Konzerne setzen auf nachhaltigen Anbau Schokobranche will Kakao-Nachschub sichern

Düsseldorf.  Fairtrade-Produkte werden in der Schokoladen-Industrie immer wichtiger. Die Großkonzerne wollen mehr für Erzeuger tun - nicht ohne Eigennutz.

Dumpingpreise, miserable Lebensbedingungen, Kinderarbeit - die Produktion von Kakao in Afrika oder Südamerika hinterlässt bei Vertretern des fairen Handels einen bitteren Beigeschmack. Doch in die Süßwarenindustrie ist Bewegung gekommen. Immer mehr Großkonzerne wie Nestle, Mars oder Kraft Foods versuchen, die Situation der Kakaobauern zu verbessern, setzen auf nachhaltigen Anbau oder Fairtrade-Produkte.

Die Branche, die derzeit gerade bei Kakao mit hohen Preisen an den Rohstoffbörsen zu kämpfen hat, will sich damit auch ihren Nachschub absichern. "Wir haben natürlich ein Interesse daran, dass die Ressource Kakao langfristig in ausreichender Menge verfügbar ist und bezahlbar bleibt", sagt Nico Schiller, der Sprecher von Mars Chocolate Deutschland.

Das Ziel der Süßwarenhersteller ist es, bis 2020 den gesamten Kakaobedarf des Unternehmens nur aus sozial und ökologisch nachhaltiger Produktion zu kaufen. Dazu arbeitet der Konzern mit Zertifizierungsorganisationen Rainforst Alliance und UTZ zusammen, die über veränderte Bewirtschaftungspraktiken mehr Effizienz beim Kakao-Anbau vor Ort erreichen wollen.

Die Bauern müssten künftig mindestens die doppelte Menge Kakao pro Hektar erzeugen, ansonsten kämen auf die Industrie große Herausforderungen zu, sagte Schiller. Ähnlich argumentiert auch die Sprecherin des US-Lebensmittelriesen Kraft Foods (Milka, Toblerone), der bis 2012 seine Premium-Marken Côte d"Or und Marabou komplett auf Kakao aus nachhaltigen Produktionen umstellen will. "Wir sind seit 100 Jahren im Kakaogeschäft tätig und wollen das auch noch in den nächsten 100 Jahren sein." Damit ausreichend und qualitativ hochwertiger Kakao zur Verfügung stehe, müssten die Bauern angemessen verdienen und ausgebildet sein.

Die Siegelinitiative Transfair hofft, dass die Konzerne ihre Pläne weiter vorantreiben. "Da ist noch viel Spielraum nach oben", sagt Sprecherin Claudia Brück. Der Marktanteil an fair gehandeltem Kakao in Deutschland liege derzeit bei 1 Prozent. Bei den großen Markenartiklern hätten mit dem Fairtrade-Siegel versehene Produkte Seltenheitswert. Das Besondere an Fairtrade: Im Unterschied zu den stärker ökologisch ausgerichteten Siegeln der Rainforest Alliance bekommen die Produzenten einen fixen Mindestpreis, der - trotz stark schwankender Weltmarktpreise - regelmäßige Einkommen garantiere.


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Autor: DANIELA PEGNA, APN | 19.02.2010

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