Erste Autozulieferer spüren VW-Krise

Die schlechten Nachrichten in der VW-Krise reißen nicht ab: Erste Autozulieferer bleiben auf Teilen sitzen. Das Vertrauen gegenüber VW schrumpft.

DPA/AFP |

Es dauerte nur wenige Tage, bis der Aufruhr um manipulierte Abgaswerte von Volkswagen-Dieselmotoren bei den Zulieferern ankam. "Stückzahlen werden nicht abgerufen", sagt eine Sprecherin von Mann + Hummel. Der Hersteller von Spezialfiltern mit Sitz in Ludwigsburg lieferte ihren Angaben zufolge Kraftstoff- und Luftfilter für die betroffenen Dieselmotoren von Volkswagen. Nun bleibt er auf den Teilen sitzen.

Die Vertragsverhältnisse im Autozulieferergeschäft sind hart: Braucht der Hersteller die bestellten Teile nicht, bezahlt er auch nicht. Nur für bereits produzierte Teile und noch nicht ausgelieferte Teile gebe es einen "Verhandlungsspielraum", sagt die Mann + Hummel-Sprecherin. Das könne Geld sein, aber auch Ausgleichslieferungen für andere Fahrzeuge.

Volkswagen hatte wegen des Dieselskandals teilweise die Produktion an einzelnen Standorten zurückgefahren und Sonderschichten gestrichen. Betroffen sind die Werke in Salzgitter, Puebla (Mexiko) und Polkowice (Polen). Die Produktion unter der Woche laufe auf normalem Niveau weiter, so ein Konzernsprecher. Doch die Kapazität ist gedrosselt.

Und das bleibt nicht ohne Auswirkungen für die Lieferanten. Laut einer Analyse des "Handelsblatts" mit Hilfe des Finanzdatenspezialisten Bloomberg sind mehr als 200 Unternehmen weltweit von VW abhängig, weil sie direkt Geschäfte mit dem größten europäischen Autobauer machen.

Noch will man in der Zuliefererbranche aber keine Schreckensszenarien heraufbeschwören. Frank Schwope, Auto-Analyst der NordLB, erwartet aber allein für Volkswagen einen Absatzrückgang von 1 bis 4 Prozent. Daimler und BMW könnten der VW-Tochter Audi seiner Einschätzung nach sogar Marktanteile abjagen.

Währenddessen haben die Verkehrsminister der Länder an die Bundesregierung appelliert, die Manipulationsvorwürfe bei VW aufzuklären und Rechtsverstöße konsequent zu ahnden.

90 Prozent der Bundesbürger sagten in einer von Greenpeace in Auftrag gegebenen Umfrage von TNS Emnid, sie wären dafür, dass Abgas- und Verbrauchswerte unter realen Bedingungen gemessen würden. Wie aus einer aktuellen und repräsentativen Studie des Verbandes der Kommunikationsagenturen GPRA hervorgeht, vertrauen nur noch 43 Prozent der Befragten dem Wolfsburger Konzern.

Als Reaktion auf die Abgasaffäre will VW einem Bericht zufolge einen neuen Vorstandsbereich schaffen, der Gesetzesverstöße in Zukunft verhindern soll.

Der US-Bundesstaat Texas verklagt die Landesgesellschaften von Audi und VW wegen des Verstoßes gegen Verbraucherschutz- und Umweltgesetze. Ende September hatte bereits der texanische Landkreis Harris Counts VW verklagt.

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