Miniatur-Ich per 3-D-Scan aus dem Drucker

Ein kleines Ich auf der Wohnzimmerkommode - mit dreidimensionalen Scannern und Druckern längst keine Zukunftsvision mehr. Eines der futuristischen Geräte steht im Elektrofachmarkt in Biberach.

CAROLINE STRANG |

Miss Oberschwaben rückt noch schnell ihre rote Schärpe zurecht, dann schließt sich die Tür hinter ihr. Es geht alles ganz schnell, der Techniker zählt bis fünf, dann blitzt es in der Kabine. Als die Tür sich wieder öffnet, strahlt Melanie Müller aus Memmingen und streicht sich die blonden Haare zurecht. "Total cool", sagt sie und legt die Schärpe wieder ab.

Sie ist nicht etwa an einen anderen Ort gebeamt worden, auch wenn die Kabine im Euronics XXL-Fachmarkt in Biberach aussieht wie aus einem Science Fiction. 52 in der Kabine verteilte Spiegelreflexkameras haben gleichzeitig ein Foto von ihr gemacht, das eine spezielle Software dann in ein 3-D-Modell verwandelt - dreidimensional also.

Miss Oberschwaben freut sich auf den Moment in zwei Wochen, wenn sie ihr Abbild aus Gips-Polymer in den Händen hält. Eine Miniaturfigur von sich selbst - in Großstädten gibt es dafür spezielle Studios, Euronics testet das Ganze nun mit der Doob Group AG, einem der weltweit führenden Anbieter von 3-D-Technik, in zwei Fachmärkten, in Biberach und Bensheim.

Dort erstellt der Full Body Scanner innerhalb einer Hundertstel Sekunde ein Abbild eines Menschen. Vierzehn Tage später ist die Miniaturversion aus Gips fertig. Der Kunde kann wählen, wie groß er sie möchte. Das ist vor allem eine Preisfrage. Der Einstiegspreis liegt bei 99EUR für ein zehn Zentimeter hohes Abbild und geht bis zu 899 Euro für die 35-Zentimeter-Version. Kleine Kinder und Haustiere mit im Scanner kosten jeweils 100 Euro extra.

Wer sein Abbild als Datei für den Computer will, zahlt noch einmal 35 EUR drauf - für Euronics-Geschäftsführer Daniel Kirberg das eigentliche Zukunftsmodell. Denn bald, so schwärmt er, werden "fast alle Menschen" von sich ein dreidimensionales Abbild erstellen lassen und damit in Onlinespielen und sozialen Netzwerken auftreten oder ihre Klamotten im Internet anprobieren.

Die Preise von Euronics sind nach Meinung von Experte Leopold Holzapfel marktüblich. "Die hohen Preise hängen auch damit zusammen, dass die Anschaffungskosten für Scanner und Drucker sehr hoch sind", erklärt Holzapfel, Messtechniker im Testlabor der Computerzeitschrift "Chip". Die Kabine im Elektromarkt kostet rund 60.000 Euro . Außerdem reiche Scannen und Ausdrucken meist noch nicht aus. "Man muss die Figuren nacharbeiten, da muss sich jemand zumindest eine halbe Stunde hinsetzen und die Ecken und Löcher füllen, die der Drucker noch nicht so 100 Prozent exakt wiedergibt", sagt Holzapfel. Vor allem Details wie Haare oder Brillen seien schwierig.

"Das Pilotprojekt ist eine von vielen Aktionen und Maßnahmen, mit denen wir die Geschäftsfelder der Zukunft erschließen wollen", sagt Euronics-Vorstandssprecher Benedict Kober. Euronics ist früh dran. Zumindest Holzapfelist nicht bekannt, dass man bisher sein eigenes Duplikat in einem Elektrofachmarkt herstellen lassen kann.

"Die Nachfrage ist sehr groß, der Trend ist in den letzten Jahren von Amerika rübergeschwappt", sagt Holzapfel. Er schätzt, dass es diese Technik erst seit drei oder vier Jahren gibt. "Mittlerweile hat das für viele einen Reiz. Es hat was, sich selbst in Miniatur im Wohnzimmer zu haben oder verschenken zu können." Für einen Fernsehbeitrag war er selbst schon in einem Münchner Studio und hat die Prozedur über sich ergehen lassen. Die Figur steht nun in seiner Vitrine. Die Figuren sind aus Gipsmaterial - ein eingefärbtes Pulver, das Schicht für Schicht übereinandergelegt und mit Kunstharz ausgehärtet wird. Diese Technik wird bisher vor allem in der Industrie eingesetzt. In klassischen und inzwischen auch günstiger zu kaufenden 3-D-Druckern wird dagegen eine Plastikspule zum Schmelzen gebracht. Die Maschinen, die Gipspulver benutzen, sind noch zu teuer für den Privatgebrauch. Laut Holzapfel fangen entsprechende 3-D-Drucker bei 25.000 Euro an, "wirklich gute Drucker liegen im 100.000-Euro-Bereich".

Holzapfel kann sich vorstellen, dass man sich selbst irgendwann zu Hause ausdrucken kann. Wie lange das noch dauere sei allerdings ebenso unklar wie die Qualität des Abdruckes.Bis dahin bleibt nur der Weg zu den Profis. Euronics-Geschäftsführer Daniel Kirberg stellt sich selbst noch in die Kabine - mitsamt Frau und Kind. Die Familie in mini für die Vitrine der Großeltern.

Wie funktioniert das Scannen?

Zwei Optionen Der Körper wird entweder über eine Kugel oder Kabine gescannt, in der 50 oder sogar 100 Kameras angeordnet sind. Diese Kameras machen gleichzeitig ein Foto, woraus der Computer anschließend ein 3-D-Modell erstellt. Die zweite Möglichkeit ist das Scannen per Hand. Die Person steht auf einer Drehplattform und wird abgescannt. Bei dieser Methode darf sie sich eine ganze Weile nicht bewegen. Einfache Handscanner kosten laut Experte 9000 Euro, die besseren gibt es für 15.000 Euro. cast

SWP

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