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Hoffnung Türkei

Baden-württembergische Firmen wollen mit ihren Leistungen in der Türkei punkten. Auf einer Kontaktbörse können sie mit türkischen Partnern ins Gespräch kommen. "Hohe deutsche Qualität" ist wichtig.

ÖZLEM YILMAZER, DPA | 0 Meinungen

Das Bild erinnert an das "Speed-Dating" für Singles: Mehrere Tische sind aufgebaut, im Wechsel lernen sich Menschen näher kennen und schauen, ob es funkt. Doch auf dem Istanbuler Messegelände geht es nicht um Liebschaften, sondern um Firmenpartnerschaften. Auf der Kontaktbörse sollen sich baden-württembergische und türkische Unternehmer näher kommen.

"Dass wir jetzt in noch intensivere Kontakte eintreten wollen, hat damit zu tun, dass wir beobachten, wie verheißungsvoll sich die türkische Wirtschaft entwickelt", sagt der baden-württembergische Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) zur Eröffnung. Gemeinsam mit einer 60-köpfigen Delegation aus Wirtschaft und Politik ist der Minister seit Mittwoch in der Türkei, um die Beziehungen zu vertiefen. Eine erste Börse gab es bereits zum Auftakt in Izmir.

Jörg Nubert ist Geschäftsführer der Firma Piller Entgrattechnik in Ditzingen nahe Stuttgart. Er ist gut vorbereitet, wie auch sein Gegenüber. "Hier bewegt sich unglaublich viel und es gibt Potenzial für uns", sagt Nubert, der einen türkischen Handelsvertreter sucht und bereits gute Kontakte in Istanbul knüpfen konnte. Er sieht rosige Zeiten auf seine Produkte für die Automobilindustrie zukommen. Die schwäbische Firma mit 75 Mitarbeitern liefert Anlagen, die sicherheitskritische Bauteile in KFZ-Motoren entgraten, also verbessern. Nach Angaben der türkischen Agentur Ispat für Investitionsförderung will die Türkei in den nächsten fünf Jahren 2 Mio. Autos produzieren.

Bisher gibt es in der Türkei etwa 5000 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung; in den 90ern lag die Zahl bei etwa 500. Viele große Firmen wie Daimler, Bosch und Siemens Hausgeräte sind schon seit Jahren aktiv. 2012 lag das deutsch-türkische Handelsvolumen bei 32 Mrd. EUR. Auf den Handel Baden-Württembergs mit der Türkei fällt ein Volumen von etwa 4,5 Mrd. EUR, gut 2,8 Mrd. EUR sind deutsche Exporte.

Gerade in den Istanbuler Einkaufsmeilen sind deutsche Marken und Firmen in den vergangenen Jahren immer mehr präsent, von Tchibo-Filialen bis zu Deichmann-Schuhgeschäften, um nur zwei Beispiele zu nennen. In einer Arztpraxis liegt sogar ein Prospekt der Drogeriemarktkette Rossmann aus, das Zahnpflegeprodukte bewirbt. "Üstün Alman Kalitesi" - "Hohe deutsche Qualität" steht auf schwarz-rot-goldenem Hintergrund.

Doch gerade der deutsche Mittelstand mit seinen kleinen und mittleren Firmen traut sich bislang nicht so recht an enge Geschäftskontakte mit dem Land, das Asien und Europa verbindet. Das will das Wirtschaftsministerium gemeinsam mit den Baden-Württembergischen Handels- und Handwerkskammern ändern.

Die meisten türkischen Ausfuhren gehen derzeit nach Deutschland, und bei den Importen in die Türkei stand Deutschland bislang immer an der Spitze. Doch jetzt kommt zunehmend Konkurrenz aus Russland und China, wie die Januar-Außenhandelszahlen des türkischen Statistikamtes Tüik zeigen. Ein Grund ist der gigantische Energiebedarf des dynamisch wachsenden Landes, der aus Russland gedeckt wird.

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