in China vor Ort Fertigungskapazitäten aufbauen?

LINDNER: Unsere Erfolge in China zeigen, dass wir im Kern gut aufgestellt sind und die richtigen Produkten haben. Bei einem zusätzlichen Engagement tun sich kleinere Unternehmen allerdings schwerer als größere.

Liegt hier ein strukturelles Problem, weil die mittelständischen Maschinenbauer nicht durch eine besondere Größe hervorstechen?

LINDNER: Deshalb empfehlen wir kleineren Unternehmen über intelligente Kooperationen nachzudenken, um diesen Nachteil auszugleichen. Nicht jeder muss eine eigene Fabrik bauen. Man kann sich Aufbauleistungen teilen, ohne damit die eigene Identität oder besondere Kernkompetenzen zu vernachlässigen.

Im vergangenen Jahr entwickelte sich der Export in die USA weitaus dynamischer als nach China. Bleibt dies auch 2013 so?

LINDNER: Wir sind sehr optimistisch im Blick auf die USA. Ausgehend von massiv gesenkten Energiepreisen wird in den Grundstoffsektor investiert. Es entstehen zum Beispiel Düngemittelfabriken oder Stahlwerke. Das eröffnet unseren Maschinenbauern neue Geschäftschancen.

Die Unwägbarkeiten wegen der Fiskalkrise in der USA machen Ihnen keine Sorgen?

LINDNER: Natürlich machen wir uns deshalb Sorgen. Aber bislang sind beide US-Parteien nicht über die Klippe gesprungen. Die Chance, dass beide Seiten nur bis zur letzten Sekunde pokern, ist relativ groß.

Wie beurteilen Sie die Situation in Euroland?

LINDNER: Die Krise ist nicht vorbei. Ihre Ursachen wie unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit oder unterschiedliche Kostensituationen sind nicht überall bereinigt. Es gibt positive Tendenzen in Spanien oder Portugal. Wenn aber die Wettbewerbsfähigkeit von Italien oder Frankreich deutlich nachlässt, ist das gesamte Euro-Projekt gefährdet.

Wie wichtig sind Italien und Frankreich als Exportmärkte für die deutschen Maschinenbauer?

LINDNER: Die Größenordnung dieser Märkte ist bei einem Rückgang nicht existenzbedrohend. Frankreich, Italien und Großbritannien zusammen erreichen in etwa das Exportvolumen von China. Aber man muss das gesamte Umfeld und die Strukturkrise im Auge behalten, und das macht uns schon Sorgen.

Die Bundestagswahl wirft ihre Schatten voraus mit Stichworten wie Mindestlohn oder regulierende Vorgaben für Managergehälter. Wie beurteilen Sie dies als mittelständischer Unternehmer?

LINDNER: Mein Eindruck ist, dass bei den Managergehältern schon längst die Trendwende eingetreten ist - vielleicht auch durch die Gesetzgebung, die für mehr Transparenz gesorgt hat. Weil aber Managerverträge in der Regel fünf Jahre laufen, werden sich die Auswirkungen erst mit der Zeit zeigen. Derzeit ist eher Geduld gefragt statt vordergründigem Wahlkampfgetöse.

SPD und Grüne streben Steuererhöhungen am oberen Ende und die Wiedereinführung der Vermögensteuer an. Welche Konsequenzen hätte dies für den Mittelstand?

LINDNER: Dadurch werden Arbeitsplätze gefährdet. Der Staat würde damit Investitionskapital abschöpfen. Nach aller Erfahrung finanziert der Staat mit zusätzlichen Steuereinnahmen keine Investitionen. Man darf darüber hinaus nicht vergessen, dass alle Steuersenkungen der letzten Jahre mit einer Verbreiterung der Berechnungsgrundlage einhergingen. Netto hat die Wirtschaft daraus also keinen Vorteil gezogen.

Stichwort Energiewende: Stellt sich für die Unternehmen angesichts steigender Stromkosten die Frage von Standortverlagerungen?

LINDNER: Für den Maschinenbau ist das kein gravierendes Thema. Der Anteil der Stromkosten an den Gesamtkosten ist relativ gering. Deshalb wird niemand wegen steigender Strompreise seinen Standort aufgeben. Wir sind aber auch abhängig von Vorlieferungen energieintensiver Unternehmen. Und in diesem Bereich gibt es bereits eine negative Investitionsrate. Diese Branchen sterben ganz leise und ganz langsam in Deutschland aus.

Was bedeutet dies für die Maschinenbauer, die ja auch aus dieser engen Vernetzung Wettbewerbsvorteile ziehen?

LINDNER: Das ist ganz eindeutig eine Gefährdung für uns. Wenn die qualitativ hochwertigen und innovativen Vorstufen nicht mehr verfügbar sind, dann leidet auch unsere Fähigkeit, neue Produkte zu entwickeln, die auf innovativen Werkstoffen basieren.

Energiewende und ökologischer Umbau der Industrie sind im Prinzip ein großes Konjukturprogramm für den Maschinenbau.

LINDNER: Es gibt eindeutig Teilbranchen die davon profitieren. Zum Beispiel Firmen, die in die Windkraft oder in die Solartechnik liefern. Aber das Thema ist ja viel breiter. Im Grunde genommen sind nicht die "Grünen" die Erfinder der Nachhaltigkeit, sondern die Maschinenbauer. Wir leben von der Nachhaltigkeit in dem Sinn, dass das gleiche Ergebnis mit immer weniger Material- oder Energieeinsatz erzielt wird. Optimierung ist unser Lebenselixier.

Wird dieses Thema bei der Hannover Messe in besonderer Weise in den Vordergrund gerückt?

LINDNER: Energieeffizienz ist ein ganz wichtiges Thema in Hannover. Aber dies ist ein evolutionärer Prozess. Es gibt nur selten spektakuläre Fortschritte - auch wenn es immer wieder Technologiebrüche gibt. Diese werden aber häufig nicht sofort wahrgenommen. Sie breiten sich - wie kleine Pflänzchen - erst allmählich aus.

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