Experte Lars Reppesgaard: Google will alles wissen

Warum kauft Google ein Unternehmen, das Kampf-Roboter herstellt? Lars Reppesgaard glaubt den Grund zu kennen. Der Experte findet kritische Worte für das Verhalten des Internet-Giganten.

THOMAS VEITINGER |

Google verfolgt das Ziel, "Informationen der Welt zu organisieren und allgemein zugänglich und nützlich zu machen". Stimmt das?
LARS REPPESGAARD: Das beschreibt ziemlich genau, was Google will. Die Aussage wird nur oft nicht ernst genommen. Google geht es auch darum, Analoges wie Bücher, Ansichten von Häusern oder Informationen über das menschliche Genom zugänglich zu machen.

Wieso kauft das Unternehmen dann einen Roboter-Hersteller, der für das US-Militär arbeitete?
REPPESGAARD: Es gibt ein grundsätzliches Interesse der technikbegeisterten Chefs von Google an lernenden Maschinen und dem Thema Künstliche Intelligenz. Daran, was Maschinen autonom können. Eine allwissende Maschine zu bauen, ist für sie eine faszinierende Aufgabe und kein Science Fiction.

Hinter all den vielen Gebieten wie Gesundheit, auf denen sich Google engagiert, steckt kein großer Plan?
REPPESGAARD: Nein, an den Google-Masterplan glaube ich nicht. Vieles sind Projekte von Technologie-Freaks. So hat Chef Eric Schmidt einmal gesagt, alle Informationen dieser Welt zu sammeln, dauere 300 Jahre. Ich finde es beachtlich, dass sich jemand die Arbeit gemacht hat, so eine Kalkulation anzustellen. Das spricht für langfristiges Denken. Das Unternehmen achtet darauf, dass es nicht unterfinanziert ist, aber das schnelle Geld steht nicht an erster Stelle.

Google verdiente 2,5 Mrd. EUR - allein in den letzten drei Monaten 2013. Und besitzt Geldreserven von fast 44 Mrd. EUR. Und das alles nur zum Spaß?
REPPESGAARD: Nein, aber Google ist nicht geldgierig.

Die EU findet eine Kartellstrafe gerechtfertigt, weil Konkurrenten in Trefferlisten der Suchmaschine weit abgeschlagen auftauchen.
REPPESGAARD: Der Verdacht ist gerechtfertigt. Es gibt viele Unternehmen, die etwa bei der Suche nach günstigen Flügen mit Googleangebot konkurrieren und sich fragen, warum sie abgestraft werden. Wollte Google den Verdacht des Eigeninteresses zerstreuen, müsste es auf eigene Angebote verzichten.

Ein vielzitierter Leitsatz des Internetkonzerns heißt: "Sei nicht böse!" Hält er sich daran?
REPPESGAARD: Es ist ein ernst gemeintes Motto, das sich Google früh gegeben hat. Der Spruch hat dem Unternehmen beim Wachsen sicher nicht geschadet. Aber mittlerweile darf an der Richtigkeit gezweifelt werden. Da gab es etwa das Kleinbeigeben gegenüber Zensurwünschen in China. Daten werden auf nicht sehr faire und offene Art gesammelt. Kleine Unternehmer beklagen sich über intransparente Praktiken bei Onlinewerbung. Ich würde den Leitsatz heute keinesfalls unterschreiben.

Google besitzt bei der Internet-Suche oder Online-Werbung fast ein Monopol. Ein Fall fürs Kartellamt?
REPPESGAARD: Google kann auch nichts dafür, dass alle über Google suchen. Vor allem gibt es wenige Beschwerden und Kläger. Ich glaube nicht, dass das Kartellamt Möglichkeiten hätte, gegen den Konzern vorzugehen.

Aber vielleicht bald. Was für ein Unternehmen wird Google in 5 oder 15 Jahren sein?
REPPESGAARD: 15 Jahre ist fast unmöglich vorauszusagen. In naher Zukunft wird Google größer sein, weil es sehr viel sehr richtig macht. So verschenkt es Sachen und zieht dann später die Zügel an, indem es Nutzungsbedingungen ändert. Derzeit gelingt es, mit Software in Autos reinzukommen. In einigen Jahren könnten sie dann Bedingungen diktieren. Das kostenlose Handy-Betriebssystem Android wird weiter stark zulegen. Google ist ein großes Unternehmen, handelt aber oft noch wie ein Start-Up, indem es viel ausprobiert und sich von ineffektiven Produkten konsequent trennt. Apple wird dagegen unwichtiger, weil es snobistisch an teuren Geräten festhält.

Also wird Google größer und größer und übernimmt eines Tages die Weltherrschaft?
REPPESGAARD: Irgendwann wird ein Unternehmen kommen, das technologisch noch besser ist. Vielleicht wird jemand einen Gedankenverbesserungschip auf den Markt bringen oder eine andere gigantische Neuerung, die alles Dagewesene in den Schatten stellt. Dann könnte auch die Zeit von Google ablaufen. Google ist nicht unfehlbar. Den Handy-Hersteller Motorola etwa hat Google gekauft und nicht damit gerechnet, dass man das Hardware-Geschäft nicht in den Griff bekommt. Das war sehr teuer.

Welche Suchmaschine nutzen Sie?
REPPESGAARD: Doch meist Google. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Die deutsche Suche ,Metager" ist gut, aber die Oberfläche wahnsinnig unsexy.

Zur Person
Lars Reppesgaard, Jahrgang 1969, ist Senior Consultant beim Hamburger Beratungsunternehmen "doubleYUU". Der ehemalige Wirtschaftsjournalist beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren als Autor und Experte mit digitalen Transformationsprozessen und ist Verfasser des Buches "Das Google-Imperium". Der gebürtige Norweger studierte Anglistik und Geschichte in Hannover und arbeitete anschließend zunächst bei Radio Bremen, bevor ihn die Dot.com-Welle im Jahr 2000 nach Hamburg spülte. Dort spielt er heute noch immer leidenschaftlich gerne Fußball bei den Alten Herren des FC St. Pauli.
 

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