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"Kommunikation liegt mir"

Freiheit und Verantwortung: Für Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller sind das zwei Seiten der selben Medaille. Auf dieser Basis führt sie Europas größten Hersteller von Werkzeugmaschinen.

Autor: NIKO FRANK |
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Zurückhaltung, aber klare Linie: Dass dieses Büro knapp bemessen ist, können deckenhohe Fenster, die einen Blick in Richtung Schillerhöhe erlauben, so wenig kaschieren, wie Büromöbel in Minimalausstattung. Edelstahl, Glas, weißer Lack und schwarzes Leder verbreiten Bauhaus-Flair mit einem Schuss Eleganz. Einzig ein stattlicher Blumenstrauß auf dem Besprechungstisch und großformatige moderne Kunst in stattem Blau und Grün setzen farbliche Akzente - ebenso wie Nicola Leibinger-Kammüller selbst mit dunkelgrauem Jackett über beigefarbenem Top.

Bald sieben Jahre steht die älteste Tochter von "Mister Mittelstand", Berthold Leibinger, an der Spitze der Ditzinger Trumpf-Gruppe. Die Verantwortung für mittlerweile rund 9500 Mitarbeiter zu übernehmen, hatte die 53-Jährige in ihrer Lebensplanung "nicht angedacht". Eher schon eine Karriere bei der schreibenden Zunft. Schließlich hatte sie ihren Neigungen folgend Germanistik und Anglistik studiert und dann auch noch Japanologie draufgesattelt und eben nicht Betriebswirtschaft. Am Ende waren es aber dann doch die väterliche Firma, und die Berthold-Leibinger-Stiftung.

Die literaturbegeisterte Chefin des weltweit führenden Herstellers von Lasermaschinen für die Materialbearbeitung bekennt ganz offen, der Gedanke, sie könnte künftig an der Spitze des Ditzinger Familienunternehmens stehen, "kam mir erst, als mich mein Vater fragte". Dabei ist sich die Mutter von vier Kindern ganz sicher, "ich hätte auch Nein sagen können" - ohne, dass dies das gute Verhältnis zu ihrem Vater beeinträchtigt hätte.

Für die zierliche Vorsitzende der Geschäftsführung von Europas größtem Hersteller von Werkzeugmaschinen stand dies freilich nicht wirklich zur Debatte. Denn unternehmerische Freiheiten und Privilegien sind für sie - ganz im Sinne von Max Webers Verantwortungsethik, die neben dem württembergischen Protestantismus ihren moralischen Kompass prägen - untrennbar verbunden mit Pflichten und Verantwortung: "Pflicht kann auch bedeuten, sich einzubringen mit seinen Eigenschaften, die in einer bestimmten Konstellation besonders wichtig sind."

Und die hat es in der Tat in sich: "Mein Mann und mein Bruder sind hervorragende Ingenieure", sagt Leibinger-Kammüller fast schon bewundernd. Der eine, Mathias Kammüller, ist für Produktion und das Werkzeugmaschinengeschäft zuständig, der andere, Peter Leibinger, leitet als Vize-Chef des Unternehmens Forschung und Entwicklung sowie den Geschäftsbereich Lasertechnik. Und "Maschinenbau-Papst" Berthold Leibinger agiert als Aufsichtsratsvorsitzender im Hintergrund.

"Kommunikation liegt mir auch vom Naturell her", sagt die promovierte Philologin. Lacht gleichermaßen offen wie gewinnend und schmunzelt über "je nach Thema wechselnde Allianzen". Sie spricht aber auch über Abgrenzungen. "Dann gibt es schon auch Reibereien. Es ist uns aber immer gelungen, zu einer Einigung zu kommen. Auch wenn man sich mal durchsetzt - das hat mein Vater früher ja auch so gemacht." Entscheidend ist für die Trumpf-Chefin aber immer: "Niemand darf mit einer sichtbaren Niederlage vom Feld gehen."

Ihr "konsensorientierter" Führungsstil ist entscheidend geprägt von Erfahrungen, die sie als junge Frau in Japan machte. Dort hat sie zwei Jahre mit ihrem Mann gelebt, der damals für Bosch arbeitete. "Japan war ganz wichtig, auch für uns als junges Paar. Dort waren wir mit einem Säugling ganz auf uns allein gestellt." Und dann sprudelt ihre Bewunderung für das Land nur so aus ihr heraus: Beeindruckend, die Menschen sehr hilfsbereit, sehr fleißig, die Kunst und die japanischen Gärten wunderbar. Nicht zu vergessen: "Die Hingabe an die Aufgabe bewundernswert." Im Land der aufgehenden Sonne "habe ich viel gelernt", fasst Leibinger-Kammüller zusammen.

Dies gilt eben auch im Blick auf den Umgang mit ihren Mitarbeitern: "Nicht einsam entscheiden, sondern Meinungen einholen, reden und nochmals reden, wie eine gemeinsame Lösung aussehen soll." So bringe man die Mitarbeiter "hinter und nicht gegen sich". Dabei gibt Leibinger-Kammüler unumwunden zu, die "eigene Meinung ziemlich vehement" zu vertreten. "Aber ich lasse mich auch von guten Argumenten überzeugen", ergänzt sie, um im selben Atemzug auch noch - lachend - das Urteil ihrer Kinder anzusprechen: "Intolerant."

Dass bei einem der wichtigsten Maschinenbauer der Republik kein Techniker das Sagen hat, ist für Leibinger-Kammüller "in keiner Weise ein Hindernis". Selbstbewusst setzt sie hinzu, "auch Philologen können wirtschaftliche Interessen bedenken". Für die Top-Ingenieure an ihrer Seite hat sie gleichwohl stets ein offenes Ohr, was sie freilich nicht an dem Hinweis hindert, dass "vieles zu bedenken ist, bis ein Produkt auf den Markt kommt".

Da verwundet es auch nicht, dass der Freundin klassischer Musik selbst im Konzert "gute Ideen kommen". Nur bei Johann Sebastian Bach, der zu den Säulenheiligen der Familie zählt, erlaubt sie sich derlei Abschweifungen nicht. So gesehen liegt Leibinger-Kammüllers Mann wohl richtig, den sie so zitiert: "Er sagt, ich bin eine Perfektionistin."

Ansonsten stellt die begeisterte Unternehmerin persönliche Interessen bewusst zurück. Denn auch so ist die Zeit für die Familie "sehr knapp". Um so mehr freut sie sich, dass sie ihre Kinder wenigstens im Urlaub mehr sehen kann.

Dass ihr Familie wichtig ist, zeigt sich nicht nur am Arbeitszeitmodell von Trumpf, das es "Männern wie Frauen gleichermaßen erlaubt, Familie und Beruf immer wieder neu nach der jeweiligen Lebenssituation auszutarieren" - und zwar ohne Beeinträchtigung von Karriere-Chancen. Das spiegelt sich auch darin, dass die Trumpf-Chefin, die selbst ganz bewusst Handys links liegen lässt, von ihren Mitarbeitern nicht erwartet, dass diese auch am Wochenende ihre Mails abrufen.

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