Entwicklungsfonds für Afrika

Frankfurt.  Um der Wirtschaft in Nordafrika und im Nahen Osten auf die Beine zu helfen, legt die Bundesregierung mit der Europäischen Kommission zusammen einen Entwicklungsfonds namens Sanad auf.

Das Entwicklungsministerium (BMZ) und die bundeseigene KfW-Bankengruppe wollen die wirtschaftliche Entwicklung und besonders Klein- und mittelgroßen Unternehmen sowie Existenzgründern nach dem Umbruch in Nordafrika und den Nahem Osten noch in diesem Jahr stützen. Dazu legen sie zusammen mit der Europäischen Kommission den Finanzfonds Sanad auf, der Kredite an Banken in der Region vergibt. Davon sollen Kleinunternehmen profitieren.

Noch im August sollen die ersten Kreditverträge geschlossen werden. Sanad orientiert sich am EFSE-Fonds, der vor zehn Jahren für den Balkan aufgelegt wurde und mit dessen Krediten bislang rund 260 000 neue Jobs geschaffen wurden.

In einer ersten Phase zielt der Fonds, wie Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) und KfW-Vorstandsmitglied Norbert Kloppenburg in Frankfurt sagten, auf Ägypten, Jordanien, den Libanon, Tunesien, Marokko und die palästinensischen Gebiete. Sobald es dort stabile politische Verhältnisse mit demokratischen Perspektiven gebe, könnte das Engagement auch auf den Jemen und Syrien ausgeweitet werden, sagte er.

Ausgestattet ist Sanad - das arabische Wort für Hilfe - zunächst mit 30 Mio. EUR. Der deutsche Beitrag aus dem BMZ-Etat beträgt 20 Mio. EUR, die Europäische Kommission gibt 10 Mio. EUR. Angestrebt wird ein Volumen von 100 Mio. EUR. Dazu verhandelt die KfW bereits mit großen privaten Investoren über eine Beteiligung. "Angesichts der aktuellen Börsenturbulenzen ist das eine attraktive Anlage", sagt Minister Niebel. Die Verzinsung soll bei mindestens 2 Prozent liegen, die Risikoabsicherung übernimmt in erster Linie die öffentliche Hand.

Der Bedarf nach Kleinkrediten von bis zu 5000 EUR in der Region ist groß. Laut Kloppenburg konzentrieren sich die Banken dort auf größere Unternehmen. Daneben gibt es nur wenige Mikro-Kredit-Institutionen. Daher sollen die Banken mit Mitteln aus dem Fonds auch für die Kreditvergabe an kleine und mittlere Firmen geschult werden. Kloppenburg rechnet durch den Anstoß von Sanad mittelfristig mit der Ausreichung von mindestens 150 000 Krediten in den beteiligten Ländern. Damit könnten ebenso viele Arbeitsplätze geschaffen werden.

Laut Kloppenburg reicht das Fondsvolumen von 30 Mio. EUR pro Jahr für das doppelte Kreditvolumen. Denn die Kleindarlehen laufen meist nur sechs Monate. Dabei strebt der vom auf Entwicklungsländer spezialisierte Frankfurter Finanzdienstleister "Finance in Motion" und von der Privatbank Sal. Oppenheim gemanagte Fonds marktübliche Zinsen an. Subventionen soll es laut Niebel nicht geben.


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Autor: ROLF OBERTREIS | 22.08.2011

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