Keine Spur von Großspurigkeit

Bietigheim-Bissingen.  Fast hätte er als Schwimmer an den Olympischen Spielen teilgenommen. Mit Olymp, dem Hemden-Hersteller, hat Mark Bezner aber inzwischen das Siegerpodest bestiegen. Viel Aufhebens macht er davon nicht.

Mark Bezner hat so gar nichts Großspuriges an sich. In dem gut einstündigen Gespräch, das sich hauptsächlich um seine Person als Unternehmer drehen soll, weist er weder darauf hin, dass er schon wiederholt zum Manager des Jahres in der Bekleidungsindustrie gewählt wurde. Auch die Umsatzentwicklung seines Unternehmens Olymp streicht er nicht besonders heraus. Dabei zeigt die Kurve in den vergangenen zehn Jahren steil nach oben. Olymp, der Bietigheimer Hersteller von Hemden und Krawatten für den Geschäftsmann, ist in seiner Preisklasse mit einem Anteil von 25 Prozent längst zum Marktführer geworden. Sieben Millionen Stück sind im vergangenen Jahr verkauft worden.

Vor zehn Jahren ist er in das Unternehmen eingestiegen, das sein Großvater nach dem Krieg aus dem Nichts heraus auf- und sein Vater Eberhard (75) dann ausgebaut hat. Als Sohn ist Mark Bezner hineingewachsen in seine Aufgabe, ohne dass er dazu gedrängt worden wäre. Hätte er Arzt werden wollen, Vater Eberhard hätte es ihm nicht auszureden versucht, sagt er. Umso besser natürlich, dass der junge Mann nie richtige Zweifel an seiner beruflichen Zukunft hatte. "Schon als Kind bin ich gerne in die Firma gegangen", sagt er. "Wenn man so aufwächst, bekommt man ein Gespür für die Firma und dafür, was es bedeutet, Unternehmer zu sein."

Da war es nur folgerichtig, dass er sein Abitur am Wirtschaftsgymnasium in Bietigheim machte. 1982 war das und der junge Mark Bezner war - auch das erwähnt er nicht im Gespräch - Mitglied der deutschen Schwimm-Nationalmannschaft. Ja, 15 Jahre lang habe er Hochleistungssport gemacht. Auch heute noch geht er im Sommer in der Mittagspause ins Schwimmbad und spult ein paar Runden herunter, als Ausgleich und um sich fit zu fühlen.

Für die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles hat es nicht ganz gelangt, auch wenn der Schwimmer aus Germany dort im Vorfeld trainierte. Nicht ganz ohne Folgen: Er schrieb sich in der kalifornischen Metropole an der Universität für Wirtschaftswissenschaft - Schwerpunkt Marketing und Finanzen - ein, um das Studium drei Jahre später mit Auszeichnung zu beenden.

Der Erfolg bei Mode hat nicht wenig mit Markenbildung zu tun. Was Mark Bezner diesbTermin wegen ezüglich in den USA lernte, hat später Eingang gefunden bei Olymp - auch wenn man die amerikanische Marketing-Mentalität nicht einfach übernehmen könne, sagt er. Heute gibt Olymp zwischen 4 und 5 Prozent seines Umsatzes für Messe- und Kundenbesuche, für jährlich zwei aufwändige Kataloge oder andere Formen von Reklame aus. Anzeigen in großen Printmedien, die der Businessmann liest - oder seine Frau, die die Hemden und Krawatten für ihn aussucht - zählen auch dazu.

Marketing kann nur erfolgreich sein, wenn die Qualität der Ware stimmt. Daran hat der Einzelhandel keinen Zweifel. In entsprechenden Befragungen hat er Olymp wiederholt beste Noten vergeben. Lieferpünktlichkeit, Verlässlichkeit und natürlich Qualität fallen dem Firmenchef als Erstes bei der Frage nach den Voraussetzungen der olympschen Erfolgsgeschichte ein. Die Reklamationsquote der Einzelhändler tendiert gegen Null.

Vor und während seiner Studienzeit hat Bezner im Unternehmen und bei seinen Zulieferern gearbeitet, auch ein Praktikum bei einer Bank gemacht. So gut er auf der Universität war, er sieht sich doch eher als ein Mann der Praxis. Die dreieinhalb Jahre, die er bei der Deutschland-Niederlassung von Procter & Gamble gearbeitet hat, waren für ihn die besten Lehrjahre.

Die Herstellung von Hemden ist ein personalintensives Geschäft. Deshalb produziert Olymp nicht in Deutschland. Vater Eberhard Bezner hat schon vor Jahrzehnten begonnen, Standorte und Tochterunternehmen aufzubauen, zuerst in Osteuropa, später in Asien. Aus der Begegnung mit den örtlichen Arbeitsbedingungen sind soziale Projekte entstanden - in Burma etwa und in Thailand. Und auch in Brasilien. Die Liebe zu diesem großen Land hat bei Mark Bezner keine geschäftlichen, sondern private Wurzeln. Seine Frau ist Brasilianerin. Kennengelernt hat er sie aber nicht in Sao Paulo, sondern in Stuttgart, wo sie als Zahnärztin arbeitete.

Vor zwei Jahren hat die Familie Bezner mit einer Million Euro aus dem Privatvermögen eine Stiftung gegründet, die diese karitativen Einrichtungen für die Zukunft sichern. Bezners Schwiegereltern betreuen das brasilianische Projekt mit.

Auch darüber würde er kein größeres Aufheben machen. Gute Qualität der Arbeit und der Arbeitsplätze auch und gerade in den ärmeren Ländern - das scheint für ihn eine Selbstverständlichkeit und eine moralische Verpflichtung zu sein. Familienunternehmen verbindet er untrennbar mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit.

Und mit dem der eigenen Familie. Das gemeinsame Abendessen ist für ihn ein Fixpunkt nach den elf, zwölf Stunden, die er tagsüber im Büro ist. Am Wochenende stehen zwar ab und an betriebliche Verpflichtungen an, der Schwerpunkt aber ist und soll die Familie mit Frau und den vier Kindern sein.



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Autor: HELMUT SCHNEIDER | 20.03.2010

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