Die Probleme der Superjets

New York/Paris.  Moderne Flugzeuge sind leiser, komfortabler und verbrauchen weniger Sprit als alte Maschinen. Doch sie sorgen auch für jede Menge Ärger. Airbus und Boeing schlagen sich mit Problemen herum.

Ist der Flugzeugbau zu komplex geworden? Beim doppelstöckigen Airbus A380 finden sich Risse in Tragflächen-Teilen, beim Langstreckenflieger "Dreamliner" muss Boeing am Rumpf nachbessern. Auffällig ist: Alle großen Neuentwicklungen der vergangenen Jahren schafften es nur mit massiven Verzögerungen und teils milliardenschwerem Mehraufwand in die Luft.

Den Hersteller bleibt nichts anderes, als zu beruhigen und sich um Schadensbegrenzung zu bemühen. Dass die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) Untersuchungen anordne, bedeute keineswegs, dass Maschinen absturzgefährdet seien, musste Airbus gestern wieder einmal betonen. Kurz zuvor hatte die EASA die Untersuchung aller A380-Flügel angeordnet. An mehreren Teilen waren zuvor Risse entdeckt worden. Fluggäste in aller Welt fragten sich, ob die modernen Flugzeuge sicher sind.

Piloten zeigen sich entspannt: "Die Teile sind ja nicht komplett ungeeignet, sie halten nur nicht so lange wie gedacht", sagt ein Lufthansa-Pilot. "Grundsätzlich ist es positiv zu sehen, dass die Überwachung so gut ist, der Mangel auffiel und man die Flieger nun alle überprüft." Für die Fluggesellschaften an sich ist der Ausfall aber bitter.

Auch wenn Airbus für die Reparaturkosten geradesteht, fehlen die Maschinen mindestens drei Tage im Betrieb. Für viel Geld haben sich viele Fluglinien den Publikumsmagneten A380 angeschafft, der laut Preisliste 390 Mio. US-Dollar kostet. 68 Exemplare des Riesenfliegers sind bereits im Einsatz.

Für die Reparatur müssen die Airbus-Techniker zum Inneren des Flügels vorstoßen: Nur so können sie die schadhaften Teile gegen intakte austauschen. An jedem der untersuchten Flieger waren bislang mehrere solche Reparaturen notwendig.

Airbus-Rivale Boeing ist ebenfalls Kummer gewohnt. Der Hoffnungsträger 787 "Dreamliner" wurde zum Alptraum der Konstrukteure. Eine ungesunde Mischung aus eigenen Fehlern und denen der Zulieferer führte dazu, dass die ersten Maschinen mit mehr als drei Jahren Verspätung ausgeliefert wurden. Die Kunden waren stinksauer, die Kosten explodierten. Zudem erwiesen sich die verwendeten Kohlefasern beim "Dreamliner" als tückisch. Der leichte und dennoch hochstabile Kunststoff ersetzte das sonst im Flugzeugbau übliche Aluminium. Ziel war es, das Flugzeug abzuspecken und langlebiger zu machen.

Erst vor wenigen Tagen tauchten aber neue Fertigungsprobleme auf. Das Skelett, das dem Rumpf Festigkeit verleiht, war an einigen Stellen nicht richtig montiert worden. Es bestehe jedoch kein Grund zur Sorge, beteuerte Marketingchef Randy Tinseth: "Die Reparaturen werden nur einige Tage dauern, nicht Monate." Die Flugzeugbauer haben aus den Fehlern gelernt: Bei ihren Verkaufsschlagern, den Mittelstrecken-Baureihen Airbus A320 und Boeing 737, gehen sie kein Risiko ein. Hier verzichten sie vorerst auf einen kompletten Modellwechsel. Stattdessen setzen die Hersteller auf eine Modernisierung und rüsten die Maschinen vor allem mit neuen, spritsparenden Triebwerken aus.

Doch selbst eine solche Operation ist schwierig, wie der Jumbo-Jet zeigt. Boeing hatte die legendäre 747, deren Grundkonstruktion noch aus den 1960er Jahren stammt, bereits mehrfach auf den neuesten Stand gebracht. Die neueste Generalüberholung, bei der das Flugzeug auch vergrößert wurde, verschlang ebenfalls deutlich mehr Zeit als ursprünglich veranschlagt wurde.


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Autor: DPA | 09.02.2012

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