Deutsche Banken robust
Frankfurt/Berlin. Griechenland werden Schulden erlassen. Stehen die Banken das ohne Staatshilfe durch? "Ja", heißt es in Deutschland und Spanien, "wahrscheinlich" in Frankreich. Über 100 Milliarden Euro werden benötigt.
Europas Bankenriesen wollen den beschlossenen Griechenland-Schuldenerlass ohne weitere Staatshilfe stemmen. Allerdings müssen sie bis Mitte 2012 gut 106 Mrd. EUR an frischem Kapital beschaffen. Immerhin: Die angedrohte zwangsweise Teilverstaatlichung ist erst einmal vom Tisch. Viele Banken verbreiteten am Tag nach dem Gipfel demonstrativ Optimismus. Bank-Aktien schossen gestern in die Höhe - offensichtlich, weil die Börse der Bankenbranche zutraut, die gestiegenen Kapitalanforderungen aus eigener Kraft zu stemmen und auch den 50prozentigen Schuldenschnitt für Griechenland gut zu verdauen.
In Finanzkreisen werden die Gipfel-Ergebnisse denn auch weitgehend positiv gewertet. Michael Heise, Chef-Volkswirt der Allianz spricht von "deutlichen Fortschritten". Auch die Hebelung des Euro-Rettungsfonds EFSF wird begrüßt, ebenso die Teilkasko-Versicherung. "Damit wird ein Investment in Anleihen der Euro-Krisenstaaten deutlich attraktiver als zuvor", sagt Christiane Jäcker von der BHF Bank. Der Kapitalmarktzugang bliebe damit auch für angeschlagene Länder offen, betont auch Heise. Jetzt müssen Investoren gefunden werden. Über Nacht geht das nicht. "Der Teufel steckt oft in den Details", sagt Jäcker. Als mögliche Käufer der Anleihen gelten die so genannten BRIC-Staaten, also Brasilien, Russland, Indien und China sowie weitere Schwellenländer.
Zumindest die Banken haben die Regierungen aber sicher im Boot. Sie verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Griechenland. Ganz freiwillig, wie das Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des deutschen Bankenverbandes (BdB) behauptet, geschieht das allerdings nicht. Er sprach gestern von einem Angebot, das die Banken gemacht haben. Aber ihre Zusage war so wenig freiwillig wie schon jene beim Gipfel im Juli als ein Abschlag von 21 Prozent vereinbart wurde. Tatsächlich hat der EU-Gipfel die Institute zur Freiwilligkeit gedrängt, ansonsten hätte noch ein stärkerer Schnitt gedroht. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann lobte die Gipfel-Beschlüsse.
5,2 Mrd. EUR müssen die deutschen Banken bis zum Sommer nächsten Jahres für das dickere Risikopolster einsammeln. Kapitallücken ergeben sich bei der Deutschen Bank, der Commerzbank, der NordLB und der LBBW. Die Institute bekräftigen aber, dass sie dafür keine Staatshilfe in Anspruch nehmen müssten. Die übrigen neun getesteten deutschen Banken haben angeblich ein ausreichend dickes Risikopolster und stehen deutlich besser da als die anderen der 70 untersuchten europäischen Banken. Bis Weihnachten müssen sie darlegen, wie die Kernkapitalquote (Verhältnis von Eigenkapital zu Risikogeschäften) von 4 auf 9 Prozent steigen soll.
Offensichtlich wollen die Banken weder den Kapitalmarkt anzapfen noch Aktionäre und Eigentümer ansprechen. Der Gang an den Kapitalmarkt etwa durch eine Kapitalerhöhung wäre derzeit ohnehin schwierig. Angesichts der zuletzt starken Kursverluste vor allem auch bei Bankaktien, dürften sich kaum Käufer neuer Aktien finden, heißt es in Frankfurt.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: ROLF OBERTREIS UND DPA | 28.10.2011
| Artikel twittern |
|
|
MEISTGELESENE ARTIKEL
ZUR PERSON: Tollkühner Kremlflieger
Vor 25 Jahren durchbrach der deutsche Pilot Mathias Rust die Luftabwehr der UDSSR. Um die Landung vor dem Kreml ranken sich bis heute Legenden.... mehr
Transporter rast mit hohem Tempo auf Wohnmobil
Langenau Noch unklar ist die Ursache für einen schweren Auffahrunfall am Donnerstag auf der Autobahn 7 bei Langenau, bei dem ein Transporter mit extrem hohem Tempo auf ein Wohnmobil auffuhr. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt, eine Katze wird vermisst.... mehr
Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz
Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr
Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um
Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr
Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters
Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr

ZURÜCK