Boom für Dellendoktoren

Hagelkörner so groß wie Golfbälle rufen eine sehr mobile Branche auf den Plan: Dellendoktoren reisen Hagelstürmen hinterher. Je kräftiger sie ausfallen, desto mehr Geschäft fällt für die Blechspezialisten an.

DPA |

Wer an Naturkatastrophen denkt, dem kommen ferne Wirbelstürme oder Erdbeben in den Sinn. Doch eng begrenzt im Lokalen brechen auch in Deutschland im Sommer regelmäßig die Naturgewalten los - wie in der Region Tübingen/Reutlingen, im Raum Göppingen, an Oberrhein und Bodensee oder zuletzt östlich von Hannover.

Hagelkörner groß wie Tennisbälle zerstörten etwa bei VW in Wolfsburg Tausende Neuwagen. Versicherer meldeten Rekordschäden, vergleichbar mit dem Orkan Kyrill 2007. Was nur wenige wissen: Ereignisse wie dieses erwecken eine kleine Branche zum Leben.

Bereits als die Autobesitzer die Krater auf ihren Fahrzeugblechen noch ungläubig beäugten, rollten Kolonnen mit Dellenexperten an. Ein kleiner Industriezweig hängt an den Pkw-Schäden. "Wenn es hagelt, ist Saison. Und dieses Jahr ist es wirklich extrem", sagt Wolf-Henning Hammer, Chef im Bundesverband Ausbeultechnik und Hagelinstandsetzung (BVAT).

Er beschreibt ein inzwischen globales Geschäft, getrieben von den Sommergewittern. "Wenn hier auf der Nordhalbkugel gerade Winter ist, ist halt auf der Südhalbkugel Saison." Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft betrug der Aufwand für Sturm, Hagel und Blitz bei Pkw im Jahr 2011 deutschlandweit rund 690 Mio. EUR.

Ein Großteil des Geschäfts läuft über herkömmliche Karosserie- und Lackierbetriebe. Die Nachfrage ist auch für Kfz-Betriebe ein Standbein. So bieten Handwerkskammern Fortbildungen an zur "Fachkraft für innovative Fahrzeugaufbereitung" an. Inhalt: Lackschadenfreie Ausbeultechnik.

Eine Handvoll Dellendoktoren dominiere das mobile Geschäft mit den Sammelbegutachtungen im Großschadensfall. Ein Teil sei bundesweit aufgestellt, andere global. KHS zum Beispiel hat Niederlassungen in Italien, Schweden, der Schweiz, Frankreich und in den USA. KHS-Chef Guido Dilk glaubt, dass das Hageljahr 2013 noch intensiver als 2008 werde. Damals traf ein Hagelsturm allein rund 30 000 Neuwagen bei VW, was der Branche einen Großeinsatz bescherte. Laut Hammer vom BVAT charterten Hageltechniker aus dem Ausland Ferienflieger oder mieteten Reisebusse. "Die Technik samt mobiler Büroausstattung ist immer schon fertig verpackt. Denn ein Zeitvorteil ist auf jeden Fall sinnvoll", sagt Hammer.

Wer wie bei VW an die Großaufträge kommen will, muss Personalpower haben. Der Branchenriese Douteil aus Nordrhein-Westfalen etwa kommt auf einen Fuhrpark aus 100 Fahrzeugen und 50 Anhängern. Er ist auch in Polen, der Schweiz, Brasilien und in den USA unterwegs.

Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst sagt, dass Studien zur Hagelhäufigkeit fehlten. Meteorologen könnten am Radar Hagel nicht sicher von Starkregen unterscheiden. Die Industrieversicherungssparte bei der Allianz berichtet zwar von Schutzmöglichkeiten wie Hagelnetzen, doch immer wieder trifft es trotzdem das Blech.

Die Versicherer sind dann wichtige Helfer. Bettina Sattler von der Allianz berichtet etwa, dass die Versicherung bei der Auswahl der Hagelausbeulfirmen und den Ausschreibungsgesprächen unterstütze.

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