Kranich-Linie muss sparen

Frankfurt.  Die Lufthansa leidet zunehmend unter der wirtschaftlich angespannten Lage in Europa. Vorstands-Chef Christoph Franz verpasst der Fluggesellschaft ein weiteres Sparprogramm in Milliardenhöhe.

Weder in der Konzern-Zentrale am Frankfurter Flughafen noch im eigenen Fortbildungsheim in Seeheim im Odenwald war genug Platz: Also trommelte Lufthansa-Chef Christoph Franz gestern mehr als 1000 Manager in eine Halle auf dem Frankfurter Messegelände zusammen. Ein freudiges Treffen war es nicht: Franz erläuterte den Führungskräften die schwierige Lage der Branche und deren Folgen für die Lufthansa. Und vor allem erste Details des neuen Sparprogramms im Volumen von 1,5 Mrd. EUR für die nächsten drei Jahre.

An diesem Kurs geht auch nach Ansicht von Beobachtern kein Weg vorbei: Die Lufthansa verdient zu wenig Geld, um sich weiter in der Spitze der Branche zu halten. Aktuell machen auch ihr die Folgen der Euro-Schuldenkrise zu schaffen. Im ersten Quartal droht ein Betriebsverlust von 300 bis 400 Mio. EUR, sagt Jürgen Pieper, Luftfahrt-Experte beim Bankhaus Metzler.

Zwar ist das erste Vierteljahr für die Airlines das schwierigste, weil weniger geflogen wird. 2012 könnte es noch problematischer werden, da die Krise in Europa das Geschäft bremst. Das Minus bei der Lufthansa könnte doppelt so hoch ausfallen als im ersten Quartal 2011, damals waren es 227 Mio. EUR waren.

Die Situation verdeutlichen Schätzungen des Weltluftfahrtverbandes IATA: Demnach droht den europäischen Fluglinien nach einem Gewinn von etwa 1 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr 2012 im schlimmsten Fall ein Verlust von insgesamt 4,4 Mrd. Dollar. Laufe es einigermaßen, gäbe es immer noch ein Minus von 600 Mio. Dollar.

Die Pleiten der spanischen Spanair, der ungarischen Malev und der deutschen Cirrus Airlines sind nur ein Indiz für die Probleme der Luftfahrtbranche. Dass sich Air Berlin im Dezember die Unterstützung der arabischen Etihad sichern muss, ein weiteres.

Das Hauptproblem für die Lufthansa wie auch ihre wichtigsten europäischen Konkurrenten bleibt Europa. Dort fliegt sie weiter in den roten Zahlen, was Franz einräumt, ohne aber konkrete Zahlen zu nennen. Bei Air France-KLM lagen die Verluste 2011 allein in Europa bei rund 700 Mio. EUR. Im Durchschnitt der vergangenen Jahre habe man nur eine Rendite von 3 Prozent erzielt, klagt der Lufthansa-Chef. Das reiche nicht um in der Champions League mitzuspielen.

Auch das gerade abgeschlossene Sparprogramm, mit dem die Fix-Kosten von 2009 bis 2011 um rund 1 Mrd. EUR gedrückt wurden, hat nur bedingt geholfen. Franz fordert eine operative Rendite von 8 Prozent. Schon 2011 hat er die Zügel angezogen, Lufthansa Italia eingestellt und die verlustträchtige britische BMI verkauft. Jetzt will er dem Vernehmen die Zusammenarbeit der Konzern-Airlines verbessern, Doppelarbeiten abbauen und den Einkauf bündeln.

"Es geht um viel Feinarbeit", sagt Pieper. Mit harten Einschnitten, etwa einem Personalabbau rechnet er nicht. Vermutlich werde es aber einen Einstellungsstopp geben. Vom Sommer an will die Lufthansa von Berlin aus im Deutschland- und Europa-Verkehr erstmals als Flugbegleiter auch günstigere Leiharbeiter einsetzen. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo hat bereits scharf protestiert. Pieper hält dies freilich für einen gangbaren Weg. Das sei immer noch besser, als Verbindungen einzustellen und das Feld Wettbewerber zu überlassen.

Überhaupt bleibt das Verhältnis der Lufthansa zu Ufo schwierig. Während sich die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi im Januar mit der Airline auf einen Tarifvertrag für die 33 000 Boden-Mitarbeiter geeinigt hat, lehnt Ufo den Abschluss von 3,5 Prozent für 13 Monate für die rund 20 000 Flugbegleiter ab.


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Autor: ROLF OBERTREIS | 07.02.2012

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