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Augen im Himmel

Sie schwirren durch die Medienlandschaft: Drohnen. Während sich Politiker für die Anschaffung einer europäischen Kampfdrohne stark machen, berichtet Hersteller Cassidian viel lieber von den zivilen Einsätzen.

THOMAS VEITINGER | 0 Meinungen

Sie fliegen fast lautlos im Himmel. Ihre Kameras sondieren unbemerkt die Lage am Boden und machen Feinde aus. Dann werden Raketen von einem Soldaten abgefeuert, der viele 1000 Kilometer entfernt sitzt. . .. So oder so ähnlich werden Drohnen in den Medien beschrieben, hat Cassidian festgestellt. Nachdem sich selbst das Männermagazin "Playboy" für die Flugobjekte ohne Piloten interessierte, wollte die Tochter des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS ihre andere Version über "das Dauerthema der sicherheitspolitischen medialen Berichterstattung in Deutschland" loswerden.

Drohnen sind für Cassidian vor allem zur Aufklärung und Bewachung von Objekten, Feinden und Grenzen da - und wichtig für die technologische Entwicklung in der Luftfahrt. Moralische und politische Fragen spielen keine Rolle.

Heute steht - wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts - in 95 Prozent aller Fälle das Auskundschaften im Vordergrund, erklärt Rolf Wirtz, der den Bereich "Unbemannte Flugsysteme (UAS)" bei Cassidian leitet. Bereits 1937 lugte das ferngesteuerte Kleinflugzeug Argus AS292 über Feindeslinien. In den 60er Jahren interessierten sich Amerikaner mit ihrer Aufklärungsdrohne Firebee dann für den Vietcong. Die Zeit der Drohnen begann aber erst mit dem Modell RQ-5 Hunter im Jugoslawien-Konflikt 1991. Seitdem hochgerüstete Soldaten in Afghanistan im Einsatz stehen, zählen Drohnen zum Repertoire der Kriegsführung.

Das Spektrum unbemannter Flugsysteme reicht in der EADS-Militärsparte von einer sonnenkollektorgetriebenen Versuchs-Plattform, die wochen- und monatelang in der Luft bleiben kann und 5 bis 10 Kilogramm Nutzlast aufnimmt, bis zur Überwachungs- und Aufklärungsdrohne Eurohawk mit 1,3 Tonnen Nutzlast, die 30 Stunden fliegt. Polizisten sollen so Großveranstaltungen, Ölfirmen ihre Pipelines überwachen können.

Im Angebot ist auch die Heron 1, die der Luftwaffe nur zur Verfügung gestellt wird: Vor dem Start und nach der Landung kümmert sich die Hersteller um das Flugobjekt. Das Modell Tracker wird von einem Soldaten in die Luft geworfen und soll als "fliegendes Fernglas" helfen. Kein Interesse hat die EADS-Tochter an Mikro- oder Nano-Drohnen, wie es sie etwa in der Länge eines Bleistifts gibt, die per Tablet-PCs gesteuert werden.

Im Privatbereich fliegen kleine Plastikhubschrauber mit und ohne Kamera in Wohnzimmern oder spähen die Nachbarn aus und lassen sich zum Teil mit Smartphones steuern. Die Kosten für professionelle Flugobjekte reichen von fünf- bis sechsstelligen Beträgen bis zu mehr als 1 Mrd. EUR. Die Eurohawk wurde in Kooperation mit Northrop Grumman und Staatsgeldern gebaut.

Wieviele Drohnen Cassidian schon verkauft und was sie daran verdient hat, ist geheim. Aber vermutlich lohnt sich die Entwicklung. Weltweit soll der Umsatz von heute 6 Mrd. EUR auf 12 Mrd. EUR in zehn Jahren wachsen, hat eine Studie des auf Rüstungsfragen spezialisierte US-Forschungsinstitut Teal Group ergeben. Cassidian versteht sich als Systemlieferant und bietet auch Geräte an zur Simulation, Test, Missionsplanung, Training, Kommunikation und Bodensteuerung.

Auch wenn dabei immer wieder Bilder mit Soldaten zu sehen sind, die an Joysticks hantieren: Neue Drohnen werden per Tastatur gesteuert. Der aus Computerspielen bekannte Steuerknüppel dient nur der Navigation. Befehle müssen in Echtzeit erfolgen. Bei einem Modell kam es zu Abstürzen, weil zwischen Steuersignal vom Piloten am Boden und der Ausführung zu viel Zeit lagen. Auf den Bildschirmen erschienen Informationen, die bereits veraltet waren.

Die Drohnen-Technik ist laut Cassidian wie bei Verkehrsflugzeugen mehrfach abgesichert. Fällt ein Triebwerk aus, wird mit dem anderen weiter geflogen. Geht die Kommunikation mit der Bodenstation verloren, kreist die Drohne zunächst und fliegt dann zu dem Punkt, wo die letzte Verbindung bestand. Wenn es immer noch keine Befehle gibt, landet das Gerät nach einer bestimmten Prozedur; die Fluglotsen müssen nur noch den Weg freimachen.

Aber dies kann in Deutschland nicht passieren: Hierzulande dürfen die Drohnen nur nach Anmeldung in leeren Lufträumen ihre Bahnen ziehen. Die Vorbereitung dazu ist extrem zeitaufwändig: Allein die Planung des Überführungsfluges der Eurohawk zwischen Amerika und Europa dauerte ein Jahr. In den beiden Drohnen-Herstellerländern USA und Israel gibt es dagegen große Fluggebiete nur für Militärs. Wann und ob jemals in Europa Drohnen und zivile Maschinen miteinander fliegen, ist offen.

Vielleicht werden auch Fracht- oder Passagiermaschinen einmal mit nur einem oder sogar ganz ohne Piloten unterwegs sein. Die Technik gibt es schon und stammt aus der Drohnen-Forschung. Doch aus juristischen und auch aus emotionalen Gründen könnte dies noch lange dauern, bis sich diese Technik durchsetzt. Schließlich haben die Leute heute laut Wirtz sogar noch Angst in einen Beförderungszug ohne Fahrer am Flughafen einzusteigen.

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