Bestpreis-Angebote sind oft schlecht

Bestpreis-Garantien bei Optikern, Baumärkten oder Elektronikhändlern versprechen sorgloses Einkaufen. Doch Wissenschaftler sehen darin ein "Instrument zur Durchsetzung hoher Preise".

DPA |

Bestpreis-Garantien sind beliebt. Optikerketten wie Fielmann oder Krane bieten sie ebenso an wie die Baumarktketten Bauhaus und Hornbach. Auch Möbel- und Elektronikhändler werben damit um Kunden. Das Prinzip ist einfach: Wer das gleiche Produkt nach dem Kauf woanders billiger sieht, kann es umtauschen oder bekommt die Preisdifferenz erstattet. Und manchmal sogar noch mehr.

Das gibt den Kunden das Gefühl, vor überhöhten Preisen geschützt zu sein. Doch einige Wissenschaftler halten die Praxis für alles andere als verbraucherfreundlich. Ganz im Gegenteil: Sie sei sogar "ein Instrument zur Durchsetzung hoher Preise", warnt Volkswirt Ulrich Schwalbe von der Universität Hohenheim. "Tief- oder Niedrigstpreis-Garantien sollen den Eindruck besonders günstiger Angebote und eines intensiven Wettbewerbs vermitteln", erklärt Schwalbe. Aber in Wirklichkeit ermögliche eine Preisgarantie, gefahrlos die Preise zu erhöhen.

Denn im schlimmsten Fall müsse es zwar zum Preis der Konkurrenten verkaufen - bekomme aber von uninformierten Käufern den höheren Betrag. Dies könne sogar dazu führen, dass sich die Preise insgesamt auf einem höheren Niveau einpendeln, wenn andere Unternehmen dem Beispiel folgen. Eine Fallstudie über Preisgarantien bei drei Supermarktketten in den USA habe dies bestätigt, betont Schwalbe.

Die Unternehmen sehen das anders. "Unsere Absicht ist es, den Kunden eine Sicherheit zu geben", sagt etwa Bauhaus-Sprecher Robert Köhler. Jährlich werde die "Tiefpreisgarantie 12 Prozent" von einigen 10 000 Kunden in Anspruch genommen. Das koste Bauhaus einen Millionenbetrag. Köhler betont, der Wettbewerb in der Branche sei hart - schon deshalb könne es sich das Unternehmen nicht erlauben, überhöhte Preise zu nehmen.

Auch Deutschlands größte Augenoptikerkette Fielmann verteidigt die bereits 1982 eingeführte "Geld-zurück-Garantie" vehement. Sie sei ein "einklagbarer Rechtsanspruch" der Kunden und Ausdruck der Preiswürdigkeit des Unternehmens.

Schwalbe steht nicht allein mit seinen Bedenken da. Auch der Kartellrechtler und Vorsitzende der Monopolkommission, Daniel Zimmer, befürchtet wettbewerbsbeschränkende Folgen. "Wenn ein Unternehmen wie Fielmann so etwas anbietet, entmutigt das die Konkurrenz, mit günstigeren Preisen gegenzuhalten. Dies könnte insgesamt zu höheren Preisen führen.". Juristisch gesehen gebe es aber kaum eine Handhabe. Schwalbe rät Verbrauchern denn auch, Preisgarantien "nicht besonders ernst zu nehmen" und lieber selbst einen Preisvergleich vorzunehmen.

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