Loewe schließt Jahresverlust nicht aus
Berlin. Der Fernsehgeräte-Spezialist Loewe schließt nach einem verpatzten ersten Halbjahr auch einen Jahresverlust nicht aus. Ob es am Ende rote oder schwarze Zahlen unterm Strich geben wird, hänge vom Weihnachtsgeschäft ab.
Das sagte der neue Loewe-Chef Oliver Seidl am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa auf der Funkausstellung IFA in Berlin. Der Umsatz werde in diesem Jahr nur leicht steigen, sagte Seidl. Loewe hatte den erhofften Geschäftsschub durch die Fußball-WM verpasst: Weil die Lieferung von einem Zulieferer ausfiel, wurde eine neue Gerätereihe nicht rechtzeitig fertig. Im ersten Halbjahr gab es einen Verlust von gut vier Millionen Euro, Konzernchef Frieder C. Löhrer trat im Juli zurück.
Seidl will nun einiges ändern. «Wir müssen schneller werden», sagte er. «Wir kommen zu spät mit serienreifen Produkten auf den Markt.» Loewe brauche vor allem zu lange, um Innovationen umzusetzen. Derzeit liege Loewe meistetwa neun bis zwölf Monate hinter dem ersten Anbieter einer neuen Technologie zurück. «Wir wollen diese Zeit auf sechs Monate verkürzen», kündigte Seidl an. Auch die Kosten sollen gesenkt werden - vor allem im Einkauf.
Loewe verstehe sich weiterhin als Hersteller von Premium-Elektronik zu gehobenen Preisen, betonte Seidl. Unter die aktuellen Einstiegspreise bei 800 Euro werde Loewe nicht gehen. Vor einem Jahr war auf der IFA noch von Überlegungen zu einem Einstiegsmodell zu hören.
Wie alle anderen Anbieter wird auch Loewe von dem Wandel der Unterhaltungselektronik- und Medienbranche erfasst. Die Strategie von Loewe sei, neue Techniken erst anzubieten, wenn sie ausgereift sind, sagte Seidl. So habe das Unternehmen bisher keine 3D-Fernsehgeräte verkauft: «Wir haben bisher gesehen, dass 3D nicht kundenfähig ist.»
Dabei beherrsche man grundsätzlich die Technologie. Seidl erwarte eine Verbesserung mit neuen 3D-Panels, die Anfang kommenden Jahres auf den Markt kommen. Im ersten Quartal 2011 soll es dann auch ein 3D-Komplettsystem von Loewe geben.
Jetzt schon mitmischen will der Hersteller hingegen beim Hybrid-Fernsehen HbbTV, das Fernsehübertragungen und Online-Video zusammenbringen will. Mit Loewes MediaNet kommt das Internet direkt auf den Fernseher. Und Seidl setzt auf die Heim-Vernetzung als Verkaufsargument: Mit den neuen Loewe-Fernsehern kann man Videobilder von einem Gerät im Haus zu anderen übertragen.
«Wichtig ist, dass es einheitliche Standards gibt», betonte der Konzernchef angesichts des Wandels der Fernsehbranche. Seidl will seine Firma weiterhin auf das internationale Geschäft ausrichten. «Einen Premium-Markt gibt es in jedem Land», betonte er.
In der Wirtschaftskrise hatten Markteinbrüche in europäischen Ländern wie Spanien die Loewe-Zahlen geschmälert. Über einen Markteintritt in neuen Wachstumsmärkten wie China denke Loewe zwar nach, konkrete Pläne gebe es aber nicht. «Wir konzentrieren uns auf Kerneuropa.» In der Region sei das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft: 40 Prozent der Haushalte hätten noch keinen modernen Flachbildfernseher.
Im vergangenen Jahr war der Loewe-Umsatz - vor allem wegen des schwachen Auslandsgeschäfts - um 13 Prozent auf 342 Millionen gefallen. Der Gewinn schmolz auf 8 Millionen Euro nach 18,9 Millionen 2008 zusammen. Die Fußball-WM sollte den Befreiungsschlag bringen, das scheiterte jedoch daran, dass ein Zulieferer sich überraschend lieber auf das Autogeschäft konzentrierte und ein zentrales Bauteil verspätet auslieferte. Diese Entwicklung sei nicht vorhersehbar gewesen, betonte Seidl.
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02.09.2010
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Wie alle anderen Anbieter wird auch Loewe von dem Wandel der Unterhaltungselektronik- und Medienbranche erfasst.
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