Die Tricks von Booking.com

Booking.com ist in Deutschland die meist genutzte Online-Plattform für Hotelbuchungen. Doch die Liste an Kritikpunktten von Verbraucherschützern, Kunden und Hoteliers ist lang.

ALEXANDER BÖGELEIN | 3 Meinungen

Tanja Krapp bucht fast alle ihre Hotelurlaube über die Online-Plattform Booking.com. Auch an diesem Wochenende, das sie mit ihrem Mann in Köln verbringt. Das Portal weist pro Nacht 110,52 EUR für das Doppelzimmer aus. Weil die 39-Jährige von einem Kollegen auf die Tricks des holländischen Vermittlers hingewiesen worden ist, schaut sie auf der Homepage des Hotels nach. Da gibt das Zimmer für 105 EUR. Bei Ihrem Kollegen betrug die Differenz pro Nacht sogar 30 EUR. "Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Da wird dir vorgegaukelt, dass die Zimmer auf Booking.com viel günstiger sind - und Du wirst veräppelt", sagt die Stuttgarterin.

So wie ihr geht es vielen Verbrauchern. Denn das Unternehmen kommt bei Online-Buchungen in Deutschland auf einen Marktanteil von fast zwei Dritteln, schätzt Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des Hotelverbands Deutschland (IHA), der Booking.com kritisch sieht. Deutsches Recht gegenüber dem holländischen Anbieter durchzusetzen, sei schwierig. Das Unternehmen spiele immer wieder auf Zeit, sagt Luthe und nennt ein Beispiel. Die Angaben bei der Hoteltrefferliste "nur noch ein Zimmer verfügbar" führten Verbraucher lange Zeit in die Irre. Nach langem Kampf steht in der deutschen Fassung des Portals: "Nur noch 1 Zimmer auf unserer Seite verfügbar".

Auch bei der sogenannten "Bestpreisklausel" zeigt sich Booking.com hartnäckig. Diese behindert nach Auffassung des Bundeskartellamts den Wettbewerb. Ein Buchungsportal darf daher Hotels nicht vertraglich dazu verpflichten, ihm den jeweils günstigsten Preis anzubieten. Deswegen musste der Anbieter HRS diese Klausel streichen. Booking.com erhielt von den Wettbewerbshütern eine Abmahnung. Dennoch zögern die Holländer mit der rückhaltlosen Umsetzung dieser Forderung.

Auch bei der Stiftung Warentest bekam das Portal keine gute Noten. Die Verbraucherschützer kritisieren: Es sei unklar für die Nutzer, nach welchen Kriterien die Trefferliste sortiert wird. Verbraucher, die ein Hotelzimmer suchen, erhalten zunächst eine Auswahl, die Booking.com empfiehlt.

Was es damit auf sich hat, erklärt Markus Luthe: Wer oben in der Trefferliste stehe, sei oft bereit, eine höhere Provision für die Vermittlung zu bezahlen. Normalerweise verlange Booking.com zwischen 12 und 18 Prozent des Zimmerpreises für seine Vermittlungsdienste. Hotels, die nicht ausgelastet sind, seien bereit ein noch höherer Satz zu bezahlen. "Der reale Kommissionssatz dürfte mehr als 20 Prozent des Zimmerpreises betragen", sagt der IHA-Hauptgeschäftsführer. Damit zahlen die Hoteliers einen hohen Preis dafür, dass sie über die Buchungsportale potenzielle Kunden erreichen, die sie mit eigenen Mitteln nicht gewinnen würden. Laut Luthe kommen Hotels an diesen Portalen nicht mehr vorbei. Wenn ein Haus ein Fünftel seiner Buchungen auf diese Art bekomme, würden diese Umsätze darüber entscheiden, ob ein Hotel die Gewinnzone erreiche oder Verluste schreibe.

Doch die unfairen Praktiken von Booking.com gehen noch weiter. Der Frankfurter Korrespondent dieser Zeitung war im Spätsommer ins Ötztal gefahren. Bei der Buchung über Booking.com bezahlte er für ein Doppel-Zimmer in einer Pension mit Frühstück 82 EUR, laut Preisliste im Zimmer wären nur 52 EUR fällig gewesen. Seine Beschwerde bei der Wirtin brachte nichts, ebenso wenig wie bei Booking.com.

