Kritik an deutscher Exportmacht

Berlin/Paris.  Der heimischen Exportwirtschaft bläst der Wind ins Gesicht: Weltmeister-Titel weg und jetzt auch noch harsche Kritik aus den Nachbarländern.

Die scharfen Worte aus Paris via Londoner Zeitungsinterview kamen für die Bundesregierung alles andere als überraschend. Die französische Finanzministerin Christine Lagarde sprach schließlich nur das laut aus, was andere Euro-Länder schon seit längerem wurmt: die hohen Exportquoten Deutschlands. Die satten Handelsüberschüsse seien die Folge jahrelanger Niedriglohnpolitik. Das mache Produkte "Made in Germany" im Ausland attraktiver; Deutschland verschaffe sich so Vorteile auf Kosten der Anderen und komme leichter durch die Krise.

Mitnichten, kontert Berlin. Der Staat könne nicht Löhne und Konsum per Dekret festlegen und Unternehmen auffordern, "mehr unattraktive Güter" herzustellen, wird der Ball zurück gespielt. Die Industrie verbittet sich Ermahnungen aus dem Ausland und lobt sich selbst, verweist auf Produktivitätsfortschritte, Qualität und Innovationen.

Der Schlagabtausch zwischen Berlin und Paris macht einen Konflikt deutlich, der schon vor der Griechenland-Krise lange schwelte: Die Ungleichgewichte zwischen starken und schwächeren Euro-Ländern. Etliche hinken in puncto Wettbewerbsfähigkeit hinterher und müssen nun - wie Griechenland - radikal mit Reformen nachziehen.

Tatsache ist, dass Deutschland in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten Weltmarktanteile gewonnen hat, auch weil es die Lohnkosten im europäischen Vergleich gedrückt hat. Reallöhne sowie Arbeitskosten sind kaum oder langsamer gestiegen, als in anderen Euro-Ländern. Das liegt an Reformen, aber auch an einer moderaten Tarifpolitik. Das Mini-Plus bei den Arbeitskosten half Ex-Exportweltmeister Deutschland, seine Wettbewerbsposition in Europa auszubauen.

Kehrseite der Medaille: Die Lohnzurückhaltung ging zulasten der Inlandsnachfrage. Die fiel in Krise und Rezession als Konjunkturmotor aus. Zumal die Kluft zwischen Reichen und Geringverdienern so stark zugenommen hat wie in kaum einem anderen westlichen Staat. Seine Überschüsse erzielt Deutschland vor allem im Euro-Raum.

Früher hatten Wechselkurse Ungleichgewichte ausgeglichen. Mit der Gemeinschaftswährung war Schluss mit einer beständigen Aufwertung, die die deutschen Exporte in der Vergangenheit verteuert hatten. dpa


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16.03.2010

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