Mehr Jugendliche ohne Job

Stuttgart/Nürnberg.  Die Erholung am Arbeitsmarkt legt eine Pause ein. Im Südwesten stagniert die Zahl der Stellensuchenden im Juli bei rund 265 900. Zu Beginn der Sommerferien steigt aber die Jugendarbeitslosigkeit deutlich an.

Die Arbeitslosigkeit in Baden-Württemberg hat sich trotz einer hohen Zahl von Abgängern aus Berufsschulen und Ausbildungen nicht verändert. Die Arbeitslosenquote stagnierte im Juli bei 4,7 Prozent, teilte die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Stuttgart mit. Die Zahl der Arbeitslosen lag wie im Vormonat Juni bei rund 265 900. Das ist ein Minus von 9,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. In Bayern sank die Zahl der Stellensuchenden um 4600 auf 274 700. Die Arbeitslosenquote ging auf 4,1 Prozent zurück.

Die Stuttgarter Behördenchefin Eva Strobel betonte aber, "trotz Optimismus bleiben Risiken am Arbeitsmarkt, Produktion und Auftragsvolumen steigen zwar an, liegen aber noch unter dem Niveau der Jahre 2007 und 2008. zudem haben wettbewerbsschwächere Arbeitnehmer Schwierigkeiten, in Arbeit zu kommen". Strobel wertete es aber als positiv, dass die konjunkturelle Erholung den saisonbedingten Anstieg der Arbeitslosenzahlen ausgleichen konnte. Im Zeitraum zwischen 1991 und 2009 habe es mit Ausnahme der Boomjahre 2006 und 2007 immer einen Zuwachs an Arbeitslosen im Juli gegeben, sagte sie zur Begründung.

Die Jugendarbeitslosigkeit erhöhte sich im Juli jedoch traditionell deutlich. Im Vergleich zum Vormonat Juni gab es einen Zuwachs von 4600 jungen Menschen ohne Job (plus 21,4 Prozent). Die Zahl lag aber noch rund ein Viertel unter dem Vorjahresniveau. Insgesamt waren 26 100 junge Männer und Frauen unter 25 Jahren ohne Beschäftigung. Die Quote lag bei 3,9 Prozent.

Auch in diesem Jahr ist zu Beginn der Sommerferien der Ausbildungsmarkt nicht ausgeglichen. Seit Oktober 2009 suchen 63 551 Berberinnen und Bewerber eine Lehrstelle. Den Arbeitsagenturen wurden bislang 58 787 Ausbildungsplätze gemeldet. Derzeit sind im Land 20 441 junge Leute noch unversorgt. Den Bestand an unbesetzten Lehrstellen bezifferte Strobel auf 15 192. Nach ihrer Einschätzung zeigt dies, dass der "Ausgleich am Mark schwieriger wird". Die Zahl der offenen Stellen stieg dagegen im Juli nochmals kräftig um gut 4800auf rund 55 660 an und lag damit um 44,1 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres. Seit Jahresbeginn gingen bei den Arbeitsagenturen knapp 34 800 neue Stellenangebot ein, ein Plus von 31 Prozent.

Kurzarbeit haben im Südwesten in den ersten sieben Monaten des Jahres etwa 4000 Betriebe angezeigt. Betroffen sind davon rund 50 000 Beschäftigte. Vor einem Jahr nutzten im gleichen Zeitraum 18 500 Betriebe das Instrument Kurzarbeit, von der damals 514 000 Beschäftigte betroffen waren

Die Landesregierung bezeichnete die Juli-Ergebnisse als Beweis für die Stärke der heimische Wirtschaft und den anhaltenden Aufwärtstrend auf dem Arbeitsmarkt. "Durch den klugen Einsatz der Kurzarbeit wurden größere Entlassungen in der zurückliegenden Krise verhindert", betonte Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU). Einige Unternehmen suchten bereits wieder nach Arbeitskräften.

Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) warnte jedoch im Hinblick auf anstehende Lohnverhandlungen davor, die auch im Südwesten wieder gewonnene Stabilität auf dem Arbeitsmarkt leichtfertig aufs Spiel zu setzen: "Wer jetzt bereits glaubt, künftig einen kräftigen Schluck aus der Pulle fordern zu können, der gefährdet die nachhaltige Erholung auf dem Arbeitsmarkt", sagte der FDP-Politiker.

Arbeitsministerin Monika Stolz (CDU) bezeichneten den Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit als Wermutstropfen in der Juli-Bilanz. Sie zeigte sich aber überzeugt, dass die Zahl nach den Sommerferien wieder sinken wird. dpa/eb


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