Neugierig und weltoffen in die Königsklasse
Schwäbisch Hall. Ihre Namen sind oft nur Experten bekannt. Dennoch gibt es besonders in der Region Heilbronn-Franken ungewöhnlich viele Weltmarktführer. Ein Lexikon stellt sie vor, am Montag gibt es einen Kongress dazu.
Steffen Schoch, Wirtschaftsförderer in der Region Heilbronn-Franken, zählt gerne Superlative auf: "Nirgendwo sonst sind, gemessen an der Zahl der Einwohner, so viele Firmen Weltspitze." Unter allen 437 Kreisen und kreisfreien Städten nehme der Hohenlohekreis bundesweit die Spitzenposition ein, der Main-Tauber-Kreis folge auf Platz 2, Stadt- und Landkreis Heilbronn sowie Schwäbisch Hall gehörten gleichfalls zu den Top 10.
Diese Einschätzung bestätigt das "Lexikon der deutschen Weltmarktführer". Demnach kommen fast zehn Prozent der "Königsklasse deutscher Unternehmen" aus Schochs Region. Diese 70 Betriebe werden in einer Sonderausgabe (Gabal-Verlag, 19,90 EUR) zusammengefasst, die anlässlich eines am Montag in Schwäbisch Hall beginnenden Kongresses vorgestellt wird.
Natürlich tauchen da die allseits bekannten Namen wie Würth und Berner, Wittenstein und Intersport, Klafs und Scheuerle auf. Es hat sich auch herumgesprochen, dass die formschönen Thermoskannen namens "Juwel" auf dem Berliner Kabinettstisch von Alfi in Wertheim gefertigt werden.
Doch viele Firmen sind allenfalls Insidern bekannt. Wer weiß schon, dass 80 Prozent des Weltbedarfs an Rahmenfenstern und Dachhauben für Wohnwagen und Reisemobile von Dometic Seitz in Krautheim stammen? Es sind keineswegs nur die Spezialisten aus dem Maschinenbau, die ihren Sitz in der größten Region des Landes haben. Dieser Landstrich zwischen Kraichgau und Maintal ist auch die Heimat von Tüftlern, die sich mit Nischenprodukten eine herausragende Position erarbeitet haben. Sie liefern Geräte für die Kältekompressortemperatur- und -schmierungsüberwachung (Kriwan, Forchtenberg), Sprühlacksysteme (Kwasny, Gundelsheim), Band-, Bügel- und Kreissägen (Behringer, Kirchardt), Pumpen für die Fass- und Containerentleerung (Lutz, Wertheim), Heizungssysteme aus Kunststoff (Rotex, Güglingen), Doppelbedienungen für Fahrschulautos (Veigel, Künzelsau), Lagerlifte nach dem Umlauf- und Vertikalförderprinzip (Hänel, Bad Friedrichshall), Kunststoffkomponenten für den Eisenbahnoberbau (Wirthwein, Creglingen).
Die Region sei "ein wirtschaftliches Aushängeschild Baden-Württembergs", lobt Ministerpräsident Stefan Mappus in einem Vorwort. Um die große Politik hat man sich ausgerechnet dort "nie so sehr gekümmert", sagt Reinhold Würth in einem Interview. Ihm sei es "vollkommen unwichtig", welche Regierung in Berlin oder Stuttgart das Sagen hat - solange sie den Kommunismus nicht einführt. Entscheidender sei die Mentalität der Menschen. Die Franken bezeichnet Würth als "quirliges, intelligentes, aufmüpfiges Volk", als "neugierig und weltoffen". Das dürfte freilich auch auf alle Volksstämme der Region zutreffen, auf die Schwaben, Badener, die Hohenloher, schließlich haben sie es ja auch zu den "Besten der Besten" geschafft, wie die Herausgeber Florian Langenscheidt und Bernd Venohr diese Elite bezeichnen.
Für Wirtschaftsförderer Schoch sind solche Top-Betriebe von entscheidender Bedeutung, wenn es um das Anwerben von Fachkräften geht: "Heilbronn-Franken konkurriert allein in Deutschland mit über 100 Regionen, in Europa mit über 1200 Landstrichen."
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Autor: HANS GEORG FRANK | 22.01.2011
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Einer der bekanntesten Weltmarktführer ist die Adolf Würth GmbH & Co. KG in Künzelsau. Hier ein Blick ins Lager. Archivfoto
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