Chemieindustrie brummt - Prognose erhöht
Die Chemieanlagen in Deutschland laufen wieder auf vollen Touren, die Wirtschaftskrise ist fast überwunden
und die Branche hat ihre Prognosen deutlich angehoben. Lediglich die Beschäftigung stagniert.
Frankfurt/Main (dpa) - Die chemische Industrie hat ihre Prognose für 2010 nach einem starken zweiten Quartal deutlich angehoben. Die Produktion dürfte um 11 Prozent zulegen, der Umsatz wegen steigender Preise sogar um 18 Prozent, wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Donnerstag mitteilte. Zuvor hatte der Verband nur mit einem Umsatzplus von 10 Prozent gerechnet.
«Wir haben die Folgen der Wirtschaftskrise jetzt nahezu überwunden», sagte VCI-Chef Ulrich Lehner. Das Tempo des Wachstums habe aber nachgelassen, da die Chemie als Lieferant von Vorprodukten von einer Konjunkturerholung besonders früh profitiere. «Auch in den kommenden Monaten wird es weiter, aber langsamer aufwärtsgehen.»
Im zweiten Quartal war die Produktion im Vergleich zum ersten Quartal um 1,5 Prozent gestiegen. Die Kapazitätsauslastung kletterte um 2,8 Punkte auf 85,6 Prozent. «Eine vergleichbare Auslastung konnte die Branche zuletzt im zweiten Quartal 2008 vorweisen», hieß es. Der Umsatz erreichte 41,6 Milliarden Euro, das sind 5,2 Prozent mehr als im Vorquartal und 22,7 Prozent mehr als im zweiten Quartal 2009.
Keinen deutlichen Auftrieb gab es bei der Beschäftigung in der Chemie-Industrie. Nach dem Rückgang im Krisenjahr 2009 um 2,9 Prozent auf 416 250 Mitarbeiter sei die Beschäftigung seit Anfang 2010 nun aber nahezu stabil. Von Kurzarbeit waren im zweiten Quartal nur noch rund 5000 Mitarbeiter betroffen, in der Krise waren es zeitweise zehnmal so viele.
Überproportional stark stieg die Nachfrage aus dem Ausland. «Chemikalien "Made in Germany" sind derzeit weltweit gefragt. Die maßgeblichen Impulse für das deutsche Chemiegeschäft kamen daher aus dem Ausland.» Gegliedert nach Sparten liefen die Geschäfte in allen Bereichen gut. Allerdings konnte die Pharmaindustrie, die von der Wirtschaftskrise kaum betroffen war, ihre Produktion im zweiten Quartal nicht weiter ausdehnen.
Die Aussichten für das Geschäft in den kommenden Jahren sind nach Angaben des Verbandes mit Risiken verbunden. «Wie nachhaltig die Erholung im deutschen Chemiegeschäft ist, muss sich aber erst noch zeigen. Bisher wurde nur aufgeholt, was im Zuge der Krise verloren gegangen war», hieß es in dem Bericht. Die Konjunkturabkühlung in den USA, Ängste vor einer Überhitzung in China und die Schuldenkrise in Südeuropa drohten das Exportgeschäft zu belasten.
Umso wichtiger sei die Frage, ob die Binnenkonjunktur dauerhaft anspringe und Deutschland seine Investitionsschwäche überwinde. «Ob das gelingt, darf angesichts eines fehlenden wirtschaftspolitischen Konzepts und zahlreicher sich widersprechende ad-hoc-Entscheidungen bezweifelt werden», erklärte der Verband.
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02.09.2010
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Eine neue BASF-Produktionsanlage zur Herstellung des Pflanzenschutzmittels F 500 in Schwarzheide.
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