Audi manövriert mit kleineren Dellen durch die Krise

Ingolstadt.  Die VW-Tochter Audi bilanziert ein durchwachsenes Jahr mit leichten Absatzverlusten und weniger Gewinn. Dennoch haben sich die Ingolstädter auf vielen Feldern robuster als die Konkurrenz gezeigt.

Es ist gerade mal drei Jahre her, da befand Audi-Chef Rupert Stadler die Klimadiskussion noch als geradezu hysterisch. Denn von den damals verhängten CO2-Grenzwerten waren nicht nur Daimler und Porsche, sondern auch Audi als dritter baden-württembergischer Autoproduzent besonders weit weg. Nicht nur die Supersportwagen der Tochter Lamborghini bliesen ein halbes Kilo Kohlendioxid pro Kilometer aus dem Auspuff, auch das Volumenmodell A4 lag selbst in der Basisversion bei 180 Gramm. Heute sieht die Bilanz gänzlich anders aus.

Audi setzt dabei auf eine sogenannte Fächerstrategie: Weil am Verbrennungsmotor derzeit noch kein Weg vorbeiführt, wird kräftig optimiert: 39 Modelle liegen unter 140 Gramm, 13 unter 120, und der A4 schafft sogar 119 Gramm. Einige Diesel erfüllen bereits jetzt die EU-Norm des Jahres 2014. Das schließt Größe und Agilität nicht aus: Das Flaggschiff A8 schafft in der Hybridversion, der Zwischenstufe zum Elektroantrieb, 100 Kilometer mit nur 6,2 Litern Benzin. 2011 kommen der Q5 und vor allem der Nachfolger des A6 in Hybridversionen auf den Markt.

Am Ende des Fächers unterschiedlicher Motoren aber steht die vollständige Elektromobilität. Ein namhafter Teil der bis 2012 geplanten 5,5 Mrd. EUR Sachinvestitionen fließt in die Entwicklung zukünftiger Antriebe, 350 Mitarbeiter sind schon jetzt ausschließlich mit der Elektrifizierung befasst. "Wir müssen jeden Stein umdrehen", sagt Entwicklungschef Michael Dick, aber ohne politische Unterstützung gehe es nicht.

Kleinserien-Hybride gebe es eben nicht zum Preis der konventionellen Fahrzeuge, deshalb seien staatliche Förderanreize notwendig. Bisher gibt es zwar nur drei Konzeptstudien, die von vornherein als Elektroautos konstruiert wurden. Darunter der e-tron, ein viermotorigen Supersportwagen, der in drei Jahren in Kleinserie geht. Gleichwohl beansprucht Stadler auch beim elektrischen Fahren "als langfristiges Ziel die Führungsrolle".

Allerdings hat auch Audi die Branchenkrise nicht ohne Blessuren überstanden: Der Umsatz schrumpfte 2009 um 12,7 Prozent auf 29,8 Mrd. EUR, der Gewinn nach Steuern sackte um 39 Prozent auf 1,3 Mrd. EUR ab. Aber der Absatz sank - dank des guten asiatischen Marktes - nur um 5,4 Prozent auf rund 950 000 verkaufte Autos. Im laufenden Jahr will Audi die Million wieder überschreiten und den beiden Hauptkonkurrenten im Premiumsegment, Mercedes (1,01 Mio. Fahrzeuge abgesetzt) und BMW (1,28 Mio. Fahrzeuge) zumindest näherkommen. Am langfristigen Ziel, bis 2015 jährlich 1,5 Mio. Fahrzeuge zu verkaufen und damit Erster der Dreiergruppe zu werden, ändere sich nichts, so Stadler - obwohl sich abzeichne, "dass uns die Krise deutlich länger beschäftigen wird als gemeinhin angenommen". Dabei sei man nicht mehr Jäger, sondern dank des kräftigen Wachstums, "nun auch Gejagter"in der Branche.

Audi habe sich in der Krise robuster als seine Mitbewerber gezeigt und die Marktanteile besonders in Deutschland, Westeuropa und den USA im vergangenen Jahr erhöht. Gerade die USA, in denen Audi in den 80er-Jahren einst wegen unerklärbar selbst beschleunigender Wagen in Misskredit geriet, werden zum vielversprechenden Markt: Plus 35 Prozent Zuwachs im vergangenen Jahr lassen Stadler hoffen, heuer sogar ein knappes Zehntel der Gesamtproduktion in den USA zu verkaufen.

Noch mehr Freude macht den Ingolstädtern der chinesische Markt, wo Audi exklusiv Langversionen europäischer Modelle vertreibt. Knapp 160 000 Fahrzeuge wurden im vergangenen Jahr 2009 verkauft, 200 000 sollen es in diesem Jahr werden, die meisten davon werden in China selbst montiert.


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Autor: ANDREAS BÖHME | 10.03.2010

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