Mehr Zinsen fürs Ersparte

Frankfurt.  Die Euro-Schuldenkrise hat positive Seiten für die Verbraucher: Die Zinsen für Spareinlagen sind gestiegen, weil Banken Geld suchen. Auch Häuslebauer profitieren: Hypothekendarlehen haben sich verbilligt.

Die Schuldenkrise in Europa ist längst nicht überwunden. Die Regierungen in Europa ringen um eine Einigung, und die Bundesbürger werden skeptischer. Die Krise führt aber auch dazu, dass Sparer sich wieder über höhere Zinsen für ihre Einlagen freuen können.

Der Hintergrund: Für Banken ist es schwerer an Geld zu kommen, weil sich die Institute gegenseitig wieder weniger über den Weg trauen und deshalb untereinander weniger Geld verleihen. Das Misstrauen ist zwar nach Angaben von Experten bei weitem nicht so groß wie nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman im Herbst 2008. Aber trotzdem suchen die Banken Geld - und dies auch bei Sparern.

Die Folge: Die Zinsen für Tagesgeld ziehen wieder an. In der Spitze bieten Institute mittlerweile wieder Sätze von 2,6 Prozent und das nicht nur für Neukunden. Im Frühjahr 2010 waren sie bis unter 1,5 Prozent abgerutscht. Vorteil der Tagesgeld-Konten: Die Einlagen sind jederzeit verfügbar. Allerdings haben die Offerten mitunter einen Haken: Oft gelten die Sätze nur für einige Monate, dann sinken sie auf den Marktdurchschnitt. Und die Anbieter stellen Bedingungen: Der Zins gilt mitunter nur bei gleichzeitiger Eröffnung eines Wertpapierdepots oder eines Girokontos, das nur bei einem Mindestgeldeingang kostenlos ist.

Zudem ist wichtig, ob die jeweilige Bank der Einlagensicherung unterliegt. Bei ausländischen Banken sind mitunter nur Beträge bis 50 000 EUR abgesichert. Mehr sollte man bei solchen Instituten nicht anlegen. Generell gilt in der EU seit Jahresbeginn eigentlich eine Mindest-Einlagensicherung von 100 000 EUR.

Eine Studie zufolge haben allerdings nur rund die Hälfte der Verbraucher in Deutschland ihre Spareinlagen immer im Blick hat, 35 Prozent wissen gar nichts über ihre Zinserträge. Darüber hinaus lässt fast jeder Dritte für einen längeren Zeitraum größere Geldbeträge auf dem Girokonto, obwohl diese Konten meist nicht oder nur gering verzinst werden.

Auf ihren Sparbüchern haben die deutschen Verbraucher nach einer Statistik der Bundesbank rund 500 Mrd. EUR. Der Zinssatz beträgt oft 0,5 Prozent oder weniger. Zwar haben einige Banken zuletzt die Zinsen für die Einlagen erhöht. Das reicht aber nicht aus, um die Inflation auszugleichen.

Auf Tagesgeldkonten gibt es nach einem Vergleich des Finanzportals FMH aktuell bis zu 2,6 Prozent Zinsen. Bei Festgeld mit zwölfmonatiger Laufzeit sind es laut FMH bis zu 3 Prozent, bei dreijährigen Sparbriefen bis zu 4,1 Prozent.

Auch Baugeld ist jetzt noch billiger geworden. "Wer ein Haus finanzieren will, profitiert von der Krise am Kapitalmarkt," sagt FMH-Chef Max Herbst. Während noch im Frühjahr für zehnjährige Hypotheken ein Jahreszins von 4,3 Prozent fällig war, ist er mittlerweile im Schnitt auf rund 3,5 Prozent gefallen.

Damit ist Baugeld auch im historischen Vergleich nach wie vor günstig zu haben. Manche Anbieter locken mit Zinssätzen für zehn Jahre von gut 3,4 Prozent. Vor zwei Jahren etwa mussten für zehn Jahre im Schnitt knapp 4,5 Prozent, vor drei Jahren 5,13 Prozent bezahlt werden. Vor zehn Jahren waren es sogar mehr als 6 Prozent, was im Übrigen nach Berechnungen von FMH auch dem Schnitt der letzten 20 Jahre entspricht. Wer sich derzeit auf 15 Jahre binden will, muss laut FMH mit einem Durchschnittszins von rund 4 Prozent kalkulieren.

Obwohl die Zinsen für zehn Jahre günstiger sind, rät Herbst zu 15-Jahres-Hypotheken. Grund: Früher oder später müsse die enorme, weltweite Staatsverschuldung zu höherer Inflation und t zu höheren Zinsen führen. Laut Gesetz könne man eine Hypothek ohnehin nach zehn Jahren mit einer Frist von sechs Monaten kostenfrei kündigen.

Info www.fmh.de


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Autor: ROLF OBERTREIS UND DAPD | 29.08.2011

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