Bei Daimler-Lkw flaut der "Hurrikan" ab

Stuttgart.  Das Schlimmste ist wohl überstanden. Aber die Nutzfahrzeug-Sparte bei Daimler wird lange brauchen, um sich zu erholen. Bald könnte die weltweite Nummer 1 zudem nur noch die Silbermedaille tragen.

Die Wirtschaftskrise ist manchmal auch gut. Etwa, um geduldiger zu werden. Andreas Renschler musste dies in China lernen. "Dort stehen wir schon lange in den Startlöchern", sagte der Daimler-Vorstand für Lastwagen und Busse im Jahresgespräch. Obwohl der Markt schnell wächst, mit dem Lkw-Bauer Foton ein Partner gefunden und der Verkauf in anderen Weltgegenden weggebrochen ist, können die Stuttgarter im Fernen Osten nicht Gas geben. Der Grund: "Wir wollen die eigene Technologie nicht an chinesische Anbieter abgeben." Die Genehmigung steckt irgendwo im Regierungsapparat fest - Geduld ist gefragt.

Auch in Indien sind die Deutschen mit ihren eigenen Produkten bisher nicht präsent. Ein Joint Venture mit dem Hersteller Hero wurde aufgelöst. Jetzt soll es auf dem Subkontinent erst 2012 losgehen. "Mich lässt aber ruhig schlafen, dass unsere Konkurrenten auch noch nicht da sind", sagte Renschler. Bisher ist Daimler bei Lastwagen noch die weltweite Nummer 1. Im Nacken dürften sie aber bereits den heißen Atem des chinesischen Herstellers FAW spüren, der im vergangenen Jahr nur 10 500 mittelschwere und schwere Fahrzeuge weniger verkauft hat. Der Marktanteil Daimlers ging von 15 auf 11 Prozent zurück.

Die weltweite Wirtschaftskrise - für Renschler ein " Hurrikan" - ließ den Absatz um 45 Prozent auf 259 328 Fahrzeuge einbrechen. Der Umsatz ging um 36 Prozent auf 18,36 Mrd. EUR zurück, der Vorsteuerertrag (Ebit) schrumpfte von plus 1,6 Mrd. EUR (2008) auf minus 1 Mrd. EUR (2009). "Es ging in allen Regionen bergab und es damit gab es keine Gegengewichte", sagte der Trucker-Chef. Die Zahl der Mitarbeiter dieser Daimler-Sparte musste weltweit um 8716 auf 70 699 reduziert werden; in Deutschland konnte man sich dank Kurzarbeit über die Runden retten.

"Ist damit das Schlimmste überstanden?", fragte Renschler rhetorisch und antwortete mit einem "Ja, aber. . .". Zwar soll es in diesem Jahr eine Trendwende auf dem Lkw-Markt geben, aber es wird ein langsamer Aufstieg werden. Teilweise kann es Jahre dauern, bis sich die Truckermärkte vollständig erholt haben. "Ich will gar nicht auf den Stand von 2007. 2004 wäre schon das Paradies", sagte Renschler. Damals wurden 408 000 Fahrzeuge verkauft.

In Europa sinken die Neuzulassungen schon den 21. Monat in Folge. "Die einzigen Märkte, in denen es stabile Wachstumsimpulse gibt, sind die üblichen Verdächtigen Brasilien, Indien und China." Die Kurzarbeit in Deutschland wird bis mindestens Mitte 2010 fortgesetzt. Sparen ist weiter angesagt. Von vier Motorenfamilien an vier Standorten soll eine Aggregat-Familie an zwei Produktionsstandorten übrig bleiben.

In diesem Jahr will der Daimler-Bericht auch mit 40 Prozent weniger Absatz als 2008 profitabel sein. Das Ebit-Ziel liegt bei 200 Mio. EUR.

Im Januar gab es bereits ein erstes Aufatmen in Untertürkheim: Der Auftragseingang lag 58 Prozent über dem Vorjahresmonat, wenn auch auf niedrigem Niveau. Die Investitionen bleiben stabil. Renschler zitierte dazu ein Sprichwort, das frei übersetzt heißt: "Wenn du deinen Kopf in den Sand steckst, kann dir jemand in den Hintern treten."


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Autor: THOMAS VEITINGER | 11.03.2010

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