Deutlich zu optimistisch

Ulm.  Die Härte, mit der die globale Krise den Exportweltmeister aus den Bahn warf, hatte unsere Expertenrunde nicht auf dem Ticket. Dennoch waren ihre Prognosen zum Arbeitsmarkt erstaunlich treffsicher.

Das ganze Ausmaß der tiefsten Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik wurde massiv unterschätzt. Auf diese Kurzformel lassen sich die Prognosen von sechs Spitzenmanagern und einem führenden Gewerkschafter aus dem Südwesten für das Jahr 2009 bringen, um die die Wirtschaftsredaktion der SÜDWEST PRESSE vor einem Jahr gebeten hatte.

Die Weltwirtschaftskrise, die im zu Ende gehenden Jahr auf die internationale Finanzkrise folgte, zwang die deutsche Wirtschaft zu einer Schrumpfkur ohnegleichen. Die gesamte Wirtschaftsleistung stürzte um 5 Prozent ab, wie die Wirtschaftsweisen in ihrem Jahresgutachten schreiben. Dem herben Rückschlag relativ am nächsten kamen die Prognosen von Dr. Nicola Leibinger-Kammüller und Dr. Siegfried Jaschinski. Die Trumpf-Chefin und der Ex-Vorstandsvorsitzende der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hatten auf einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,2 Prozent gesetzt.

Auch mit der Einschätzung der Teuerung hatten unsere Experten Probleme: Preisstabilität hatte niemand auf der Rechnung. Jaschinski und Dr. Günter Baumann, der ehemalige Präsident der IHK Stuttgart, kamen mit 1,0 Prozent der tatsächlichen Preisentwicklung von plus 0,4 Prozent noch relativ am nächsten. Viel zu viel Inflationssorgen machten sich der WMF-Vorstandsvorsitzende Thorsten Klapproth mit 2,1 Prozent und Jörg Hofmann, Bezirksleiter der IG Metall in Baden-Württemberg, mit 1,8 Prozent.

Die Entwicklung am Arbeitsmarkt sahen die Top-Vertreter der heimischen Wirtschaft dagegen recht genau voraus. Der frühere Stuttgarter IHK-Präsident Baumann und Ex-LBBW-Chef Jaschinski lagen mit 8,3 beziehungsweise 8,1 Prozent nur ganz knapp neben der durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 8,2 Prozent.

Das von der explodierenden Staatsverschuldung in Griechenland ausgelöste abrupte Ende des Euro-Höhenfluges gegenüber dem US-Dollar bringt Zwick-Roell-Chef Dr. Jan Stefan Roell und IG Metall-Bezirksleiter Hofmann mit ihren 1,45 Dollar für den Euro auf die Gewinnerstraße. Arbeitgeberpräsident und Allgaier-Aufsichtsrats-Chef Dr. Dieter Hundt sowie WMF-Chef Klapproth sahen mit 1,25 Dollar beziehungsweise 1,28 Dollar die Entwicklung der europäischen Gemeinschaftswährung viel zu skeptisch, für die es gestern 1,4433 Dollar gab. Für Trumpf-Chefin Leibinger-Kammüller bedeutet dies sogar eine Punktlandung mit ihrem Prognoseband von 1,35 bis 1,45 Dollar.

Im Blick auf die Reaktion des Deutschen Aktienindex (Dax) auf die globale Krise, lag unsere Tipper-Runde klar daneben. Dass der Dax das Jahr mit 6011 Punkten beschließt, erwartete niemand. Leibinger-Kammüller lag mit 5500 Punkten noch am besten, während Jaschinski mit 4900 und Hofmann mit 4500 Zählern weit daneben lagen.


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Autor: NIKO FRANK | 30.12.2009

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