Chinesen machen sich in Osteuropa breit

Nach zehn Jahren gibt Klaus Mangold den Vorsitz des Ost-Ausschusses der Wirtschaft ab. Seine Schlussbilanz fällt überwiegend positiv aus. Nachdrücklich warnt er vor dem steigenden Einfluss Chinas.

DIETER KELLER | 1 Meinung

In Bulgarien will China auf einem alten Militärgelände eine Industriezone errichten, die auch als Einfallstor für chinesische Waren in die EU dienen könnte. In Polen hat ein chinesischer Staatskonzern zwei Aufträge für den Bau von Autobahnen mit Dumpingangeboten gewonnen. In Russland hat sich China mit Milliardenkrediten den Zugriff auf Erdöl gesichert. Das sind nur drei von zahlreichen Fällen, die der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft aufgelistet hat, um vor dem immer aggressiveren Auftreten der Chinesen in Osteuropa und Zentralasien zu warnen.

Sein Vorsitzender Klaus Mangold schlägt Alarm: "Während westliche Firmen in China durch Protektionismus ausgebremst werden, arbeiten sich chinesische Staatskonzerne bei Infrastruktur-Ausschreibungen in Osteuropa mit nicht-marktkonformen Kreditkonditionen immer weiter vor - bis in die EU." Die Chinesen als staatlich gelenktes System hätten die Schwächephase der weltweiten Rezession genutzt, um sich sowohl den Zugang zu Rohstoffen als auch zu Aufträgen und Investitionsprojekten zu sichern.

Deutschland brauche schnell eine nachhaltige Rohstoffstrategie, fordert Mangold. Dies sei in den nächsten Jahren genau so wichtig wie das Energiekonzept: "Wir haben nichts davon, wenn wir eine tolle verarbeitende Industrie haben, wenn sie nichts zu verarbeiten hat." Bei Seltenen Erden, die als Rohstoff etwa bei der Computerproduktion entscheidend sind, hat China seine Exporte bereits um ein Drittel reduziert. Umso wichtiger ist es, dass die EU in Ländern Zentralasiens wie Kasachstan und Usbekistan den Fuß in der Tür behält, wo diese auch zu finden sind.

Für Mangold ist das "eine der großen Aufgaben der nächsten Jahre". Der 67-Jährige wird sie allerdings nicht mehr an vorderster Front verfolgen: Nach zehn Jahren gibt der gebürtige Pforzheimer heute die Leitung des Ost-Ausschusses an Eckhard Cordes ab. Den Chef der Metro-Gruppe kennt er aus dem Vorstand von Daimler-Benz: Mangold gehörte ihm von 1995 bis 2003 an; er war Chef der Dienstleistungstochter Debis. Cordes war von 1996 bis 2005 unter anderem Pkw-Chef.

Mangold zieht eine positive Bilanz der letzten zehn Jahre: Der deutsche Handel mit Osteuropa habe sich in dieser Zeit verzehnfacht. Mit rund 13 Prozent Marktanteil sei dies eine der wichtigsten Regionen noch vor Südostasien. Zu seinen Enttäuschungen zählt er, dass es in Russland nicht gelungen ist, einen leistungsfähigen Mittelstand aufzubauen. Der Ost-Ausschuss, der durch Mangolds Vorgänger Otto Wolff von Amerongen über Jahrzehnte geprägt wurde, versteht sich hauptsächlich als Dienstleister und Türöffner für Unternehmen, die im Osten aktiv werden wollen.

Aktuell hat sich der Osthandel nach dem großen Einbruch 2009 wieder erholt: Im ersten Halbjahr dieses Jahres stiegen die deutschen Exporte um 17 Prozent, die Einfuhren um 15 Prozent. Für das ganze Jahr rechnet Mangold sogar mit einem Exportwachstum von über 20 Prozent. Dabei bieten die 29 Länder Osteuropas und Zentralasiens ein sehr gemischtes Bild. So hat sich der Handel mit Russland deutlich belebt, während Kroatien oder Albanien zurückgefallen sind. Bei Russland bemängelt Mangold, dass immer noch 80 Prozent der Ausführen Öl, Gas und Rohstoffe sind; die Industrie spielt nur eine geringe Rolle.

1 Kommentar

14.10.2010 15:29 Uhr

H. Mangold

Wo Herr Mangold liegt der Unterschied zwichen
"Einfallstor von China zur EU in Bulgarien Und
"Fuss in der Tür der EU zu Kasachstan u. Usbekistan
haben". Antwort : keiner Beide wollen verdienen.

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