Mildes Wetter hilft sparen
Berlin. Die ungewöhnlich milde Witterung im vergangenen Jahr kommt den Verbrauchern bei der Heizkostenrechnung entgegen. Statt saftiger Nachzahlungen dürfte es vielfach Rückerstattungen geben.
Im Herbst hatten viele Verbraucher Hiobsbotschaften in ihrem Briefkasten. Ein strenger Winter führte zu teils satten Nachzahlungen von mehreren hundert Euro für das Jahr 2010. Das dürfte in diesem Jahr anders aussehen. Das vergangene Jahr gehörte laut Deutschem Wetterdienst (DWD) zu den fünf wärmsten Jahren seit 1881.
Trotz teils saftiger Preiserhöhungen sanken die Gaskosten daher nach Angaben des Verbraucherportals Toptarif.de auf das Jahr gesehen um rund 15 Prozent. Das mache bei einem Haushalt mit einem Verbrauch von 15 900 Kilowattstunden Gas pro Jahr rund 160 EUR weniger aus - bei Einfamilienhäusern seien sogar bis 300 EUR Ersparnis möglich.
Im vergangenen Jahr hätten die Verbraucher aus einem überdurchschnittlich warmen Frühjahr und einem ungewöhnlich milden Dezember Vorteil gezogen, vor allem im Vergleich zum kalten und schneereichen Jahr 2010, erläuterte das Verbraucherportal. Allein im Dezember sank demnach der errechnete Bedarf an Heizgas um mehr als 30 Prozent. Auch Besitzer einer Ölheizung mussten im warmen Jahr 2011 weniger heizen. Wie stark sich das aber auf ihr Budget auswirkt, hängt vor allem davon ab, wann sie ihr Heizöl gekauft haben.
Viele Mieter können sich wohl auf Rückzahlungen freuen, auch wenn Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund noch vorsichtig ist. "Im ersten Quartal 2011 gab es immer noch einen sehr hohen Verbrauch. Ich glaube daher nicht, dass das milde Jahresende eklatant durchschlagen wird." Die Deutsche Energie-Agentur betont: "Schon ein Grad weniger spart bis zu 6 Prozent Heizkosten." 16 bis 20 Grad Raumtemperatur seien optimal.
Die 38,2 Mio. Wohnungen in Deutschland werden nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wie folgt beheizt: 49 Prozent der Wohnungen mit Gas; 12,6 Prozent per Fernwärme; 6,1 Prozent mit Strom und 29,6 Prozent mit Öl.
Wie stark sich die Spirale zuletzt nach oben drehte, zeigen Zahlen aus dem Heizspiegel des Mieterbunds für 2010. Damals kostete das Beheizen einer 70-Quadratmeter-Wohnung mit Heizöl durchschnittlich 850 EUR. Das waren 220 EUR mehr als noch 2009. Mieter mit Erdgasheizungen zahlten 805 EUR und damit 20 EUR mehr. Die Heizkosten für Fernwärme stiegen ebenfalls um 20 EUR auf 880 EUR. Diese Preissteigerungen gingen auch 2011 ungebremst weiter - nur, dass diesmal der Wettergott eine entscheidende Rolle spielte. Mit rund 1824 Stunden war 2011 das drittsonnenscheinreichste Jahr der letzten 50 Jahre. Der Dezember war mit einer Durchschnittstemperatur von knapp 4 Grad etwa 7,3 Grad wärmer war als im Vorjahr.
Auch beim BDEW geht man daher von sinkenden Heizkosten für 2011 aus. "Die Witterung hat zumindest bei Privatkunden dazu geführt, dass der Verbrauch sinkt und damit wohl auch die Kosten", sagt Sprecher Frank Brachvogel. Beim BDEW deuten die bisher vorliegenden Zahlen für 2011 auf einen deutlich sinkenden Brennstoffeinsatz für die Strom- und Wärmeerzeugung in deutschen Kraftwerken hin.
Doch das könnte nur eine Momentaufnahme sein - auch wenn das Wetter unverändert mild ist. Denn für 2012 drohten wieder höhere Rechnungen, fürchtet Daniel Dodt von Toptarif.de. Der hohe Ölpreis könne weitere Kostensprünge beim Gas zur Folge haben: "So folgt der Gaspreis in langfristigen Lieferverträgen den Preisentwicklungen beim Öl in der Regel mit einem Abstand von etwa sechs Monaten."
Besonders die Drohung des Iran, die Straße von Hormus wegen des Konflikts um sein Atomprogramm zu sperren, könnte stark preistreibend wirken. Durch das Nadelöhr befördern Tanker bis zu 40 Prozent des weltweit auf Schiffen transportierten Öls. Bis 2015 könnten zudem nach einer Studie der Unternehmensberatung A.T. Kerney die Gaspreise in Europa um 30 bis 40 Prozent zulegen. dpa/afp
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Autor: SWP | 11.01.2012
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