Kälte lässt Mieter schwitzen

Berlin.  Die klirrende Kälte und steigende Energiepreise insbesondere für Heizöl machen die warme Wohnung zu einer teueren Sache. Geringverdiener bekommen nur Hilfe, wenn sie Hartz IV beziehen.

20 bis 22 Grad Celsius warm muss es in der Wohnung auch dann sein, wenn draußen sibirische Kälte wie im Moment herrscht. Die Bescherung dürften die meisten Mieter erst im nächsten Jahr bei der Heizkostenabrechnung erleben: Fällt die Außentemperatur von null auf minus 20 Grad, kann das die Heizkosten verdoppeln, schätzen Energieberater. Zudem wurde insbesondere Heizöl kräftig teurer.

Der Vermieter ist dafür verantwortlich, dass die Heizung jederzeit die Mindesttemperatur schafft. Nur zwischen 24 und 6 Uhr reichen laut Deutschem Mieterbund bei einer Nachtabsenkung auch 18 Grad. Wird es nicht so warm, sollten Mieter ihrem Vermieter Dampf machen und eine kurze Frist zur Nachbesserung geben. Ansonsten können sie die Miete mindern - um bis zu 20 Prozent, wenn es nur maximal 20 Grad warm wird. Bei völligem Heizungsausfall und Minusgraden sind sogar 100 Prozent oder die fristlose Kündigung möglich. Auch ohne Kälterekorde wird die warme Wohnung immer mehr zu einem Luxusgut, insbesondere wenn mit Öl geheizt wird. Weil die Rohölpreise explodieren, dürften die Kosten 2011 um 25 Prozent gestiegen sein, schätzt der Mieterbund. Dabei gab es schon im Jahr zuvor einen Preisschub von rund 35 Prozent. Deutlich günstiger sind Erdgas, das 2011 nur um etwa 8 Prozent teurer wurde, und Fernwärme mit einer Steigerung um 7 Prozent.

Durch diese sehr unterschiedliche Entwicklung ist nicht mehr, wie lange Zeit, Fernwärme die teuerste Heizungsart, sondern Öl. Das kostete im letzten Jahr für eine 70-Quadratmeter-Wohnung im Schnitt 1063 EUR, schätzt der Mieterbund. Gas ist mit 869 EUR um 18 Prozent billiger, Fernwärme mit 942 EUR um 11 Prozent. Eine energetische Sanierung des Hauses kann die laufenden Kosten allerdings kräftig reduzieren.

Die Entwicklung der Gaspreise zeigt, dass die einstige Koppelung an den Ölpreis längst nicht mehr wirksam ist. Mehr Wettbewerb auf dem Gasmarkt hat positive Folgen, erklärt das Jürgen Scheurer vom Internetvergleichsportal Verivox: Die großen Anbieter sind zwar an ihre langfristigen Lieferverträge gebunden. Doch Discounter und Händler kaufen auf dem freien Markt ein und profitieren von den deutlich niedrigeren Preisen. Daher lohnt der Vergleich: Die 20 000 Kilowattstunden, die ein Reihenhaus etwa braucht, kosten im Grundtarif des örtlichen Versorgers aktuell im Schnitt 1466 EUR. Die gleiche Menge ist beim günstigsten Anbieter ohne Vorauskasse schon für 1028 EUR zu haben. Dabei muss keiner befürchten, dass er im Kalten sitzt, wenn der Lieferant Pleite macht: Dann muss der örtliche Versorger einspringen.

Geringverdienern, die sich die Heizkosten nicht mehr leisten können, greift der Staat selten unter die Arme: Nur Hartz-IV-Empfänger bekommen von den Kommunen neben der Miete auch die Heizkosten ersetzt. Meist geschieht dies mit Pauschalbeträgen, obwohl sie eigentlich die tatsächlichen Kosten erstatten müssten, klagt der Mieterbund. Die 850 000 Empfänger von Wohngeld gehen dagegen ganz leer aus: Die erst 2009 eingeführte pauschale Heizkostenzulage wurde Anfang letzten Jahres wieder gestrichen als Beitrag des Bundesbauministeriums zum Sparpaket. Minister Peter Raumsauer (CSU) hatte dies angesichts sinkender Heizkosten für akzeptabel gehalten. Derzeit gibt es nach Angaben eines Ministeriumssprechers keine Überlegungen, dies rückgängig zu machen.


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Autor: DIETER KELLER | 08.02.2012

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