"Doch es kommt noch dreister", erzählt er. Als Booking.com ein paar Tage später um eine Bewertung des Aufenthaltes bittet, schreibt er seine Erfahrung auf: Gutes Zimmer, gute Lage, Frühstück in Ordnung, wertet er als positiv. Er schildert aber auch die Preisdifferenz und das Verhalten der Wirtin und von Booking.com. Daher vergibt er nur eine durchschnittliche Bewertung. Diese schaltet das Portal frei und schreibt "Zu dieser Bewertung gibt es keinen Kommentar". "Booking.com hat die komplette Begründung des Gastes gestrichen - ohne Rücksprache. Wie dreist manipulieren Booking.com und andere Internet-Buchungsportale die Bewertungen?", fragt er sich. Auf eine schriftliche Anfrage der SÜDWEST PRESSE reagierte Booking.com nicht.

IHA-Hauptgeschäftsführer Luthe rät Verbrauchern im Umgang mit Online-Portalen dieses Vorgehen: "Kunden können sich dort eine Unterkunft suchen. Aber sie machen einen Fehler, wenn Sie nicht auf die Internetseite des Hotels schauen oder dort anrufen."

Gute Anbieter

Test Bei der Untersuchung der Stiftung Warentest kam HRS (Abkürzung für Hotel Reservation Service Robert Ragge GmbH) mit Sitz in Köln auf Platz eins. Kaum schlechter seien Expedia und Hotels.com. Bei den Portalen für Ferienwohnungen und -häuser führt der Anbieter Casamundo die Rangliste an. Dahinter kommen auf den Plätzen zwei und drei Holiday Insider und Atraveo. "Von den Privatzimmer-Portalen schneidet 9flats.com gut ab. Das Portal ist auch der einzige Anbieter von Privatunterkünften, bei dem die Urlauber die Mehrzahl der angebotenen Objekte direkt buchen können", schreibt die Stiftung Warentest in ihrem Fazit. Die Untersuchung der Onlineportale für Ferienunterkünfte gibt es im Septemberheft und zum kostenpflichtigen Download unter www.test.de.

 

3 Kommentare

30.10.2015 09:27 Uhr

Internet vs. Reisebüro

Ich arbeite in einem Reisebüro und wir machen die Erfahrung, dass wir mit unseren Buchungssystemen öfters bessere Preise finden können bzw. verhandeln wir für den Kunden direkt mit dem Hotel um den gleichen Preis wie das Onlineportal zu bekommen. Dieser Service wird sehr positiv von unseren Kunden aufgenommen und ist für uns und den Hotelier ist es eine Win-Win Situation. Und der Kunde hat seinen direkten Ansprechpartner seines Vertrauens.

Antworten Kommentar melden lädt ... nicht eingeloggt Gefällt mir noch nicht bewertet Gefällt mir nicht mehr schon bewertet ()

26.10.2015 17:33 Uhr

booking.com

Die Provision von booking.com wird von den meisten Hotels auf den Preis aufgeschlagen, denn warum soll das Hotel die Bequemlichkeit des Buchenden zahlen, er kann ja direkt im Hotel buchen.
Es hat sich ja bei einigen Gästen so eingebrannt das sie meinen sie müssen über ein Portal buchen, das hat die Werbung den Gästen mittlerweile einsuggeriert.

Antworten Kommentar melden lädt ... nicht eingeloggt Gefällt mir noch nicht bewertet Gefällt mir nicht mehr schon bewertet ()

26.10.2015 14:05 Uhr

Portal

Warum muss man denn auch Heute alles über Portale machen, wenn die Leute keine Zeit dazu haben, oder keine Lust aus Bequemlichkeit direkt die Seiten des gewünschten im Netz zu suchen und dann direkt zu buchen, dann haben sie eben Pech gehabt, wenn es hinterher teurer war. Die Portale wollen auch verdienen, von irgend wo muss das Geld ja kommen.

Antworten Kommentar melden lädt ... nicht eingeloggt Gefällt mir noch nicht bewertet Gefällt mir nicht mehr schon bewertet ()

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Zum Schluss

Mainz feiert Karneval im Mai

Karneval in Mainz - diesmal nicht im Februar sondern im Mai.

Die Mainzer lassen sich das Feiern nicht nehmen. Mit 77 Zugnummern und 2222 Teilnehmern holen sie am Muttertag die Fastnacht nach. Doch nicht alle sind damit einverstanden. mehr

YouTube-Star Moritz Garth ...

Justin Bieber war der erste, der noch nicht ganz so bekannte Moritz Garth will ihm folgen. Musiker, die auf der Onlineplattform Youtube Erfolge feiern, wagen sich auch in die richtigen Charts vor. mehr

Schells Witwe ist schwanger

Iva Schell erwartet ihr erstes Kind.

Die Witwe des vor zwei Jahren gestorbenen Schauspielers Maximilian Schell, die Operettensängerin Iva Schell (37), erwartet ihr erstes Kind. mehr