Bauern erwarten "ausgeschlafenen" Spargel
Berlin. Frühlingszeit ist Spargelzeit: Die strenge Kälte des Winters konnte dem Edelgemüse nichts anhaben. Die deutschen Spargelbauern werden auch heuer wieder auf osteuropäische Saisonarbeiter zurückgreifen.
Optimistisch starten in diesen Tagen vielerorts die Spargelbauern in die neue Erntesaison. "Im Moment sieht alles gut aus", sagt Hans-Dieter Stallknecht vom Deutschen Bauernverband. Rund 400 bis 500 Mio. EUR dürften die deutschen Spargelbauern mit ihrem Edelgemüse pro Saison umsetzen. Im Durchschnitt isst jeder Deutsche rund 1,5 Kilogramm der weißen Stangen pro Jahr.
Der lange kalte Winter konnte dem Gemüse anscheinend nichts anhaben. "Je tiefer der Spargel schläft, desto ausgeschlafener startet er ins Frühjahr", sagt Simon Schumacher, der Geschäftsführer des Verbands der Süddeutschen Spargel- und Erdbeeranbauer.
Die Spargelbauern hoffen jetzt auf gutes Wetter bis zum traditionellen Ende der Saison - am Johannistag, dem 24. Juni. "Eine Temperatur zwischen 20 und 25 Grad Celsius und viel Sonnenschein wären optimal", erklärt der Vorsitzende des Arbeitskreises Spargel Südhessen, Rolf Meinhardt. Dann könnten während der Saison pro Hektar täglich rund 150 Kilogramm Spargel gestochen werden. Derzeit sind die Preise mit bis zu 10 EUR pro Kilogramm noch recht hoch. In den kommenden Wochen rechnen Experten mit einem Kilogrammpreis von etwa 5 bis 7 EUR.
Wie viele Spargelbauern es in Deutschland gibt, lässt sich nicht ermitteln, da viele das Saisongemüse nebenbei anbauen. Es dürften allerdings mehrere Tausend sein. Bedeutende Anbauregionen liegen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Brandenburg, Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz. Etwa 90 000 Tonnen werden auf den insgesamt 19 000 Hektar Anbauflächen geerntet. Weitere 30 000 Tonnen werden vor allem aus Griechenland, Spanien und Polen importiert, um den Spargel-Appetit der Deutschen zu stillen.
Das Spargelstechen ist harte Arbeit, für die viele Landwirte auch in diesem Jahr wieder auf Tausende Saisonarbeiter aus Osteuropa zurückgreifen. Von Januar bis März gingen bei der Bundesagentur für Arbeit rund 84 000 Anforderungen für ausländische Helfer in der Landwirtschaft ein. Die meisten davon kommen aus Polen und Rumänien, wie eine Sprecherin der Behörde in Nürnberg sagte. Der überwiegende Teil wird Schätzungen zufolge in der Spargelernte eingesetzt werden.
Sieben bis acht Kilogramm schafft ein Stecher in einer Stunde, heißt es bei der Vereinigung der Spargelanbauer in Niedersachsen. Sie vertritt rund 90 Prozent der mehr als 900 niedersächsischen Spargelbauern. Wichtig sei es, die Stangen zu stechen, bevor sie die Erdkrume durchstoßen haben. Nur dann blieben die wertvollen Spargelköpfe weiß - wie sie auch sein sollen. Feine Risse auf dem Boden verraten dabei, wo stechreife Stangen herangewachsen sind.
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Autor: RALF BEUNINK, DDP | 14.04.2010
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